1000 Tonnen Material für die inszenierte Baustelle

Bern

An den Swiss Skills in Bern entstehen Hunderte von Arbeitsplätzen für die Berufswettkämpfer. Der Aufwand ist gross: Die Strassenbauer zum Beispiel müssen für ihre Teams rund 1000 Tonnen Material bereitstellen.

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Das Festzelt auf dem Gelände der Bernexpo erzittert. Bagger, Kipptransporter und Strassenwalzen fahren hin und her, verteilen und verdichten Kies und Steine auf der Fläche, auf der morgen die Strassenbauer ihre Wettkampfaufgabe in Angriff nehmen.

Ein Laster fährt rückwärts durch den Zelteingang und kippt rund 20 Tonnen Wandkies auf den Boden. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was im Zelt für die Berufsmeisterschaften Swiss Skills bereit sein muss. Total werden 600 Tonnen Kies benötigt, dazu Schotter, Asphalt, Beton. Die Strassenbauer sind die Berufsgruppe der Swiss Skills mit dem mengenmässig grössten Materialbedarf. Sie benötigen gegen 1000 Tonnen.

«Wir bereiten hier die Flächen vor, auf denen die sieben Zweierteams ihre Aufgabe lösen müssen», sagt Edgar Marfurt von der Berufsfachschule Verkehrswegbauer in Sursee. Dort finden jeweils auch die Lehrabschlussprüfungen statt. Die Swiss Skills in Bern sind die ersten Schweizer Meisterschaften, an denen sich der Fachverband Infra mit den Strassenbauern beteiligt. «Für uns ist der Aufwand gross, hier dabei zu sein», sagt Marfurt. Er spricht von einer Summe im sechsstelligen Bereich.

Aufwendige Vorbereitung

Damit die jungen Leute am Donnerstag beginnen können, hat die Infra mehrere Firmen in Bern beauftragt, die Plätze einzurichten. Bis heute Mittag müssen die Arbeiten abgeschlossen sein. «An den vier Tagen waren sechs bis zehn Leute im Einsatz, darunter mehrere Lehrlinge», weiss Lukas Hiltbrunner, Bauführer bei der Firma Lehmann+Huldi in Bümpliz. Der ganze Ablauf sei «minutiös geplant» worden. «Die Einsätze und Materiallieferungen mussten auf die Stunde genau festgelegt werden.» Vorbereitet wird der Unterbau der Strasse, der sogenannte Koffer, für alle sieben Wettkampfflächen.

Darauf müssen die Prüflinge je ein 8 Meter langes Strassenstück erstellen, zuerst eine dünne Planieschicht, darüber eine Asphaltschicht von 3 Zentimetern Dicke. Das ist zwar dünner als auf normalen Strassen, das Vorgehen entspricht jedoch dem realen Strassenbau. Den Asphalt – in einem Thermosilo heiss gehalten – bauen die Zweierteams von Hand ein, wozu sie den schwarzen Stoff mit Schubkarren herholen.

Wichtig ist für die jungen Strassenbauer, ein Schnurgerüst zu erstellen, von dem aus die Höhe von Strasse und Plätzen genau bestimmbar ist. «Die Aufgabe ist deutlich komplexer als an der Lehrabschlussprüfung» sagt Edgar Marfurt. Gefordert wird eine Art kurviger Gehweg, seitlich müssen die Wettkämpfer auch die Randabschlüsse und Entwässerungskanäle bauen. Dazu werden zwei Plätze vorgeschrieben, der eine aus Natursteinen, der andere aus Betonverbundsteinen. An beiden Plätzen muss zuletzt ein vorgegebenes Muster prangen.

Material wird recycelt

Das Wettbewerbsresultat könnte laut Marfurt eins zu eins in die Realität übertragen werden. Doch nächste Woche werden die Strässchen, Plätze und der Untergrund wieder abgebaut. Bauführer Lukas Hiltbrunner: «Alles Material können wir wiederverwenden, zum Beispiel zum Aufschütten von Gräben oder für andere Tiefbauarbeiten.»

So schweres Material wie die Strassenbauer mussten die anderen Berufsgruppen nicht zur Bernexpo transportieren. Trotzdem sind die Aufbauarbeiten für viele Berufe aufwendig. So haben die Polymechaniker diverse Maschinen an ihren Standort gebracht, darunter zwei CNC-Maschinen im Wert von je 350'000 Franken.

Kein Wunder, wird das Swiss-Skills-Gelände bewacht. Die Bäcker etwa müssen Backöfen zur Verfügung haben, die Köche professionelle Kleinküchen. Und bei den Landwirten stehen 15 Milchkühe, denn eine Aufgabe heisst – sauber und fachgerecht melken.

Berner Zeitung

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