Wilde Kerle tanzen auch

Stadt Bern17 Realschülerinnen und -schüler treten heute Abend mit ihrem Tanzstück «Sprachlos» in der Dampfzentrale auf. Am Tanzvermittlungswochenende «Tanzwirbel» in der Dampfzentrale kann das Publikum aber auch mittanzen oder an Wii-Stationen Tanzspiele machen.

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Auf dem Boden der Aula im Schulhaus Schwabgut liegt ein Seil zu einem grossen, offenen Kreis ausgelegt. Wie Perlen aufgereiht stehen darum herum die 17 Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b. Die Jungen und Mädchen, welche noch vor wenigen Minuten im Gang einen ohrenbetäubenden Lärm veranstalteten, verharren still und konzentriert. Im Takt ruft eines nach dem andern seinen Text: «Erschrocken!» – «Überrascht!» – «Stumm wie ein Fisch!». Damit beginnt die Probe zum Tanzprojekt «Sprachlos», welches die Klasse heute Abend in der Dampfzentrale aufführt.

Gedanken werden laut

«Die Schülerinnen und Schüler der 9b haben ihre Wurzeln in Südeuropa oder Asien, nur gerade zwei von ihnen haben je einen Schweizer Elternteil – Deutsch ist für viele von ihnen eine Sprache, in der sie vieles nicht so gut ausdrücken können.» Dies erklärt die Psychologin Regula Mentha, die an der Schule Schwabgut seit 13 Jahren Kultur vermittelt. Sie erarbeitete das Stück mit dem Choreografen Marcel Leemann, der Schauspielerin Aneke Wehberg sowie Tobias Reber und Andri Probst von Tönstör, der Vermittlung neuer Musik. Das 15-minütige Tanzstück beginnt mit tapsigen Bewegungen Einzelner und endet im eleganten Pas de deux. Es fängt an mit einzelnen Wörtern und endet in ganzen Texten, erklärt Aneke Wehberg, welche die Sätze mit den Schülerinnen und Schülern entwickelt hat: «Die Jugendlichen äussern Gedanken, die sie normalerweise nicht auszusprechen wagen – die Sätze wenden sich an Menschen, die sie lieben.»

Die 15-jährige Lara Giacinti tänzelt von einem Bein aufs andere: «Es ist eine sehr gute Erfahrung, dieses Stück zusammen als Klasse aufzuführen und dabei von professionellen Künstlern angeleitet zu werden.» Der 15-jährige Armin Zuli? musste sich erst an die Kunstform von «Sprachlos» gewöhnen: «Erst jetzt weiss ich, wies geht, nun beginnt es mir Spass zu machen.» Die 14-jährige Alexandra Weck schneidet sich von «Sprachlos» ein Stück Selbstsicherheit ab: «Ich habe gelernt, dass ich mich sicher fühlen kann und mich nicht schämen muss.»

Mittanzen erwünscht

«Sprachlos» ist nur einer von vielen Programmpunkten am Tanzvermittlungswochenende «Tanzwirbel» in der Berner Dampfzentrale: Der Ballett-U-70-Club des Berner Stadttheaters tritt ebenso auf wie die Junge Bühne Bern mit dem Stück «Wo die wilden Kerle wohnen». Im Foyer ständen das ganze Tanzwochenende Wii-Stationen mit Tanzspielen, sagt Susanne Schneider, die Tanzvermittlerin der Dampfzentrale: «Wir wollen zeigen, wie vielfältig Tanzvermittlung ist.» Auch selber tanzen sei erwünscht: «Wir bieten auch Workshops in verschiedenen Tanzrichtungen an, bei denen Jugendliche, Kinder oder die ganze Familie mitmachen können.» Ob der «Tanzwirbel» die erste Ausgabe einer ganzen Reihe wird, weiss Schneider noch nicht: «Es wäre schön, wenn wir in den nächsten Jahren weitere ‹Tanzwirbel› veranstalten könnten – das hängt aber von der Finanzierung ab. Und von der neuen Leitung, die nächsten Sommer die Dampfzentrale übernimmt.» Saskia van Wijnkoopwww.dampfzentrale.ch

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Erstellt: 25.11.2011, 00:34 Uhr

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