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«W. Nuss vo Bümpliz» zum Abschied

BernDie Familie, die Weggefährten und Freunde haben im Münster von Alt-Stapi Alexander Tschäppät Abschied genommen. Am Trauergottesdienst gab es zahlreiche Hühnerhautmomente.

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Launig und ernst zugleich. So beschrieb Bundesrätin Simonetta Sommaruga am Donnerstag am Trauergottesdienst im Berner Münster Alexander Tschäppät.

Und so war auch die ganze Trauerfeier zu Ehren des am 4. Mai im Alter von 66 Jahren verstorbenen früheren Berner Stadtpräsidenten. Es gab Momente zum Schmunzeln, und es gab Momente der Trauer.

Beides vereinte Alexander Tschäppät gleich selber in einem von ihm verfassten Brief. Tschäppäts Lebenspartnerin Christine Szakacs las der Trauergemeinde den eindrücklichen Brief vor. Das war nur einer von etlichen Hühnerhautmomenten. Für einen weiteren solchen Moment sorgte Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

Sie erzählte, dass sie Alex Tschäppät vor kurzem letztmals in ihrem Büro gesehen habe. «Er fragte mich, ob ich an seiner Trauerfeier etwas sagen würde. Nur den Termin könne er mir noch nicht nennen. Aber es könnte bald sein.» Launig und ernst in einem Atemzug, «das war Alex Tschäppät», sagte Sommaruga.

Ausschnitte aus der Abdankungsfeier für Alexander Tschäppät.
Ab Minute 3:00: Christine Szakacs verliest den Abschiedsbrief
Ab Minute 8:25: Bundesrätin Simonetta Sommaruga
Ab Minute 13:10: «W. Nuss vo Bümpliz»

«Stapi war ein Ehrentitel»

Bundesrätin Simonetta Sommaruga entsprach dem Wunsch ihres Parteikollegen und würdigte Tschäppät. Im Gespräch in ihrem Büro habe Alex unter anderem über den Tod gesprochen, und über die schlaflosen Nächte, die ihn in den letzten Wochen seines Lebens plagten.

Tschäppät erzählte ihr, dass er manchmal keinen Appetit mehr habe, nicht mal mehr auf Hörnli mit Ghacktem oder auf ein Glas Wein. Gebannt hörte die Trauergemeinde im Münster den Worten der Magistratin zu, manch eine und manch einer musste sich dann und wann eine Träne aus den Augen wischen.

Sommaruga und Tschäppät hätten aber nicht nur über seine Krankheit und den Tod gesprochen, sondern auch über das Leben, die ihm nahestehenden Menschen, über die Stadt Bern und über die Politik – und das Aktienrecht, das gerade revidiert werde.

Ja, Alex Tschäppät war bis zu seinem Tod aktiv als Nationalrat. «Er war voller Ideen und voller Leben», sagte Sommaruga in ihrer Rede. Heute spüre man Trauer, vielleicht auch Zorn, dass Alex so früh habe gehen müssen.

«Heute bleibt aber auch die Wärme, die uns mit ihm verbindet. Die Nähe zu einem Menschen, der die Menschen auf seine ganz eigene Weise geliebt hat.» Sommaruga liess nicht unerwähnt, wie begeistert der frühere Stapi seine Stadt geprägt habe.

«Er mochte es, Stapi genannt zu werden. Das war ein Ehrentitel für ihn.» Zum Schluss sagte die Bundesrätin: «Adieu Alex, ich danke dir. Wir danken dir!»

«W. Nuss vo Bümpliz»

Es war eine schlichte und würdige Feier zu Ehren von Alexander Tschäppät. «Wir trauern um einen fürsorglichen Familien- und Stadtvater sowie treuen Freund», sagte Münsterpfarrer Beat Allemand zu Beginn des Trauergottesdiensts.

Der Altar war mit einer Kerze sowie vielen weissen und orangen Tulpen geschmückt, zuvorderst hing ein grosses Porträtbild mit dem Abbild eines schmunzelnden Alexander Tschäppät.

Bereits beim Eingang erhielten die rund 1600 Trauergäste eine weisse Tulpe als Symbol für eine endlose und ewige Liebe. Draussen auf dem Münsterplatz wurde der Gottesdienst für alle Bernerinnen und Berner per Lautsprecher übertragen. Die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung konnten die Trauerfeier per Stream im Rathaus mitverfolgen.

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst durch Daniel Glaus (Münsterorganist) sowie durch die beiden Patent-Ochsner-Musiker Daniel Woodtli (Trompete) und Andi Hug (Schlagzeug).

Überhaupt spielte Patent Ochsner respektive Büne Huber eine grosse Rolle an der Trauerfeier. Zum Abschluss erklang der Hit «W. Nuss vo Bümpliz» in einer instrumentalen Version, den Refrain sangen die Trauergäste.

Trauergäste, die in der Kirche keinen Platz fanden, konnten die Feier auf dem Münsterplatz akustisch verfolgen. Video: sda

Viele bekannte Gesichter

Es überraschte nicht, dass zahlreiche bekannte Leute aus Politik, Sport, Kultur und Wirtschaft von Alexander Tschäppät Abschied nehmen wollten: Der Berner Gemeinderat war vollzählig vertreten, ebenso waren viele Stadträte – von rechts bis links – im Münster dabei.

Auch kantonale und nationale Politiker erwiesen Alexander Tschäppät die letzte Ehre, etwa seine Parteikollegen Helmut Hubacher, Anita Fetz oder Hans Stöckli. Ebenfalls im Münster zugegen war eine grössere YB-Delegation um Investor Hansueli Rihs, Verwaltungsratspräsident Hanspeter Kienberger und CEO Wanja Greuel.

Gesichtet wurden ferner Peter Gilliéron, Präsident des Schweizerischen Fussballverbands, Züri-West-Frontmann Kuno Lauener, Stiller Has Endo Anaconda, Rapperin Steff la Cheffe, Schauspielerin Heidi Maria Glössner, Geschäftspartnerin Barbara Hayoz oder Thomas Binggeli (Thömus).

Alexander Tschäppät wollte kein Grab. Seine Asche wurde wenige Tage nach seinem Tod am Fusse des Mont Vully in den Murtensee gestreut. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.05.2018, 14:52 Uhr

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