Ein Buch über den Jauner Dialekt geplant

JaunLeo Buchs arbeitet am ersten Wörterbuch für die jaundeutsche Mundart.

2014 erscheint das Werk in «Jùu-Tütsch».

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«Mit dr Mùuse ga naare» oder «ìz Vürhuus» sind Sätze und Wörter, die nur die Jauner verstehen. Die Einwohner der einzigen deutschsprachigen Gemeinde des Greyerzbezirks sprechen einen besonderen Dialekt. Diesen will der gebürtige Jauner Leo Buchs in einem Wörterbuch dokumentieren und verewigen. Denn dieser Dialekt sei ein wertvolles kulturelles Erbe, sagt der 71-Jährige. «Von allen Dialekten sind in der jaundeutschen Mundart am meisten Wörter aus dem Althochdeutschen geblieben.» Dies erkläre sich durch die geografische Lage. «Weil Jaun von französischsprachigen Gemeinden umgeben ist, hat die sprachliche Veränderung nicht so stattgefunden wie anderswo.»

Per Internet mitmachen

Leo Buchs ist in Jaun aufgewachsen, wohnt nun aber seit 25 Jahren in Baar im Kanton Zug. Alle zwei bis drei Monate fährt er nach Jaun, um mit seinen neun Gewährsleuten Unklarheiten zu besprechen. Seit Mai 2010 schickt er ihnen – vier Personen zwischen 25 und 30 Jahren sowie fünf Personen über 60 Jahren – jede Woche einen Fragebogen mit circa zehn bis zwanzig Wörtern. Sie müssen angeben, ob sie diese Wörter kennen, ob und wie sie sie gebrauchen und was sie auf Hochdeutsch bedeuten. Unter www.jaundeutsch.ch können sich weitere Personen zur Mitarbeit anmelden.

Die Idee zum Wörterbuch kam dem gelernten Betriebswirtschafter während seines Germanistikstudiums, das er 2004 an der Universität in Zürich begonnen hat. Leo Buchs kam dabei mit der Dialektologie in Berührung, und die Idee war geboren. «Ich orientiere mich ziemlich stark am ‹Senslerdeutschen Wörterbuch› von Christian Schmutz und Walter Haas», erklärt Buchs. Das Wörterbuch soll nicht trocken sein, sondern sich fast wie ein Roman lesen. Viele Wörter werden zudem bebildert. «Das ist ein Wunsch des Deutschfreiburger Heimatkundevereins. Denn das Wörterbuch wird im Jahre 2014 in der Reihe «Deutschfreiburger Beiträge» des Heimatkundevereins erscheinen.

Identität ist wichtiger

«Für die Jauner ist der Dialekt ein starkes Identitätsmerkmal», sagt Buchs. Und diese ganz eigene Identität werde heute wieder stärker gepflegt als noch in den vergangenen 20 bis 30 Jahren, in denen eine gewisse Lethargie geherrscht habe. Er selber habe beim Eintritt ins Kollegium St.Michael in Freiburg den Fehler begangen, dass er den Dialekt angepasst habe, weil ihn die Mitschüler nicht verstanden hätten. «Das sollte man nie tun.» Heute wechselt er automatisch von einem Allerweltsschweizerdeutsch auf Jaundeutsch, wenn er den Kanton Freiburg betritt. «Weil ich die Sprachentwicklung in Jaun in den vergangenen Jahren nicht mitgemacht habe, verwende ich Wörter, die nicht mehr gebräuchlich sind», sagt Buchs.

Viel Arbeit und Geld nötig

Bis das Wörterbuch 2014 erscheint, hat Leo Buchs noch eine Menge Arbeit vor sich. Auch die Finanzierung ist noch nicht ganz gesichert. «Es soll bei den Jaunerinnen und Jaunern das Bewusstsein dafür stärken, ihre Mundartsprache mit den vielen überlieferten Besonderheiten zu benutzen und zu pflegen», sagt Leo Buchs. Zudem solle das Buch sie auch ermutigen, ihre Mundart auch ausserhalb der Talschaft selbstbewusster zu gestalten.

Buchs arbeitet nicht nur an einem Wörterbuch, er versucht auch, einen «Förderverein Jùutütsch» auf die Beine zu stellen. Alt-Staatsrat Marius Cottier hat zusammen mit der Gemeinde Jaun das Patronat des Vereins übernommen.

Jetzt fehlt noch ein Präsident, dann kann der Verein gegründet werden. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf 155000 Franken. 56000 Franken hat der Deutschfreiburger Heimatkundeverein zugesichert – er übernimmt die Druckkosten. 100000 Franken sind indes noch nicht gedeckt. Karin Aebischer/FN>

Erstellt: 09.01.2012, 00:30 Uhr

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