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Bansko, die letzte Karte und der Bauernhof

Die Signale von Körper und Kopf sind unmissverständlich: Monika Dumermuths Zeit als Rennfahrerin läuft ab. Möglicherweise wird die im März 33-jährig werdende Bernerin morgen in St.Moritz ihr letztes Weltcup-Rennen bestreiten.

Monika Dumermuth erwägt, alles auf eine Karte zu setzen, die heutige Abfahrt auszulassen, die ganze Energie in den sonntäglichen Super-G zu stecken. Und auf diese Weise zu versuchen, einen Top-7-Platz zu erreichen, sich bei letzter Gelegenheit das Flugticket nach Vancouver zu erkämpfen. Das Vorhaben erstaunt, handelt es sich bei der «Corviglia» doch um die Lieblingsstrecke der Bauerntochter aus Unterlangenegg. Vor sieben Jahren, anlässlich der WM in St.Moritz, hatte sie in den Abfahrtstrainings die Ränge 1, 2 und 2 belegt, im Rennen war sie Zehnte geworden. «An diesem Berg bin ich lockerer als anderswo. Es hat keine Bäume, ich kann nur in den Fangnetzen landen.» Harte Landung in Bulgarien Sie sei im Verlauf ihrer Karriere «zwei, drei Mal zu viel auf den Kopf gefallen», sagt die bald 33-Jährige. Es gelinge ihr in der Abfahrt nicht mehr, «die vielen Negativerlebnisse wegzustecken». Das Verletzungsbulletin umfasst unter anderem zwei Beinbrüche und drei Kreuzbandrisse; es versteht sich von selbst, dass die jüngsten Entwicklungen im Frauenteam die Psyche zusätzlich belasten. «Das Gefühl, dass ich die Nächste sein könnte, lässt sich in meinem Alter nicht mehr so einfach unterdrücken.» Hauptursache des ungewöhnlichen Plans ist jedoch das lädierte rechte Knie. Vergangenen Februar hatte Dumermuth im bulgarischen Bansko bei einem Sturz im Abfahrtstraining einen Meniskusriss inklusive Knorpelschaden erlitten. Vor Wochenfrist flammte der Schmerz «in der Abfahrt von Cortina nach einer unsauberen Landung im Flachen» wieder auf. Auch das linke Knie bereitet Sorgen, bei hoher Belastung spürt sie die Patellasehne. Die Risikobereitschaft halte sich in Grenzen, gesteht die Bernerin; oft denke sie an das Leben nach dem Skisport. Im Frühling ist Schluss, es wartet die schrittweise erfolgende Übernahme des elterlichen Hofs. Der Rückblick auf die Karriere beinhaltet «schöne und triste Erlebnisse», als beste Ergebnisse stehen ein vierter und ein sechster Weltcup-Rang im Palmarès. «Spürte ich, dass ich schneller wurde, erlitt ich immer wieder einen Rückschlag.» Wurden die Fahrkarten an die Grossanlässe verteilt, stand die Bernerin zuletzt drei Mal auf der Schattenseite. Beklagen wolle sie sich nicht, aber Geschenke habe sie sicher keine erhalten, konstatiert sie nüchtern. Harte Zeit unter Nadig Könnte Dumermuth nochmals von vorne beginnen, würde sie «besser auf meinen Körper hören und öfter mal Nein sagen». Als der Bernerin der Sprung in den Weltcup glückte, verfügte die Schweiz über eine vergleichsweise bescheidene Hochgeschwindigkeitsequipe. «Wer nach einer Verletzung ins Team zurückkehrte, wurde gleich wieder auf die Abfahrt geschickt.» Unter Cheftrainerin Marie-Theres Nadig wehte ein rauer Wind; «wer sich in einem Trainingslauf zurückhielt, wurde zusammengestaucht. ‹Maite› kannte nichts anderes, zu ihrer Zeit dürfte es immer so gewesen sein.» Diesbezüglich habe sich in den letzten Jahren vieles zum Guten entwickelt. Rückkehrerinnen würden sachte aufgebaut; die Vollgasdevise gelte nur für jene, welche gesund sind. Letzteres trifft auf Monika Dumermuth derzeit nicht zu. Vollgas wird sie am Sonntag trotzdem geben – möglicherweise zum letzten Mal. Verfehlte sie dabei die Olympianorm, würde sie auch die Teilnahme an den Rennen von Anfang März in Crans-Montana in Frage stellen. «Was brächte es mir, wenn ich nochmals meine Gesundheit aufs Spiel setzen würde?» Einen Abgang durch die Vordertüre, mehr nicht.Micha Jegge >

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