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20 Jahre Gefängnis für Mord an Freundin

BernAuf offener Strasse, an einer Bushaltestelle in Bern tötete er vor zwei Jahren seine Partnerin. Nun muss der Täter für 20 Jahre ins Gefängnis.

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Der Mann, der im Juli 2013 im Berner Nordquartier seine Lebenspartnerin erstochen hat, muss für 20 Jahre ins Gefängnis. Das Regionalgericht Bern-Mittelland qualifizierte die Tötung – auf offener Strasse an der Bushaltestelle Markuskirche – am Dienstag als Mord. Zusätzlich zur Freiheitsstrafe ordneten die Richter für A.G.* eine ambulante Therapie an.

Eine Verwahrung kommt laut Gerichtspräsident Daniel Gerber nicht infrage, weil die Behandlung der diagnostizierten schweren psychischen Störung nicht von vornherein aussichtslos sei. Für eine stationäre Therapie seien die Erfolgsaussichten zu wenig gut. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschliessender Verwahrung gefordert, die Verteidigung plädierte für eine Freiheitsstrafe von 10 Jahren mit stationärer Therapie.

Ob der Verteidiger das Urteil weiterzieht, ist unklar. Von ihm war am Dienstag keine Stellungnahme erhältlich. Der Staatsanwalt wird aller Voraussicht nach auf einen Weiterzug verzichten.

Nebst dem Mord wurde der 46-Jährige in weiteren Fällen unter anderem wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, versuchter schwerer Körperverletzung und Vergewaltigung verurteilt.

«Napoleonhafter» Auftritt

Das Urteil nahm der Spanier – ein kleiner, fast zierlicher Mann – ohne Regung entgegen, den Blick auf die fünf Richter gerichtet. «Wie er hier sitzt, würde man ihm die Taten nicht zutrauen», sagte der Gerichtspräsident. Der Angeklagte habe zwei verschiedene Gesichter. Sein Auftreten vor Gericht habe mitunter «etwas Napoleonhaftes» an sich, so Gerber.

Bei der Tötung handle es sich um den traurigen Höhepunkt einer Reihe von Vorfällen, die seit 2010 immer gravierender wurden. Sein Einstieg ins Sexgewerbe, zusammen mit einer schweren psychischen Störung, hätte zu einer Verrohung der Persönlichkeit geführt. Dazu seien eine konstante Eifersucht gekommen und die Einstellung, dass Frauen eine Ware sind. Die Schuld habe er immer bei anderen gesucht. Selber sehe er sich in der Opferrolle.

Mord, nicht «nur» Tötung

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass A.G. in besonders skrupelloser Weise handelte. Zur Erinnerung: 10 Stunden wartet er mit Beil und Messer in der Wohnung an der Winkelriedstrasse auf das Opfer. Als seine Lebenspartnerin zusammen mit einer Freundin eintraf, griff er an. Anschliessend verfolgte er das Opfer bis an die Bushaltestelle Markuskirche. Auch als die Frau dort um Gnade flehte, hat er weiter auf sie eingestochen.

Dieser frühe Tötungsentschluss, die Vorbereitungen, das heimtückische Auflauern und das Verfolgen wertete das Gericht als Mord und nicht «nur» als vorsätzliche Tötung. Auch hätte der Beschuldigte jederzeit die Möglichkeit gehabt, abzubrechen, sagte der Gerichtspräsident. Mehrere Indizien würden gegen eine spontane Tat sprechen. «Es war keine Verzweiflungstat.»

«Sie war schon lange tot»

Die 34-jährige Frau, eine Französin, war nicht nur in einer Beziehung mit dem Mann, sondern auch seine Geschäftspartnerin. Die beiden führten ein Restaurant an der Belpstrasse in Bern, das schlecht lief. Zuvor arbeitete sie in seinem Massagestudio. Die Restaurantarbeit half der Frau beim Ausstieg aus dem Sexgewerbe. Die Beziehung sei chronisch konflikthaft gewesen – Geld war stets ein Streitpunkt. A. G. warf der Frau vor, ein zu luxuriöses Leben zu führen. Zunehmend habe er das Gefühl bekommen, alles zu verlieren, so das Gericht. Das Opfer habe er für das Scheitern seines Lebensplans – möglichst viel Geld verdienen – und für seine schlechte Lebenssituation verantwortlich gemacht.

Ein Brief, den A. G. aus dem Gefängnis seinem Bruder schrieb, zeigt die Haltung dem Opfer gegenüber deutlich: «Sie war schon lange tot, ich habe nur das Licht ausgeschaltet.»

*Namen der Redaktion bekannt (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.11.2015, 16:12 Uhr

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