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Auch Töpfe der Notdurft haben ihr Schönes

Über 700 Nachttöpfe besitzt Ida Lobsiger aus Fraubrunnen. In der Ausstellung «Kunst am stillen Ort» im Dorfmuseum Konolfingen zeigt die Sammlerin 282 verschiedene Nachtgeschirre aus vergangenen Jahrhunderten.

Sie sei noch ein bisschen krank, sagt Ida Lobsiger beim Eintreffen im Dorfmuseum in Konolfingen. Zusammen mit Roger Rieker vom Schloss Hünegg hat zierliche 67-Jährige aus Fraubrunnen in den letzten Tagen die Ausstellung «Kunst am stillen Ort» vorbereitet, eine Sonderschau über Nachttöpfe. «Ich liebe Nachttöpfe aller Art», sagt Lobsiger und lässt den Blick durch den Ausstellungsraum schweifen. Ihre Augen strahlen und die Müdigkeit scheint verschwunden, wenn sie von ihren Schätzen erzählt. «Zu meinem ersten Topf habe ich eine spezielle Verbindung», sagt die Sammlerin. Sie erzählt, wie sie den weissen Keramiktopf mit dem blauen Mohnmuster zum ersten Mal gesehen hat. «Das war vor 32 Jahren auf dem Markt in Bern.» Sie habe zwei Frauen beobachtet, die sich um den Topf gestritten hätten. Plötzlich sei er zu Boden gefallen. Da trat Ida Lobsiger dazwischen und kaufte den nun leicht beschädigten Nachthafen für 25 Franken. Ihr Traum vom Silbertopf Seither kam die Sammlerin nicht mehr so günstig zu ihren Schätzen. Die Preise auf den Märkten bewegen sich zwischen 100 und 3500 Franken. Sie habe ein teures Hobby, sagt Lobsiger, aber sie kenne auch ihre Grenzen. Auf den Silbertopf, den sie einst für 4500 Franken hätte kaufen können, habe sie schweren Herzens verzichtet. Jetzt wolle der Händler bereits 16000 Franken dafür. «Der Nachttopf wird wohl in einem Museum landen», sagt Ida Lobsiger mit Wehmut. Im Konolfinger Dorfmuseum stehen Nachtgeschirre aus Keramik, Email, Zinn und Holz. Sie sind bunt oder weiss, romantisch bemalt oder witzig beschriftet. Veilchenmuster sind eher selten, sagt die Sammlerin. Besonderes Augenmerk richte sie auf die Henkel. «Ganz schön sind Griffe in Form von Schlangen, wie sie bei asiatischen Töpfen vorkommen.» Als wertvoll taxiert Lobsiger schräge Henkel, sie seien eine Seltenheit. «Erst zieh mich hervor, dann leg dich aufs Ohr.» Mit Sprüchen gestaltet sind die Hochzeitstöpfe. Ida Lobsiger kennt die Details, die nicht selten dazu dienten, der frischvermählten Braut die Röte ins Gesicht zu treiben. Dazu gehören die Nachthafen mit aufgemalten Augen am Topfboden und Sprüchen wie «Ich sehe, was du nicht siehst.» Besondere Freude hat Ida Lobsiger am «Schiisserli aus alter Eiche». Sie zeigt auf einen hölzernen Stuhl mit Loch und Kessel aus dem 19.Jahrhundert. «Ich mag ihn, weil er so einfach ist.» Früher sei man mit dem Thema Notdurft viel unkomplizierter umgegangen. Korbstühle mit Lederbesatz und Loch stammen aus Zeiten, wo man beim Erledigen des Geschäfts zusammen sass und dabei sogar Gäste empfing. «Das Tabu ist erst mit der Erfindung von WC-Räumen entstanden. Man begann, sich plötzlich einzuschliessen.» Königliche Post Ein grosser Teil der Sammlung ist aus England. Nicht ohne Stolz berichtet Ida Lobsiger vom prominenten Sammelkollegen Prinz Charles. Vor Jahren hat sie herausgefunden, dass auch der Prinz Nachttöpfe sammelt. Ida Lobsiger schrieb einen Brief an das englische Königshaus und erhielt Briefpost zurück. «Der Prinz liess ausrichten, dass er über eine Sammlung von 159 Nachttöpfen verfüge, alle in den königlichen Häusern verteilt.» Den Brief bewahrt Ida Lobsiger als weitere Kostbarkeit bei ihren Schätzen auf.Simone WölfliSonderausstellung «Kunst am stillen Ort» im Dorfmuseum Konolfingen, jeweils 1. und 3.Sonntag von 14–17 Uhr. Die Ausstellung dauert vom 7.März bis November 2010. >

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