Der Aussichtsturm mit Lift war die Attraktion

kaba in thunEin Blick in drei Teilen auf die Kaba-Zeiten in der Kyburgstadt: 1899 und 1949 fanden in Thun vielbesuchte und starkbeachtete Kantonal-bernische Ausstellungen statt. Die geplante Kaba 1974 konnte wegen überhitzter Konjunktur nicht durchgeführt werden.

Vom 4. Juni bis 15. Oktober 1899 war Thun das Ziel von Tausenden von bernischen Ausflüglerinnen und Ausflüglern. Damals fand die erste Kantonal-bernische Ausstellung (Kaba) statt und zwar, wie es im Führer hiess, «am Schienenstrang Thun-Scherzligen». Das heisst, ungefähr dort, wo sich seit 1923 Richtung Seefeld die Geleiseanlagen des neuen Zentralbahnhofs befinden. Denn 1899 existierten nur die kleinen Bahnhöfe Thun-Stadt und Thun-Scherzligen. Handwerk Sport und Hygiene Wie die heutigen Ausstellungen OHA in Thun oder BEA in Bern deckte die Thuner Kaba 1899 alle Bereiche des menschlichen Seins und Schaffens ab: Wohnen und Bekleidung, Gärtnerei, Kunsthandwerk (Skulpturen aus Grindelwaldner Marmor) und Kunst – und natürlich auch die Landwirtschaft mit Viehschauen (Pferde, Kühe und Hühner). Vielen Abteilungen eignete ein ganz anderes Gepräge als in der Gegenwart. In der Abteilung Handwerk etwa waren Sattlerei, Korberei und Seilerei prominent vertreten, da ihnen damals eben eine viel grössere Bedeutung zukam. Eine kleine Abteilung, ganz im Gegensatz zu heute, war dem Sport gewidmet. Da ging es vorab um das Bergsteigen. Das Velofahren nahm nur eine unbedeutende Rolle wahr. Eine damals noch in den Kinderschuhen steckende Abteilung war die Fabrikhygiene und die Unfallverhütung. In der Maschinenhalle waren Pferdefuhrwerke neuester Konstruktion zu sehen, aber auch Petroleum-Motoren und Elektromotoren, die damals ihren unaufhaltsamen Aufstieg und Siegeszug begannen. Der Turm war die Attraktion Dass die Halle mit Lebens- und Genussmitteln und Degustationsmöglichkeiten sehr regen Zuspruch genoss, wird nicht erstaunen. Das ist doch in der heutigen Zeit immer noch so. Eine besondere Attraktion war ein Aussichtsturm von 21 Metern Höhe. Er musste nicht mühsam zu Fuss bestiegen werden, denn die Gäste konnten sich mühelos mit elektrischem Lift auf die Plattform heben lassen. Den Lift lieferte übrigens die auch heute noch weltweit tätige Schweizer Firma Schindler. Viel Aufmerksamkeit galt auch drei Ballonaufstiegen und -flügen mit dem damals sehr bekannten Schweizer Luftfahrtpionier, Ballonkapitän und Fotografen Eduard Spelterini (mit richtigem Namen Eduard Schweizer). Die damalige Thuner Tagespresse meldete: «Es muss eine herrliche Fahrt gewesen sein droben in der klaren Luft, ungestört die Rundsicht auf das schöne Vaterland». Die Politiker waren alle dabei Die Kaba 1899 war ein voller Erfolg. An Sonntagen strömten bisweilen rund 7000 Zuschauerinnen und Zuschauer in die Ausstellung, für damalige Zeiten eine sehr respektable Zahl. Der Eintritt kostete ein Franken (Kinder 50 Centimes), vor hundert Jahren ein nicht geringer Betrag. Dass der bernische Regierungsrat und der Grosse Rat des Kantons Bern die Kaba in corporé besuchten, war damals mehr als selbstverständlich. Die Eisenbahn setzte Extrazüge ein und vom alten Bahnhof Thun aus, wo heute der Güterbahnhof liegt, wurde ein ÖV (öffentlicher Verkehr) zur Ausstellung eingerichtet: ein Pferdeomnibus, wobei der Tarif zehn Centimes für die einfache Fahrt betrug. Volk und Presse waren erfreut Nach Ausstellungsende wurde die Idee geprüft, aus dem Areal einen Stadtgarten und –park zu machen, ein Projekt, das allerdings nicht realisiert werden konnte. Die Bevölkerung war des Lobes voll über die erste Kaba in Thun, aber auch die Tagespresse äusserte sich durchaus positiv. So war etwa zu lesen: «Es war wunderschön. Das sagten alle, die dabei waren: Der vielgereiste Mann, der in der weiten Welt schon manches gesehen hat, und das einfache Bauernmüetti, das selten mehr von zu Hause fortkommt». Jon KellerJon Keller ist alt Stadtarchivar der Stadt Thun. Er wird noch zwei weitere Berichte zu den Kaba-Ausstellungen in Thun schreiben: Zur erfolgten Kaba 1949 und zur geplanten, jedoch nicht durchgeführten Kaba 1974.>

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