«Hier lohnt sich ein genauer Blick»

Dass sich in und an der Sense viel Verborgenes entdecken lässt, beweist der Verein Pro Neuenegg mit einem Naturpfad.

Mit Wehmut blicken die Mitglieder des Vereins Pro Neuenegg auf die Zeit zurück, als die Ufer der Sense noch wenig verbaut waren. Für etliche Tier- und Pflanzenarten bot der natürliche Lauf des Flusses Lebensraum. Heute ist die Sense zwischen Neuenegg und Laupen begradigt. Die Artenvielfalt hat stark abgenommen. Doch ehe der Verein Pro Neuenegg die Sense in Neuenegg als einen langweiligen, begradigten Fluss abstempelte, wollte man seine verborgenen Schätze an die Oberfläche holen. «Die Sense ist mehr, als man denkt. Ein genauer Blick lohnt sich.» Unter diesem Motto realisierten die Vereinsmitglieder zwischen Neuenegg und Laupen einen Naturpfad entlang der Sense. Am Samstag fand beim Viehschauplatz in Neuenegg die Eröffnungsfeier statt. Wichtiges Stück Lebensraum «Die Einwohner sollen merken, dass die Sense ein wichtiges Stück Lebensraum ist, dessen Zukunft in unseren Händen liegt», sagte Elsbeth Stampfli, abtretende Präsidentin des Vereins bei der Eröffnungsfeier. Um den Spaziergängern, Joggern oder Velofahrern die verborgenen Besonderheiten rund um den Fluss sichtbar zu machen, installierte der Verein an sechs Standorten Infotafeln. So steht der erste Posten im Zeichen der Fische in der Sense. Es werden die drei Fischarten beschrieben, welche es in diesem Flussabschnitt noch gibt: Barbe, Äsche und Bachforelle. Auch kritische Töne Gleichzeitig wird bei jedem Posten auch ein kritischer Ton angeschlagen. So steht beim Posten eins auch quasi ein Nachruf auf die Nase. Dieser Fisch war früher einer der häufigsten Sensebewohner. Durch die Verbauung in den letzten Jahrzehnten ist er aus dem Gewässer verschwunden. Auch bei den anderen Posten auf dem fünf Kilometer langen Naturpfad wird auf Tierarten aufmerksam gemacht, die mittlerweile selten geworden sind, so zum Beispiel der Flussuferläufer, der Laubfrosch oder der Biber. Die Realisierung des Naturpfads war indessen nicht so gemütlich wie ein Spaziergang an der Sense. 13 Mitberichte von verschiedenen Instanzen mussten eingeholt werden, um eine Baubewilligung zu erhalten, erzählt Elsbeth Stampfli. Die Baubewilligung wiederum kostete den Verein 2200 Franken. Den Hauptteil der Gesamtkosten von 30000 Franken übernahmen jedoch Sponsoren, unter anderem die drei Einwohnergemeinden Neuenegg, Laupen und Wünnewil-Flamatt. «Zu wenig spektakulär» Überzeugungsarbeit brauchte es anfangs auch beim Luzerner Umweltbüro Carabus. Bei der ersten Besichtigung des Senseabschnittes fiel noch das Verdikt «zu wenig spektakulär». Daraufhin meinte Elsbeth Stampfli leicht verärgert: «Warum muss denn alles immer spektakulär sein?» Und überhaupt, die Sense sei mehr als ein langweiliger, begradigter Fluss. Michael Bucher •www.pro-neuenegg.com >

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