1500 Tonnen Schweizer Steine liegen über den Leitungen

Bern

Bei der Sanierung der Marktgasse kommen keine Pflastersteine aus Kinderarbeit zum Einsatz. Die ersten Innerschweizer Steine werden schon morgen verlegt.

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Markus Ehinger@ehiBE

Die Marktgasse ist seit Anfang April eine riesige Baustelle. Die Arbeiten erstrecken sich bis in die Spitalgasse. Dort, im Bereich des Bären- und Waisenhausplatzes, werden morgen Donnerstag bereits die ersten neuen Pflastersteine verlegt. Die Quarz- respektive Guber-Sandsteine stammen aus dem Steinbruch in Alpnach im Kanton Obwalden. «Das ist der einzige Steinbruch der Schweiz, der die geforderte Qualität und Menge liefern kann», sagt Reto Zurbuchen, Leiter Projektierung und Realisierung im Tiefbauamt der Stadt Bern. Insgesamt werden bis im September rund 1500 Tonnen Steine verlegt. Das entspricht etwa 75 Lastwagenladungen. Die Denkmalpflege gibt dabei vor, wie die Steine auszusehen haben. «Die Struktur und Farbe der Steine ist in den Zähringerstädten Bern und Freiburg gleich», sagt Zurbuchen.

Keine «blutigen» Steine

Ein weiterer Grund für die vergleichsweise teuren Schweizer Steine: Etliche Städte gerieten vor einigen Jahren in die Kritik, weil sie Steine aus Ostasien importierten. Damals war die Rede von «blutigen» Steinen, die in China, Indien oder Vietnam von Kindern gemeisselt wurden. Bei der Effingerstrasse kamen über die Strecke von einem Kilometer asiatische Randsteine zum Einsatz. Selbst die Kramgasse wollte das Tiefbauamt vor knapp zehn Jahren zuerst mit vietnamesischem Fels erneuern. Nach einer öffentlichen Debatte liess aber die Behörde diese mit einheimischen Steinen belegen.

Die Stadt hat sich auch deshalb bei der Marktgasse für Schweizer Steine entschieden. «Wir waren selber dabei, als der Stein in Alpnach aus der Felswand abgeschlagen wurde», betont Zurbuchen. Die Stadt habe die Pflastersteine selber beschafft und stelle sie den Bauunternehmen zur Verfügung. «So kann sichergestellt werden, dass die Arbeitsbedingungen den rechtlichen und ethischen Grundsätzen der Stadt entsprechen.»

Bollwerk-Test war erfolgreich

Während eines Jahres testete das Tiefbauamt die für die Marktgasse geplante Pflästerung an der Bernmobil-Haltestelle Bollwerk. Extra eingebaute Tramschienen sollten aufzeigen, welche Auswirkungen der Schwerverkehr auf die Gleise hat. Die Erkenntnisse sind in das Marktgasse-Projekt eingeflossen. «Die technischen Vorkehrungen haben sich bewährt», sagt Zurbuchen. Im Rahmen der Sanierung des Bollwerks wird die Testpflästerung Anfang August, Ende September wieder zurückgebaut.

Berner Zeitung

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