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«Äs gid nid Luschtigers uf der Wält...»

War das ein Gedränge zwischen den Ständen und in den Beizen am Brienzermärt, der 1626 hochobrigkeitlich bewilligt worden ist.

Brienzermärt ist, wenn die Schülerinnen und Schüler frei haben, die Gemeindeverwaltung geschlossen ist und der Verkehr umgeleitet wird. Brienzermärt ist, wenn im Gebiet Aenderdorf/Lindellen bis Tracht Marktstand an Marktstand steht, und die Hauptstrasse dadurch noch enger wird, als sie sonst schon ist. Brienzermärt ist, wenn sich Einheimische, Heimwehbrienzer, die vom Bödeli, die aus dem Hasli und gar die von ännet dem Brünig treffen. Brienzermärt ist immer am zweiten Mittwoch und Donnerstag im November. Als Hauptmarkttag gilt der Donnerstag. Für die Eingeborenen sind aber auch die (Frei)-Nächte vor und nachher wichtig. Der Mittwochabend verhiess nichts Gutes. Es chuttete den See herauf. Regen peitschte durchs Dorf. Die Jodler riefen sich wohleppa schon die Worte des Brienzermärt-Liedes in Erinnerung: «Aes ischt chuel un unammietig, und in Bärgen schnyts embrin...». Und dann schien am Donnerstag die Sonne. Auch dazu komponierte der einheimische Dirigent und Liedlischreiber Max Huggler (1913 – 2005) Passendes: «Muetti, gscheu, ‘s tued sunnelen...». Huggler setzte auch die Noten zum wohl bekanntesten Brienzer Liedli: «Äs gid nid Luschtigers uf der Wält, als so-n-es Brienzerpiirli...». Ein Liedli, gedacht für einen Frauenchor. Apropos Frauen. Huggler vertonte auch den Text von J. Zimmermann (nicht in Brienzermundart!): «De Hänsel suecht scho lang e Frau, er wett doch äntli wybe.» Böte dazu der Brienzermärt die willkommene günstige Gelegenheit? Eine spontane, unkomplizierte Umfrage beim Ggaffee Zwätschge kann so zusammengefasst werden: Es ist durchaus möglich, dass der eine oder andere ein Räf, ein zweibeiniges, vom Märt heimgebracht hat. Wie immer hat Hanspeter Reber aus dem Stedtli seinen Stand aufgestellt. Obschon er seit als Schauspieler entdeckt wurde. Er stellte seinen Stand kürzlich im Trub auf. Nicht weil dort Markttag war, sondern weil der 1955 in Interlaken geborene Regisseur Markus Imboden einen Film drehte: «Der Verdingbub». Mit Max Hubacher in der Hauptrolle sowie Stefan Kurt und Katja Riemann als hartherziges Bauernpaar. Rebers Auftritt hat sich bald herumgesprochen. Er wird auch öfters darauf angesprochen. Gefragt sind bei ihm aber weiterhin allerlei nützliche Utensilien, die sonst keiner anbietet. Etwa die (fast) leintuchgrossen Naselümpe. Den Brienzermärt gibt es seit 1626. Er fand am Verenatag (1. September) statt. Ein Jahr später wurde er bereits auf den 7. September und 1761 auf den zweiten Mittwoch im November verlegt. Heuer fiel der Hauptmarkttag auf den 11. November, den Martinstag. Und der war von alters her der Zinstag, an dem gar mancher schier sein Letztes hergeben musste, wie der arme Ritter Martin, der seinen Mantel mit dem Bettler teilte. Ob die Brienzer wohl die Steuern bezahlt haben? Oder den Chlüder am Märt verputzt haben? Kein Brienzermärt ohne Brienzer Chrapfen! Das einst typische Wintergebäck. 11 mal 11 Zentimeter sind die Chrapfen gross und 150 Gramm schwer. Die leckere Füllung besteht aus gekochten und passierten Dörrbirnen sowie grob gehackten Baumnusskernen, der Teig aus Schweine- und Pflanzenfett, Mehl, Eiern, Wasser und Salz. 2500 Stück hat Meister Heinz Walz, dessen Bäckerei seit 1837 besteht, in den vergangenen Tagen frittiert. Auch die Bäckerei Steininger und das Hotel Brienzerburli verkauften das Gebäck. Ohne solches tritt kein Märtbesucher, der auch etwas auf sich hält, den Heimweg an. Eines ist allerdings sicher: Der nächste Brienzermärt findet im kommenden Jahr am 9. und 10. November statt. Ueli Flück>

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