118 Sitzungen für ein Erdbeerfeld

Grosshöchstetten

Lange musste Obstbauer Reto Schürch warten, sehr lange. Aber jetzt kann er seinen Erdbeeranbau auch auf dem Gebiet der Gemeinde Grosshöchstetten erweitern.

Nach zehn Jahren am Ziel:?Reto und Sandra Schürch mit Tochter Vanessa.

Nach zehn Jahren am Ziel:?Reto und Sandra Schürch mit Tochter Vanessa.

(Bild: Andreas Blatter)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Obstbauer Reto Schürch aus Grosshöchstetten ist lang, dünn, jung und kommunikativ. Er trägt ein Hemd, Sakko und Jeans. Das sei aber eine Ausnahme, sagt er. Er habe heute verschiedene Termine gehabt. Sonst sei er jeden Tag auf dem Feld. Reto Schürch strahlt und sprudelt buchstäblich über. Denn seit kurzem darf der 36-Jährige auch auf dem Gemeindegebiet von Grosshöchstetten Intensivlandwirtschaft betreiben. Darauf hat er lange gewartet. Sehr lange.

Schürchs Hof liegt am Hang zwischen Zäziwil und Grosshöchstetten. Die zwölf Hektaren Land liegen auf beiden Gemeindegebieten. Hier wie da gibt es Äpfel, Zwetschgen und Erdbeeren. Und die Erdbeeren sind es, weshalb Reto Schürch heute strahlt.

Schürch liebt Erdbeeren

«Ich liebe die rote Frucht», sagt er. Warum? «Weil es eine schöne, eine liebevolle und glamouröse Frucht ist.» Schon als 16-Jähriger habe er auf dem Hof erste Versuche unternommen, Erdbeeren über Boden anzubauen.

Im Mai dieses Jahres hat Reto Schürch den Hof von seinen Eltern übernommen. Die Erdbeere als weiteres Standbein des Obstbaubetriebs hat er aber schon vor 16 Jahren auf dem Hof der Familie eingeführt. Bei Schürchs wachsen die Pflanzen aber nicht einfach im Boden, sondern in Plastiktöpfen etwa 1,50 Meter über dem Boden unter einem 4,5 Meter hohen Plastikdach. Eine computergesteuerte Anlage versorgt jede Pflanze mit Nähr­lösung. Diese Flüssigkeit bleibt in einem geschlossenen Kreislauf und wird wiederverwendet.

5000 Quadratmeter

Schürchs «glamouröse» Früchte finden bei den Grossverteilern grossen Anklang. Immer mehr Felder müssen beansprucht werden. 2005 kam der kritische Punkt. Auf der Zäziwil-Seite des Hofs war man bei einer Grösse von 5000 Quadratmetern angekommen. Solche bodenunabhängige Intensivkulturen dürfen gemäss kantonalen Regeln aber nicht mehr als 5000 Quadrat­meter umfassen. Sonst muss das Land in eine Intensiv-Land­wirtschaftszone umgewandelt werden.

Und Schürch wollte mehr. Er wollte den Anteil auf der Zäziwil-Seite seines Hofs mehr als verdoppeln und auf Höchstetter Gemeindegebiet zusätzliche mehrere 1000 Quadratmeter für die Erdbeeren nutzen. Also ging er den Weg. Angekommen ist er erst jetzt, gut 10 Jahre, 118 Sitzungen und 6 Büroordner voll Unterlagen später. «Ich wusste, dass so etwas lange dauern kann», sagt Schürch. Aber mit mehr als 10 Jahren habe er nicht gerechnet.

Immer wieder Einsprachen

Reto Schürch fasst die letzten 10 Jahre so zusammen: Eingabe des Vorhabens, Abklärungen, Absprachen, Kontakt mit Ämtern und den Gemeindebehörden, Absprachen, Fehler, Anpassungen, erneute Kontaktaufnahme, dann Gemeindeversammlungen, Genehmigungen, Einsprachen und Nachbarschaftsstreitigkeiten.

Einsprachen gab es sowohl in Zäziwil wie auch in Grosshöchstetten, auch nachdem beide Gemeindeversammlungen 2013 das Vorhaben gutgeheissen hatten. Das Amt für Gemeinden und Raumordnung genehmigte die Intensivlandwirtschaftszone in Zäziwil erst Anfang 2014.

Auf Zäzi-Seite konnte er mit der Erweiterung seines Betriebs diesen Frühling beginnen. Vor kurzem nun hat das AGR auch die Umzonung auf Höchstetter Gemeindegebiet genehmigt. Auch dort soll es nun ganz viele, liebevolle rote Früchte geben, die bequem auf 1,5 Meter Höhe gepflückt werden können.

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