Mit Don Quixote am Murtensee

Der Kehrichtkübel als Windmühle, der Murtensee – ein Meer: Im Rahmen der Murten Classics wird am Sonntagnachmittag das Kindermusiktheater «Don Quixote» von Re-gula Küffer und Wieslaw Pipczynski aufgeführt.

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Einen singenden Kürbis, eine Bonsai-Posaune namens Alberto, ein Garklein-Flötlein, zwei Blockflöten und Akkordeons, ein Kazou, einen Theremin und die Stimme in all ihren Facetten – diese möglichen und unmöglichen Instrumente haben die Flötistin Regula Küffer und der Pianist Wieslaw Pipczynski im Gepäck, wenn sie mit ihrem jungen Publikum auf musikalisch-vergnügliche Weise in die surreale Welt des irrenden Möchtegern-Ritters Don Quixote, seinem Knappen Sancho Pansa und der zur Prinzessin stilisierten Bauerntochter Dulcinea eintauchen. Um diese schrägen und vielschichtigen Figuren, ja Archetypen, ersinnt das «Duo ohne Scheuklappen» ein märchenhaftes, fantasiesprudelndes Kindermusiktheater.

«Es ist schier unmöglich, den Ritterroman ‹Don Quixote› in einer Dreiviertelstunde kindgerecht auf die Bühne zu bringen», sagt Küffer. Zu abstrakt ist Miguel de Cervantes’ Werk aus dem frühen 17.Jahrhundert, zu komplex seine Sprache. Doch aus den vielen verflochtenen Handlungen konnte Küffer eine Idee herausarbeiten, die gerade für Kinder sehr gut verständlich ist: «Don Quixote ist ein Gleichnis für die Fantasie, für das Etwas-Kreieren in der Welt.»

Der Murtensee als Ozean

Der Held taumelt zwischen Traum und Realität. Durch sei-ne Imaginationsbrille werden Windmühlen zu Riesen, Bäume zu Drachen und ein klappriger Gaul zum Edelross Rosinante. Cervantes’ Spiel von Verkehrung und Verklärung findet unter freiem Himmel statt. So bleibt der Murtensee im Familienkonzert kein See, sondern verwandelt sich zum weiten Ozean. Der Kehrichtkübel ist eine Windmühle, das Gartenhäuschen ein pompöses Schloss, und die roten Dächer von Murten stellen die Skyline von New York dar.

Mit altersgerechter Sprache und modernen Elementen wird die Geschichte den Kindern zugänglicher gemacht, dennoch soll der Transfer ins Heute nicht forciert werden. «Die Ebene der Fantasie ist sowieso zeit- und raumlos», ist sich Küffer sicher. Auf der Fantasie-Ebene bewegten verschiedene Melodien, Rhythmen und Klänge mehr als das erzählte Wort. Das gemeinsame Erleben steht dabei immer im Vordergrund – eine Haltung, die Regula Küffer für grundlegend hält, um Kinder an Musik heranzuführen: «Ich mag es nicht, wenn man etwas vom hohen Stuhl herunterleiert und die Kinder im Stil einer billigen TV-Show ab und zu einen Zwischenruf machen lässt.»

Raum für Improvisation

Durch ihre Unterrichtserfahrung am Berner Konservatorium weiss sie, wie man Kinder unverkopft zur Interaktion einlädt. Auch Wieslaw Pipczynski ist durch seine Lehrtätigkeit an der Musikschule Belp und seine Auftritte als Clown gut für die Bühne gerüstet, zum Beispiel für das Spiel mit dem Unvorhergesehenen: Küffer ist gespannt, wie ihre jungen Zuhörer und auch sie selbst auf die Überraschungen reagieren werden, die die Aufführung bereithält: «Kinder sind ein sehr kritisches Publikum und merken sofort, was ehrlich ist oder was ‹scheibengeschnitten› daherkommt. Um sie ernst zu nehmen, braucht es genügend Raum für Improvisation.» Theresa BeyerFamilienkonzert: Sonntag, 5.9., 15 Uhr, bei der Schiffsstation Murten. Bei schlechter Witterung in der Primarschule Längmatt. www.murtenclassics.ch.

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Erstellt: 04.09.2010, 00:30 Uhr

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