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«Am nahesten gingen mir Unfälle mit Kindern»

25 Jahre wirkte Otto Gerber in Unterlangenegg und Steffisburg als Kantonspolizist. Morgen wird der frisch Pensionierte feierlich verabschiedet. Der 60-Jährige über seine Arbeit, die Nähe zum Volk und was ihn heute noch beschäftigt.

Im November 1984, also vor ziemlich genau 25 Jahren, wechselte Otto Gerber seine Stelle und zog von Muri bei Bern nach Unterlangenegg. Dort übernahm er den neu geschaffenen Polizeiposten und führte ihn fortan als 1-Mann-Betrieb. Im Alleingang betreute Gerber ein verhältnismässig grosses Gebiet, das sich über die sechs Gemeinden Unter- und Oberlangenegg, Buchholterberg, Wachseldorn, Eriz sowie den inneren Teil von Horrenbach/Buchen erstreckte. «Als meist einzige Ansprechperson war ich der Bevölkerung schnell einmal bekannt», erinnert sich Gerber. «Mit den allermeisten hatte ich aber ein gutes Einvernehmen und dies hat gegenseitiges Vertrauen geschaffen.» Waffe kam nie zum Einsatz Anfänglich war der heute 60-Jährige während den fünf Arbeitstagen pro Woche quasi rund um die Uhr erreichbar. «Ich hatte sozusagen einen 24-Stunden-Pikettdienst. Wenn ich gerade draussen im Einsatz stand, hütete meine Frau das Telefon.» So etwas wie Handys gab es damals noch nicht. Allmählich verstärkte sich dann jedoch die Zusammenarbeit mit dem Posten in Steffisburg. In den ersten Jahren hielt Gerber vor allem der motorisierte Verkehr auf der Schallenbergstrasse auf Trab. Oftmals sei es zu Geschwindigkeitsübertretungen und deshalb nicht selten auch zu Unfällen gekommen. Sukzessive an Bedeutung zugenommen haben Umweltthemen – etwa, wenn der Polizist Abfallsündern in umliegenden Wäldern auf der Spur war. «Mit Schwerverbrechen wie Mord und Totschlag hatte ich in der ländlichen Region dagegen kaum zu tun», sagt Gerber. Er ist stolz, dass er in seiner insgesamt 34-jährigen Polizeikarriere nie von seiner Schusswaffe Gebrauch machen musste. Bilder des Leids geblieben Weil Otto Gerber von Amtes wegen stets als Erster an einem Unglücksort eintraf, wurde er oft mit viel Leid konfrontiert. «Am nahesten ging es mir, wenn bei Unfällen Kinder tödlich verunglückten», erzählt Gerber, der selbst Vater von zwei Kindern und vierfacher Grossvater ist. Die gesehenen Bilder hätten ihn teilweise sogar Jahre später noch immer beschäftigt. Als ähnlich schmerzhaft beschreibt der Polizist jene Momente, in welchen er für Fälle von Suizid ausrückte. Zum Glück sei jedoch die Anzahl der Selbsttötungen, jedenfalls im ländlichen Bereich, in den letzten Jahren zurückgegangen. 2005 erfolgte der Umzug 2005 traf Gerber zwar nicht die erste, aber die klar weitreichendste Reorganisation der Kantonspolizei: Nach über 20 Jahren wurde der Posten in Unterlangenegg aus Spargründen geschlossen. Gerber musste sein Büro räumen und seinen Arbeitsplatz nach Steffisburg verlegen, von wo aus er fortan das Thuner Ostamt betreute. Damals sagte der Polizist in einem TT-Bericht: «Für die Bevölkerung wird sich wenig ändern, ich bleibe weiterhin Ansprechpartner für Anliegen aus der Region.» Heute weiss Gerber, dass trotz dieses Versprechens eine gewisse Nähe zur Bevölkerung verloren ging. «Ich hatte seither schon etwas weniger Kontakt zu ‹meinen› Leuten, zumal auch die Arbeitszeiten änderten und mein Einsatzgebiet vergrössert wurde.» Dem Chörli bleibt er treu Seit dem 1. September 2009 befindet sich Otto Gerber im Ruhestand. Aus Dank für seine langjährige Tätigkeit haben ihm die sechs Gemeinden des rechten Zulgtals eine «Verabschiedungsfeier im kleinen Rahmen» organisiert, wie aus der Einladung hervorgeht. Der Anlass findet morgen Abend um 19 Uhr im Restaurant Kreuzweg und im Beisein aller sechs Gemeindepräsidenten statt. «Die Einladung hat mich sehr gefreut, und es wird mir eine Ehre sein, an der Feier teilzunehmen», erklärt Gerber. Dass er als Pensionär nun in ein sprichwörtliches Loch fallen könnte, glaubt der Expolizist indes nicht. «Ich habe jetzt mehr Zeit für meine Familie und kann meine Naturverbundenheit stärker ausleben.» Zumindest in einer Hinsicht bleibt Gerber seinem früheren Arbeitgeber ohnehin weiterhin erhalten: Er singt im Chörli der Kantonspolizei Bern als Bassstimme. Gabriel Berger >

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