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Bauherrin muss Honorar nachzahlen

SpiezEine Bauherrin und ein Architekturbüro stritten vor dem Regionalgericht in Thun über das Honorar in der Höhe von 50000 Franken, das die Architekten forderten und die Bauherrin nicht bezahlen wollte. Der Entscheid fiel zugunsten der Architekten. Alles hatte mit dem geplanten Umzug der Bauherrin nach

Die Geschichte begann 2007, als eine Frau aus dem Kanton Zürich ihren Umzug nach Spiez plante. Sie beauftragte ein Architekturbüro aus der Region, ihr beim Kauf eines Grundstückes und dem Bau eines Hauses behilflich zu sein. Es wurde geplant, gerechnet und gezeichnet, und noch im Jahr 2007 reichte man die Baueingabe ein. Im Januar 2008 wurde die Baubewilligung erteilt, und man machte sich an die Submission und die Bauvorbereitung. Hier begannen dann die Schwierigkeiten. Weil die Kosten für das Haus, das ökologisch gebaut werden sollte, ständig stiegen, bekam die Bauherrin Angst, die Kosten könnten ins Unermessliche steigen. Diese waren von ersten Schätzungen von 750000 Franken bereits auf über eine Million Franken geklettert. Vertrauen verloren Die Frau verlor das Vertrauen in die Architekten und kündigte den Vertrag mit diesen. Bald darauf erhielt sie die Schlussabrechnung, die Aufwendungen bis zur Baueingabe hatte sie bereits bezahlt, doch sie weigerte sich, das restliche Honorar zu bezahlen. Die Architekten mahnten und lösten schliesslich die Betreibung aus. Weil Rechtsvorschlag erhoben wurde, sah man sich später vor Gericht wieder. Vergleichsverhandlungen scheiterten, und so musste das Gericht entscheiden. Stimmt die Rechnung? Vom Anwalt der Bauherrin wurde die Rechnung des Architekturbüros angezweifelt. Er bemängelte, dass zu wenig genau darüber Auskunft gegeben werde, was in den aufgelisteten Stunden tatsächlich gearbeitet wurde. Er warf den Architekten auch vor, sie hätten nicht korrekt und sorgfältig gearbeitet und belegte das mit den Kostensteigerungen, die bis zu 20 Prozent von den ursprünglich geschätzten Kosten abwichen. Dafür habe seine Mandantin mindestens eine Reduktion der Rechnung zugut. Weil sie das Haus schliesslich durch einen Generalunternehmer für 885000 Franken bauen lassen konnte, sei auch die Differenz zum Voranschlag auszugleichen. Damit sei bewiesen, dass das Honorar nicht bezahlt werden müsse. Die Architekten legten dar, dass sie mit von der SIA anerkannten Tools arbeiteten und die Stunden und Tätigkeiten laufend erfassen würden. Immer Ende des Monats würden die Angaben aus dem Journal in die Buchhaltung überführt. Dort könnten sie dann nicht mehr verändert werden. Alle kritisierten Angaben waren lange, bevor der Streit entbrannte, eingetragen worden. Expertenmeinung zählt Um die Situation zu prüfen, wurden die Unterlagen des Architekturbüros durch einen unabhängigen Experten gesichtet und bewertet. Er kam zum Schluss, dass der Auftrag von den Architekten so ausgeführt worden war, wie im Vertrag vereinbart. Die dafür aufgewendeten Stunden entsprächen der üblichen Grössenordnung. Damit war für den Richter erwiesen, dass der Auftrag korrekt und sorgfältig ausgeführt worden war und der verrechnete Aufwand realistisch sei. Vor diesem Hintergrund müsse die Auftraggeberin das Honorar bezahlen. Allerdings wurde der Betrag von 50000 Franken auf 46000 Franken gekürzt. Es liegt nämlich ein E-Mail vor, in dem die Bauherrin ausdrücklich verlangt, dass die Arbeiten an ihrem Haus eingestellt würden, weil sie eine Denkpause brauche. Die Leistungen, die nach dem Eingang dieses Mails erbracht wurden, müsse die Frau nicht bezahlen. Wer in einem Zivilprozess unterliegt muss am Schluss sämtliche Kosten übernehmen. Das heisst, dass die Frau nun den Rest des Architektenhonorars, die Gerichtskosten, die Auslagen für den Experten und die Anwaltskosten beider Parteien bezahlen muss. Das Urteil kann beim Obergericht angefochten werden. Margrit Kunz>

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