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Bademeister gängelt Badi-Gäste

LangenthalBademeister Ralf Rombach hat eine neue Schwimmorder eingeführt:

Bademeister Ralf Rombach (49) steht am Schwimmbecken in der Badi Langenthal und grinst. «Ralf, das bringt dir bestimmt einen Eintrag in der Fasnachtszeitung», sagt eine Schwimmerin, die aus dem Wasser hochschaut. Und ein Mann ergänzt: «Dieses System versteht niemand.» Rombach amüsiert sich. «Es gibt immer viele verschiedene Meinungen», sagt er schulterzuckend. Überzeugt sei er nach wie vor: Das System erkläre sich von selbst, «es ist genial. Und wir haben keine Probleme mehr.» Polizisten am Becken Die Probleme schildert Rombach so, wie sie in jedem Schwimmbecken vorkommen. Der Rückenschwimmer kollidiert mit der Brustschwimmerin. Die Aquajoggerin nervt sich, wenn ihre Haare nass werden. Und die Kinder – «an denen stören sich sowieso alle», sagt Rombach. Der Chefbademeister, der in Langenthal heuer in der vierten Saison zum Rechten schaut, konnte die Klagen nicht mehr hören. An schönen Tagen tummeln sich über 2000 Gäste in der Badi. Rombach und sein Team hatten dann jeweils nicht mehr viel anderes zu tun, als beim 50-Meter-Becken die Polizisten zu spielen. «Wir haben andauernd Verwarnungen ausgesprochen.» Fünf Zonen für Badigäste Rombach macht eine ausladende Bewegung über das Schwimmbecken hinweg. «Jetzt ist alles anders.» Seit dieser Saison weist der Bademeister die Gäste in ihre Schranken. Orange Gummiseile überspannen knapp über dem Wasser das Becken. Sie teilen es in vier Zonen. An den Seilen hängen Schilder aus Lastwagenplanen. «Nicht queren», «Brustschwimmen» oder «Spielzone» ist darauf zu lesen. Die Schilder weisen darauf hin, welche Sportart oder welcher Schwimmstil in welcher Zone erlaubt ist. Noch sind nicht alle Gummiseile angebracht, aber dereinst will Rombach fünf Bereiche unterscheiden: für Sport-, Rücken- und Brustschwimmer sowie Aquajogger und Kinder. Das ist aber noch nicht alles: Quer zum Becken verlaufen zusätzliche Gummiseile, an denen Pfeile befestigt sind. Sie zeigen den Gästen, in welche Richtung sie zu schwimmen haben. Ein solches Kreisschwimmen ist in etlichen Bassins Usus, es spart Platz. Die einen spotten Das neue Regime im Badiwasser passt indessen nicht allen. Die Langenthalerin Marzella Inversini zum Beispiel tituliert in einem Leserbrief das Ganze als «Regulierungswahn in der Badi». Mit dem Spinnennetz, wie sie die Seile spöttisch nennt, nehme die offene Fläche im Wasser zusätzlich ab. Inversini findet es denn auch nicht tragisch, wenn sie ausweichen muss oder wenn Kinder ins Becken springen. «O Schreck», macht sie sich lustig, «ich musste auch schon Kurven schwimmen, um auszuweichen.» Nicht zuletzt erachtet sie die Seile als gefährlich, denn sie seien mit einer getönten Schwimmbrille kaum zu sehen und sie würden zu tief hängen. Bademeister Rombach nimmt die Kritik lächelnd zur Kenntnis. «Das ist eine Momentaufnahme», sagt er. 99 Prozent aller Rückmeldungen seien bis jetzt positiv ausgefallen. Doch er gibt auch zu, dass das System besser werden kann. «Es ist ein Versuch», sagt er. Aber, so viel steht schon heute fest, das System bleibt, wie es ist. Einzig die Gummiseile sollen künftig höher hängen, damit sie nicht mehr heruntergerissen werden können. die anderen loben Drei ältere Frauen, die in der Aquajogging-Zone rauf- und runterstrampeln, sind allerdings schon heute mehr als zufrieden. «Wir haben gerade darüber geredet, wie schön es jetzt ist», sagt eine der Frauen. Das System sei «sehr patent». Damit gebe es keine Konflikte mehr. Auch der Langenthaler Markus Straub (52), ein regelmässiger Schwimmer, ist überzeugt vom neuen Regime. Gerade an schönen und warmen Tagen habe im Schwimmbecken jeweils «ein Chaos geherrscht». Und jetzt habe man halt die neuen Regeln, das sei gut, «das hat hier ein bisschen gefehlt». Dominik Balmer>

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