Wie der Maler Max Brunner die Lupinen zum Leuchten bringt

Seine Welt wurde immer farbiger. Das zeigt eine Ausstellung zum Gedenken an Max Brunner, der zuletzt in Hasle malte.

Wie diese Blumen leuchten! In sattem Gelb, hellem Grün und den verschiedensten Rottönen ziehen sie die Aufmerksamkeit auf sich. Fast scheint es, als ob der Maler mit seinem Pinselstrich die einzelnen Blüten hätte herausarbeiten wollen – welch angenehmen Kontrast bildet dazu das Blattwerk, dessen kühles Blaugrün den unteren Teil der Szenerie in Beschlag nimmt. «Lupinen» heisst das Bild, und Max Brunner ist sein Schöpfer – es gehört zu den letzten Werken, das der gebürtige Solothurner in seiner zweiten Heimat Hasle gemalt hat. Nur Monate später ist er im hohen Alter von 97 Jahren gestorben. Zum 100.Geburtstag Heuer wäre Max Brunner 100 Jahre alt geworden, und aus diesem Grund widmet ihm die Zürcher Stalder AG im Lyssachschachen eine Ausstellung. Den Kontakt zum Garnhandels-Unternehmen hatte der Künstler über die Handweberin Theres Oppliger aus Hasle gefunden. Sie war ihm nach dem frühen Tod seiner Ehefrau zur Lebenspartnerin geworden, hatte schon früher nach seinen Entwürfen regelmässig Wandteppiche angefertigt. Ein grosser Nachlass Ja, der Eindruck stimme, «seine Bilder sind mit zunehmendem Alter immer farbiger geworden.» Wie immer steht Theres Oppliger auch an diesem Nachmittag im Lyssachschachen und antwortet auf Fragen. Am Zustandekommen der Ausstellung wie auch an der ebenfalls zum 100.Geburtstag erschienenen Gedenkschrift war sie massgeblich beteiligt. Kein Wunder, noch heute verwaltet sie die Bilder, die Max Brunner nach seinem Tod zurückgelassen hat. «Es sind noch sehr viele da», fährt sie fort – ungeachtet dessen, dass sie eben erst rund 50 Werke dem Kunstmuseum Solothurn als Schenkung übergeben hat. Ein grosser Teil der im Lyssachschachen gezeigten Bilder steht deshalb auch zum Verkauf. Auch Kirchenfenster Ein Gang durch die Räume der Zürcher Stalder AG macht deutlich, was Max Brunner beschäftigt hat. Neben den Blumen gehören auch mannigfaltige Landschaftsbilder, Selbstporträts sowie – als Besonderheit – auch Figuren aus der venezianischen Karnevalszeit zu seinen beliebten Motiven. Bekannt geworden ist er weiter durch die Glasmalerei, als Schöpfer von kleinen Standesscheiben ebenso wie als Gestalter von grossen Kirchenfenstern. Seine Werke sind heute in über 40 Kirchen und kirchlichen Gebäuden zu sehen, unter anderem auch in der Abdankungshalle von Hasle. Mannigfaltige Einflüsse In Max Brunners Werk spiegelten sich die Einflüsse vieler Maler wider, halten die Sachverständigen in der Gedenkschrift fest. Sie nennen den schweizweit bekannten Ferdinand Hodler ebenso wie den vor allem in seiner Solothurner und Oberaargauer Heimat hoch geachteten Cuno Amiet. Seine letzten Bilder erinnerten gar an den grossen Niederländer Vincent van Gogh – wie sich Max Brunner entwickelt hat, ist auch in der Ausstellung selber sichtbar. Zwischen dem grossflächig gemalten und in dumpfen Farben gehaltenen Selbstporträt aus dem Jahr 1946 und jenem aus dem Jahr 2000, das durch unzählige Striche und leuchtende Farben auffällt, klaffen Welten. Lange Jahre Lehrer Im Hauptberuf war Max Brunner übrigens Lehrer, und als solcher unterrichtete er lange Jahre in Unterramsern im Limpachtal. Erst 1959 wagte er den Sprung in die künstlerische Unabhängigkeit.Stephan KünziDie Retrospektive zu Max Brunner ist noch heute und morgen jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Bei der Zürcher Stalder AG an der Gewerbestrasse 9 im Lyssachschachen.>

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt