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«Am Schluss war ich doch überrascht»

jürg GrossenDer Frutiger Jürg Grossen zieht für die Grünliberale Partei neu in den Nationalrat ein. Dass ihm das gelungen ist, ist für ihn trotz engagiertem Wahlkampf «doch sehr überraschend».

Er gehört zu den Überraschungen der Nationalratswahlen: Jörg Grossen aus Frutigen. Die 26967 Stimmen, die er von der Wählerschaft erhielt, reichen dem Grünliberalen für den Einzug ins Bundeshaus. Doch wie überraschend kommt das Resultat für Jürg Grossen? «Ich wollte Nationalrat werden und führte einen engagierten Wahlkampf. Ich wusste, dass ich eine Chance habe. Doch am Schluss war ich doch überrascht, als ich das Resultat vernahm», sagt der neu gewählte Nationalrat. Seinen Erfolg führt er unter anderem auf das Taktieren der GLP zurück: «Wir konnten von Listenverbindungen profitieren.» Aber auch sein Strassenwahlkampf habe ihm Stimmen besorgt. Jürg Grossen sammelte im ganzen Kanton an Standaktionen Unterschriften für die Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer». Es gelang dem Oberländer, sogar im Bezirk Bern-Mittelland mehr Stimmen zu holen als der Präsident der Kantonalen GLP, Michael Köpfli, der Stadtrat von Bern ist. Erstaunlich ist, dass Jürg Grossen gleich den Sprung vom kommunalen Kommissionsmitglied auf das nationale Parkett geschafft hat. Der 42-Jährige ist lediglich Mitglied der Kommission Tiefbau, Verkehr und Wasser der Gemeinde Frutigen, Co-Präsident der GLP Thun/Berner Oberland sowie Geschäftsleitungsmitglied der Kantonspartei. Mehr politische Funktionen hatte er bisher nicht. Auch diesem Umstand sieht er gelassen entgegen: «Ich habe mitgeholfen, die GLP zu gründen, und mich viel mit Politik beschäftigt. Zudem haben wir in der Partei viele erfahrene Leute, die mich unterstützen werden.» In der ersten Session werde er sich wie an jeder neuen Arbeitsstelle «zuerst einarbeiten und noch keine ‹Stricke verreissen›». Er freue sich, in dieser spannenden, aber auch schwierigen Zeit mitwirken und Verantwortung übernehmen zu können. Dabei will sich Jürg Grossen vor allem als Brückenbauer zwischen Stadt und Land einsetzen und sich dafür engagieren, dass sich politische Fronten aufweichen. Der Mitinhaber eines Betriebes mit 30 Angestellten ist überzeugt, dass ihm seine Erfahrung als Unternehmer auch im Nationalrat zugute kommt: «Ich arbeite oft im Team und weiss, dass nur mit allen zusammen ein gutes Bauwerk entsteht. Ich weiss aber auch, dass der Weg dorthin oft Geduld braucht und Nerven kostet, weil es unterschiedliche Ansichten gibt.» Anreize anstatt Gesetze Im Wahlkampf hat er deutlich gemacht, dass ihm die Energiepolitik am meisten am Herzen liegt, und sich für den schrittweisen und konsequenten Ausstieg aus der Kernenergie ausgesprochen. Doch im Nationalrat wird nicht nur über Energiepolitik debattiert und befunden. Wie sieht es mit anderen Themen aus, etwa der Asylpolitik? Grossen: «Einerseits müssen kriminelle Ausländer hart angepackt werden. Andererseits ist das Schengen-Abkommen gerade für ländliche Regionen eine grosse Chance, Fachkräfte zu finden.» Die GLP unterscheide sich von den Grünen prinzipiell dadurch, dass sie nicht neue Gesetze, sondern neue Anreize schaffen wolle und auf die Selbstverantwortung setze. Das gelte auch für andere Bereiche wie etwa die Gesundheitspolitik. Jürg Grossen weiss am Tag nach seiner Wahl: «Es gibt viele Sachen, die sich in meinem Leben nun ändern. Aber ich gehe das mit Freude und Engagement an.» Zurückstecken wird er in seinem Unternehmen. Dort ist er ab sofort nur noch zu 50 Prozent tätig. Keine Abstriche machen will er hingegen bei seiner Familie. Der Frutiger ist verheiratet und Vater von drei Kindern im Alter von 7 bis 13 Jahren. Sein Amt als Fussballtrainer bei den Jüngsten des FC Frutigen «muss ich aber wohl abgeben». Ausserordentliche Dichte Durch die Wahl von Jürg Grossen und die Wiederwahl von Hansruedi Wandfluh (SVP) besitzt die Gemeinde Frutigen eine ausserordentliche Dichte an Nationalräten. Hier kommt auf 3350 Einwohner ein Nationalrat, in der Stadt Bern wohnen zwar acht Nationalräte, somit kommt dort auf 16700 Bewohner ein Nationalrat. Susanna Michel>

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