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Auf den nächsten Sturm gefasst

Zehn Jahre nach «Lothar» zeigt sich: Für die Natur war der Orkan keine Tragödie, im Gegenteil. Die Artenvielfalt hat gewonnen. Auch der Kanton Bern zog Lehren aus dem Sturm – und wappnet sich für das nächste Ereignis.

Zehn Jahre sind es her, vergessen ist er nicht: Der Sturm «Lothar», der am 26.Dezember 1999 über die Schweiz fegte und reihenweise stolze Tannen knickte. Das grösste Schadensereignis im Schweizer Wald seit Menschengedenken sorgte im Kanton Bern für 4,3 Millionen Kubikmeter Sturmholz – viermal mehr, als vorher pro Jahr durchschnittlich geholzt worden war. Wann kommt der nächste? 1990 hatte schon «Vifian» grosse Schäden angerichtet. Kaum hatte sich der Holzpreis erholt, kam «Lothar» und liess als Folge des erneuten Überangebots die Preise wieder in den Keller sinken. Wäre nicht die Wirtschaftskrise dazwischengekommen, wären sie heute wieder auf dem Level wie vor «Lothar». Droht jetzt der nächste Orkan? Adrian Meier, stellvertretender Stabschef im Berner Amt für Wald, mag nicht spekulieren, sagt aber: «Ich befürchte, dass ich in meiner Amtszeit noch einen erleben werde.» Er ist 52. Auch der Berner Volkswirtschaftsdirektor Andres Rickenbacher (SP) sieht als Folge des Klimawandels «mehr und heftigere Naturereignisse auf uns zukommen», wie er gestern vor den Medien sagte. Deshalb müsse sich der Kanton Bern «so gut wie möglich» auf den nächsten Sturm vorbereiten. Doch wie? Appell an die WaldbesitzerEinen wesentlichen Beitrag zur Prävention könnten laut Rickenbacher die Waldbesitzer leisten, indem sie ihre Wälder stärker nutzen. «In dichten, überalterten Beständen, in denen das Licht kaum mehr den Boden erreicht, steigt das Risiko für Sturmschäden», sagte er. Ein «gut strukturierter Waldbau» – also Wälder, in denen sich Tannen und Laubbäume abwechseln – sei stabiler. Wälder, in die «Lothar» – oder die Waldbesitzer – in den vergangenen zehn Jahren mehr Licht gebracht haben, dürften einem künftigen Orkan also trotzen. «Aber Wälder, in denen in dieser Zeit nichts gegangen ist, sind noch schlechter gewappnet als vor ‹Lothar›», warnte Meier. Besser organisiertFalls das Holz dereinst wieder in rauen Mengen fallen sollte, wäre der Kanton Bern aber gemäss Rickenbacher besser gewappnet als vor 10 Jahren. Denn inzwischen seien im ganzen Kanton insgesamt sieben regionale Organisationen gegründet worden, die das Holz heute professioneller vermarkten. Auf der andern Seite würden aber weniger Armee- und Zivilschutzangehörige zur Verfügung stehen, die bei der Schadensbewältigung helfen könnten. Und in der finanziell angespannten Situation des Kantons sei es zudem fraglich, ob innert nützlicher Frist genügend finanzielle Mittel zur Sturmholzaufrüstung bereitgestellt werden könnten, befürchtete der SP-Regierungsrat. «Für die Natur war ‹Lothar› ein Glücksfall», sagte Franz Weibel, Forstmeister der Burgergemeinde Bern: Dank mehr Licht und Wärme in den Wäldern «wachsen heute Pflanzen, die vorher nicht vorhanden waren». Im liegen gelassenen Totholz, zählte Weiber weiter auf, hätten Insekten Brutstätten gefunden, «und die Vogelwelt nahm zu». «Selber in der Hand»Lasse man nun auf den Schadensflächen naturnahen Wald nachwachsen, erhöhe sich die Widerstandskraft und Reaktionsfähigkeit des Berner Waldes, sagte Rickenbacher und schloss: «Ein Stück weit haben wir die Auswirkungen eines allfälligen nächsten Sturms selber in der Hand.»Susanne Graf>

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