Pnos bezeichnet Miss Schweiz als «Gschwür»

Langenthal

Die hiesige Pnos bezeichnet Miss Schweiz Whitney Toyloy als «Geschwür». Experten sind sich einig: Das ist rassistisch.

Dominik Balmer@sonntagszeitung

Bald sind Wahlen in Langenthal, und die Politiker heischen nach Aufmerksamkeit. Die Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) macht es auf ihre Art: Auf ihrer Internetseite attackiert die Langenthaler Splitterpartei die amtierende Miss Schweiz Whitney Toyloy und die Vizemiss Rekha Datta scharf. Weil beide Schönheiten nicht nur Schweizer Wurzeln haben, schreibt der Pnos-Vorsitzende Dominic Lüthard: «Diese Personen sollen die Schweiz repräsentieren?» Seine Frage beantwortet Lüthard mit dem sprachlichen Zweihänder gleich selber: «Nein, sie verkörpern nur das Geschwür, welches die freie, unabhängige Eidgenossenschaft bereits am Auffressen ist.» Miss Schweiz Whitney Toyloy bezeichnet er zudem als «braune Schweizerin». «Menschenunwürdig»

Der Burgdorfer Anwalt Daniel Kettiger schreibt dazu in einer Mail an diese Zeitung: Die «Ergüsse» von Pnos-Mann Lüthard verstiessen gegen das Antirassismusgesetz. Es handle sich um eine «menschenunwürdige Herabwürdigung», wenn die Missen als «Geschwür» bezeichnet würden. Der Text sei daraufausgerichtet, nichtweisse Schweizerinnen wegen ihrer Hautfarbe zu diskriminieren. Die Meinung teilt auch Strafrechtsexperte Tom Frischknecht. «Für mich sind die Aussagen der Pnos rassistisch», sagt der wissenschaftliche Assistent am Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Bern. Die Pnos verletze die Menschenwürde der beiden Frauen, weil sie ihre ausländische Herkunft mit dem Begriff «Geschwür» verbinde. Die Anfeindungen bezeichnet er als «gravierend». Sollte Lüthard verurteilt werden, droht ihm gemäss Frischknecht allerdings bloss eine Geldstrafe. Diese könne «im allerhöchsten Fall» eine Million Franken betragen, wie der Experte erklärt. Obwohl die zwei Experten zum gleichen Schluss kommen, wolle die Miss-Schweiz-Organisation «zum jetzigen Zeitpunkt» keine Anzeige einreichen, sagt Raffy Locher, Manager der jeweils amtierenden Schönheitskönigin. Da es sich beim vorliegenden Vergehen um ein Offizialdelikt handle, müssten die Behörden so oder so aktiv werden. «Allenfalls beraten wir uns auch noch mit einem Anwalt.» Vor rechtlichen Schritten hat der Verfasser des Textes aber keine Angst. Es sei «absolut nicht so», dass er gegen das Antirassimusgesetz verstosse, glaubt Lüthard. Der Text sei von einem Anwalt «aus den eigenen Reihen» geprüft worden – «er beschreibt bloss die Wahrheit». Rassismus würde laut Schreiberling Lüthard erst vorliegen, wenn er in seinem Artikel andere Menschen ausgegrenzt hätte.

Untersuchungsrichter aktiv

Das hat nun das Untersuchungsrichteramt II Emmental-Oberaargau zu entscheiden. Auf Anfrage bestätigt der zuständige Untersuchungsrichter Hansjürg Brodbeck: Der vorliegende Fall werde von Amtes wegen geprüft. Einen Kommentar könne er dazu aber keinen abgeben.

Berner Zeitung

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