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Bei Gewalt-Rundgang übten sich Teilnehmer in Zivilcourage

LangenthalMehrfach wurden gestern Menschen Zeugen von Gewalt. Diese wurde von Schauspielern dargestellt. Die Besucher des «Stattgewalt»-Rundgangs übten sinnvolles Eingreifen.

Am helllichten Tag fliegen die Fetzen im Rumipark an der Langete. Die Szene ist gespenstisch: Getrieben von rasender Wut, prügelt ein beleidigter Mann auf einen bemitleidenswerten Mittfünfziger ein. Auslöser dieser harschen Selbstjustiz war ein harmloser Blick eines Strassenkehrers auf das Hinterteil der Begleiterin des Mannes. Obwohl der Mann mit dem Besen geltend macht, dass er dem Mädel nur nachgeblickt hat, weil an besagter Stelle noch das Preisschild der Hose prangt, liegt er kurz darauf auch schon getroffen am Boden. Lebensechte Szenen Rund 25 Personen schauen zu. Nicht als «Gaffer», sondern um sich in Zivilcourage zu üben. Die drei Hauptpersonen der Keilerei sind professionelle Schauspieler des Forumtheaters «Konfliktüre», und die lebensecht dargestellte Situation wird mehrfach wiederholt. Die Zuschauer greifen ein und versuchen, die Lage zu entschärfen. Mit einem «Geits no?» stellt sich etwa eine engagierte Frau an die Seite des Strassenwischers, wird aber selbst energisch zur Seite gestossen. Das Geschehen wird «zurückgespult», eine andere Beobachterin knöpft sich die Begleiterin des tobenden Kerls vor. «Sie haben ja wirklich ein Preisschild an der Hose.» Die Angesprochene zeigt sich verdutzt, ruft nach ihrem Macker und stellt ihn in den Senkel, weil er ihr dies nicht gesagt hat. Wild gestikulierend lässt er vom Strassenkehrer ab. Auf zwei weiteren Schauplätzen wurden den Besuchern weitere Knacknüsse serviert: Littering durch enthemmte Trunkenbolde sowie ein sexueller Übergriff zweier eingebildeter «Snobs» auf eine wehrlose Frau. Zu diesem Rundgang namens «Stattgewalt» luden Anita Abegglen von der Oberaargauer Jugendfachstelle Tokjo – Trägerverein offene Kinder- und Jugendarbeit Oberaargau – und Andi Geu vom National Coalition Building Institut (NCBI) ein. Der «Stattgewalt»-Rundgang in Langenthal war nicht eine einmalige Sache. Seit sechs Jahren wird dieses Zivilcourage-Training in verschiedenen Städten durchgeführt. Fahrrad «gefunden» Szenenwechsel: Auf dem Spielplatz im Rumipark zündet ein Alkoholiker in ausgeleierten Trainerhosen einen Bierkarton an. Er und seine Saufkumpanen haben sich an dessen Inhalt reichlich gelabt. Einer von ihnen hat auf wundersame Art und Weise ein potthässliches Rad «gefunden», ohne dass jemand diesen Drahtesel verloren hätte. Er schenkt das Velo seiner betrunkenen Julia, die sich dafür aber nicht erwärmen kann und ein anderes Rad zum «Finden» in Auftrag gibt. Das andere Zweirad wird unsanft auf die Wiese befördert, ähnlich geht es Bierdosen und Flaschen. Mit einem markigen «Stopp» unterbricht Andi Geu, Die Besucher können nun versuchen, die Lage in zumindest bessere Bahnen zu lenken. «Es gibt kein Rezept» Mitorganisator Andi Geu ist überzeugt von dem Projekt: «Nirgends kann man Zivilcourage sonst üben. Es gibt kein Rezept, aber es gibt Bewährtes, das sich herauskristallisiert.» So etwa, dass man eine bedrohte Person möglichst zügig aus der Gefahrenzone führt oder dass die aggressive Figur nicht angefasst wird. Geu: «Auch eine Ablenkung oder Irritation verlangsamt die Eskalation.» Gut sei auch, wenn andere Passanten miteinbezogen würden: «Sie mit der grünen Jacke, rufen Sie die Polizei!» Man solle nicht denken, dass es nichts bringe, erzählt Leu. «Die Chance besteht, dass ein Denkprozess eingeleitet wird, auch wenn man dies nicht auf Anhieb sieht.» Daniel Gerber >

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