Erneuter Sprung ins Mittelalter

Marktfahrer, Handwerker, Gaukler, Kämpfer, Wahrsagerinnen und Dirnen: Am Wochenende findet in Burgdorf der zweite Mittelaltermarkt statt. Diesmal zu tieferen Eintrittspreisen und mit einer stilechten Security.

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Dieses Jahr wollen sie es besser machen. Wobei: So schlecht haben sie sich beim ersten Mal im vergangenen Jahr auch wieder nicht geschlagen. An zwei Tagen verzeichnete der grosse mittelalterliche Markt auf der Burgdorfer Schützenmatte insgesamt gegen 2000 Besucherinnen und Besucher, und die Mittelalterszene der Schweiz befand sich mehr oder weniger komplett unter den Gästen.

Auf das grosse Geld aus?

Aber eben – auch Kritik mussten die beiden Veranstalter Derek Mahnken (38) und Marcus Haenisch (40) einstecken. Auf wenig Gefallen stiess zum Beispiel die Security, deren kahlköpfige und in moderne schwarze Dresses gekleidete Mitarbeiter im historischen Umfeld stilfremd wirkten. Auch meldeten sich Leute zu Wort, die hinter dem Anlass Abzockerei witterten: Wer die 20 Franken Eintritt zahlte und für das Bogenschiessen zusätzliche Silberlinge aus dem Säckel klauben musste, kam schon mal auf den Gedanken, dass die Organisatoren wohl auf das grosse Geld aus seien.

«Von wegen», lächelt Marcus Haenisch. «Wir haben zuletzt draufgelegt.» Einen Anlass in dieser Grössenordnung durchzuführen, sei nicht ganz billig – zumal sie beide keine Sponsoren hätten und für ihr historisches Hobby private Mittel einsetzten. Zahlen nennen die Veranstalter keine – nur so viel: «Platzmiete, Bands, Soundanlagen, Security, mobile Toiletten und anderes mehr, da kommt einiges an Kosten zusammen», sagt Haenisch.

Standmiete ist nun höher

Um mehr Eintritte zu generieren, haben die beiden Mittelalter-Begeisterten ihre Preispolitik unterdessen überdacht. Sie hörten sich in der Szene um und erfuhren, dass sie den Marktfahrern beim letzten Mal offenbar eine unüblich tiefe Standmiete verrechnet hatten. Diesmal müssen die 50 Aussteller mehr zahlen. «Nun liegen wir im schweizerischen Durchschnitt», erklärt Mahnken.

Diese Mehreinnahmen kommen den Besuchern zugute, die am kommenden Wochenende für einen Tag statt 20 Franken nur noch 15 Franken Eintritt zu berappen haben. Wer in mittelalterlicher Gewandung zum Spektakel erscheint, bezahlt, da er schliesslich zum Ambiente beiträgt, lediglich 12 Franken – im Gegensatz zum letzten Jahr, wo Ritter, Burgdamen, Schotten, Ordensbrüder, Hökerweiber und Wikinger 15 Franken entrichteten. Jugendliche bis 16 Jahre haben für einen Fünfliber Zutritt, Kinder bis zu einem Meter können gratis ins Hochmittelalter eintauchen. «Mit günstigeren Eintritten und somit mehr Besuchern ist letztlich auch den Marktfahrern gedient», führt Mahnken aus.

Security im Kostüm

Auch bei der Security wurde eine Korrektur vorgenommen. Die Firma, die diesmal für Ruhe und Ordnung sorgt, ist auf kostümierte Einsätze spezialisiert. Überbordende und randalierende Gäste bekommen es heuer also mit stilecht gewandeten und ausgerüsteten Kriegsknechten zu tun. «Wir sind gewappnet», lacht Haenisch, und Mahnken ergänzt: «Wir rechnen nicht wirklich mit unliebsamen Zwischenfällen; bereits beim letzten Mal ist alles absolut friedlich verlaufen.»

Gericht und Urteil

Nun gut – ganz und gar sanftmütig wird es im bunten Treiben zwischen den Marktständen zwar nicht zu- und hergehen. Das hat aber nichts mit echtem, dafür aber sehr viel mit lustvoll inszeniertem Streit zu tun, denn auf dem Programm stehen auch Schaukämpfe und ein Marktgericht mit anschliessender Urteilsvollstreckung. «Die dunkle Seite des Mittelalters wollen wir nicht ausblenden», sagt Mahnken. Allzu düster wird das Spektakel dennoch nicht ausfallen, denn im Zentrum des Geschehens stehen schliesslich die Marktfahrer mit ihrer Ware, die Schauhandwerker, Gaukler, Musikanten, Magier, Handleserinnen und Dirnen.

Derek Mahnken und Marcus Haenisch lernten sich vor zwei Jahren an ihrem Arbeitsplatz im Alterspflegeheim Burgdorf kennen und entdeckten dabei ihre gemeinsame Leidenschaft für das Mittelalter. Daraus entstand die Idee eines Mittelaltermarkts, den die beiden künftig alljährlich in Burgdorf durchführen möchten – wenn die Veranstaltung auf die erhoffte Resonanz stösst.Hans Herrmann

Mittelalterliches Spektakel mit Markt, Handwerk, Musik, Bogenschiessen, Schaukämpfen, Gauklern und anderen Attraktionen: Sa, 14.August, ab 12 Uhr, Ende offen; So, 15.August, 10–17 Uhr.

•www.medieval-productions.ch>

Erstellt: 12.08.2010, 00:30 Uhr

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