Schlechtes Zeugnis für Evento

Erziehungsdirektor Pulver musste sich gestern bezüglich der umstrittenen Schulsoftware Evento harte Kritik von Berufsschulen und Gymnasien anhören. Und: Eine Analyse gibt der millionenteuren Software miserable Noten.

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Gestern war offizielle Kropfleerete: Die Erziehungsdirektion des Kantons Bern hatte Berufsschul- und Gymerrektoren eingeladen. Die Rektoren waren aufgefordert, sich über das Funktionieren der Software Evento zu äussern. Evento ist das offizielle, aber seit längerem höchst umstrittene Administrationsprogramm für Gymnasien und Berufsschulen im Kanton. Über das Ergebnis will die Erziehungsdirektion erst heute Mittwoch per Medienmitteilung orientieren.

Diese Zeitung weiss aber aus mehreren guten Quellen, dass sich die grosse Mehrheit der Rektoren kritisch äusserte. Nicht alle gingen gleich hart ins Gericht mit dem millionenteuren Informatiksystem. Die kritischen Stimmen überwogen aber eindeutig. In einem Punkt waren sich gar alle Rektoren einig: Evento brachte den Schulen grossen Mehraufwand.

Swot-Analyse: Miserabel

Zu jenen Schulen, die sich in den vergangenen Wochen in dieser Zeitung bereits kritisch geäussert haben, gesellte sich gestern eine weitere Berufsschule – mit besonders handfesten Kritikpunkten: die Schlossbergschule Spiez. Die Schule hat eine sogenannte Swot-Analyse zur Software gemacht. Diese lässt an Evento kaum ein gutes Haar. Swot-Analysen vergleichen Stärken und Schwächen des zu untersuchenden Gegenstandes.

Der Rektor der Schlossbergschule ist Andreas Blaser. Blaser ist Grossrat und gleichzeitig Präsident der Oberaufsichtskommission des Grossen Rates. Er wollte sich gestern gegenüber dieser Zeitung zur Analyse seiner Schule nicht äussern, weil er als Rektor und Kommissionspräsident in einer Doppelrolle stecke. Die Oberaufsichtskommission hat eine Kontrollfunktion bezüglich der Software.

«Schlicht unbrauchbar»

Gemäss mehreren Insidern hat Blaser aber gestern aus der Analyse Folgendes vorgelesen: Die Bedienungsoberfläche des Programms sei «veraltet, unübersichtlich und benutzerunfreundlich». Und: Die Software sei «für Durchschnittsnutzer kaum bedienbar». Der Zugriff auf das Programm via Internet sei «unzumutbar». Weiter: «Stunden- und Pensenplanungsfunktionen» seien «schlicht unbrauchbar». Die Ressourcenverwaltung der Software könne «als Folge der nicht brauchbaren Stundenplanungsfunktionalität kaum sinnvoll genutzt werden».

Für Einführung und Kauf der Software hat der Kanton Bern bis jetzt 33 Millionen Franken investiert. Wegen der hohen Investitionen will Erziehungsdirektor Bernhard Pulver vorläufig weiter an dem Programm festhalten. Mischa Aebi

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Erstellt: 22.09.2010, 00:30 Uhr

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