Der friedliche Eskapismus der Editors

Keine Viertelstunde nach Lo & Leduc gaben die Editors unterm Zeltdach ein atemloses Konzert: ein würdiger Einstieg in die letzte Gurtennacht.

Das Konzert der Ediotors ging ohne Zugabe, ohne grosse Interaktion mit dem Publikum über die Bühne. Die Musik der Editors soll für sich sprechen, ihre Musik.

Das Konzert der Ediotors ging ohne Zugabe, ohne grosse Interaktion mit dem Publikum über die Bühne. Die Musik der Editors soll für sich sprechen, ihre Musik.

(Bild: Martin Burkhalter)

Auf die Frage, ob ihre Musik nicht ein bisschen aus der Zeit gefallen sei, meinte der Editors Schlagzeuger Ed Lay: Er wisse nicht genau, was damit gemeint sei. Aber: «Wir mögen Musik und Bands, die nicht gleich jedes Geheimnis verraten. Wie etwa The Cure oder R.E.M. scheuen wir das Rampenlicht. Die Leute, die unsere Musik hören, können sich dadurch ihre eigenen Gedanken machen, ihre eigenen Schlüsse ziehen, sich in ihre eigenen Gefühle hineingeben.» Er finde, das fehle heute ein bisschen in der modernen Popmusik. Alles werde immer gleich dargelegt. «Wir bleiben lieber im Mystischen. Wenn, dann ist diese Haltung vielleicht etwas aus der Zeit gefallen.»

Dass nicht nur Ed Lay diese Einstellung hat, zeigte sich dann auch rund zwei Stunden später am Konzert auf der Zeltbühne. Gut 15 Minuten nach dem so gefühlvollen Lo & Leduc-Gurtenmoment auf der Hauptbühne. Die Band um den charismatischen Frontsänger Tom Smith legte gleich los und das Publikum schrie und jauchze und brüllte, als liefe das Konzert schon den ganzen Abend.

Und so blieb es dann auch. Gut 15 Mal sagte Tom Smith nur «Dankeschön» und am Schluss nochmals «Dankeschön, Gürten, Good Night» mit Englischen Akzent - und dann war ein wildes und ungestümes, zuweilen ein bisschen monotones Konzert nach ziemlich genau 74 Minuten auch schon zu Ende. Ohne Zugabe, ohne grosse Interaktion mit dem Publikum. Ja, die Editors wollen ein Geheimnis bleiben. Ihre Songs sollen für sich sprechen, ihre Musik.

Das war es auch, was Ed Lay zuvor im Interview betont hatte: er wolle Zuhörer, die selber denken würden, sich selber Meinungen bildeten. Gerade in so politischen Brexit-Zeiten, sei das umso wichtiger. Obwohl er über letzteres Thema nicht gerne spricht, weil es ihn wütend macht, wie er sagte.

Als Band mit einem gewissen Alter gehe es nicht mehr darum, die Leute zur Auflehnung anzustacheln, sondern um Aufmunterung, um Zuspruch. Und das tun sie, in dem die Band etwa die Wohltätigkeitsorganisation Oxfam unterstützt, ein internationaler Verbund verschiedener Hilfs- und Entwicklungsorganisationen. Und was bietet denn ein Editors-Konzert?: «Den Rahmen für einen friedlichen Eskapismus».

Friedlich war es unter dem Zelt mit Blick auf Bern. Und auch wunderbar ausgelassen. Die Editors spielten in den 74 Minuten ein quasi Best-of ihrer rund 15-jährigen Karriere mit den sieben Alben. Den treibenden New-Wave, die U2-mässigen Hymnen, die etwas härteren Stücke mit Electro-Einschlag à la Depeche Mode, alles war dabei. Ein früher Höhepunkt war etwa der Song «Barricades» aus dem im Frühling erschienen Livealbum «The Blanck Mass Sessions». Beinahe ein bisschen atemlos ging es Lied um Lied weiter bis zu den Hits wie «Sparks», ein grandioses, weil ausschweifendes «Sugar» über zu «A Ton of Love», «The Racing Rats» und einem harten und kantigen «Frankenstein» als Grande Finale. Ein gebührender Einstieg in die letzte Gurtennacht - aber das soll jeder selber entscheiden.

Berner Zeitung

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