Das Leid vom Neid

fussballRené Lanz ist der grosse Macher beim FC Köniz.

Der reiche Unternehmer will den Berner Vorortsklub in den

nächsten 3 Jahren in die 1.Liga Promotion führen. Vielleicht baut der Freund von Trainer Bernard Pulver gleich noch ein Stadion.

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«Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.» Diesen Satz prägte einst Wilhelm Busch, und es steckt viel Wahres darin.

René Lanz hat einige Neider, seit man weiss, dass der gut betuchte Unternehmer sein finanzielles Engagement beim FC Köniz erhöht hat. «Neid muss man sich hart erarbeiten», sagt der Finanzchef des Berner Vorortsklubs gelassen. Der Eigentümer der florierenden MLG-Gruppe – eines mittelgrossen Schweizer KMU-Betriebs der Immobilienwirtschaft mit Sitz in Bern – ist beim FC Köniz seit 13 Jahren mit Herzblut und Geldbeutel dabei. Sein zehnjähriger Sohn spielt bei den D-Junioren. Als generöser Gönner bürgt Lanz auch für die Fussballschule des Team Bern-West (U-13 bis U-15), welche vom Sportfonds des Kantons Bern (Sport-Toto-Gelder), vom SFV, vom Fussballverband Bern/Jura sowie von Sponsoren finanziell unterstützt wird.

Niedermaier brachte Sponsor

Vor 2 Jahren wurde René Lanz in den Vorstand des FC Köniz gewählt. Es war gewissermassen seine Bedingung, um im Verein weiterzumachen. «Ich wollte, dass der Klub die Finanzen in den Griff bekommt und wie ein Unternehmen geführt wird», sagt der 45-jährige Berner. Lanz glich noch einmal alles aus und begann sich stärker in die Finanzen einzuschalten. Als dem FCK allmählich Junioren davonliefen und das Fanionteam vor einem Jahr in der 2.Liga interregional nach sechs Spieltagen mit null Punkten dastand, zog Lanz die Notbremse: «So konnte es sportlich nicht mehr weitergehen. Unser Nachwuchs muss eine Perspektive haben. Ich will die Jugend fördern.» Lanz sicherte Trainer Bernard Pulver auf die neue Saison Verstärkung zu. Die beiden sind miteinander befreundet; Pulver arbeitet in der Firma von Lanz, Pulver ist es zu verdanken, dass Lanz vor 13 Jahren zum FC Köniz kam. Auf seine Freunde kann sich René Lanz verlassen. So verhalf ihm der ehemalige YB-CEO Stefan Niedermaier zu einem Trikotsponsor: «Westside» prangt aktuell auf der Brust der Spieler.

Fantasiezahlen geistern herum

«Es braucht Rennpferde, um Erfolg zu haben. Ohne Geld spielt man in dieser Liga am Limit», sagt Pulver. Köniz holte den bestens vernetzten Richard Wey als Spieler-Scout ins Boot. Der Inhaber der Uefa- und Fifa-Spielervermittlerlizenz half mit, eine neue Mannschaft zusammenzustellen. Als namhafteste Verpflichtung wurde der 77-fache venezolanische Nationalspieler und Ex-YB-Profi Gabriel Urdaneta verpflichtet. Aus Wohlen kam der Challenge-League-Spieler Przemyslaw Madry, vom FC Breitenrain der langjährige Super-League-Akteur Roman Friedli (Xamax, Yverdon, Aarau, YB und Thun). Einen bekannten Namen trägt Henry Acosta-Vonlanthen, Bruder des eben nach Kolumbien zurückgekehrten Johan Vonlanthen. Eine halbe Million Franken soll beim FC Köniz an Spielerlöhnen aufgewendet werden, wird auf Berns Fussballplätzen herumgeplaudert. Und dass einige Spieler zwischen 4000 und 5000 Franken pro Monat verdienen würden. «Das ist blanker Unsinn», sagt René Lanz. Statt Löhne würden «Spesen und Entschädigungen» bezahlt. In unbekannter Höhe. «Wir kommen unseren Verpflichtungen pünktlich nach.» Das sei nicht überall so, weiss Lanz. Einzelne Spieler hat der Verwaltungsratspräsident der MLG im eigenen Betrieb beschäftigt, anderen hat er eine Stelle vermittelt. Urdaneta soll dereinst die Trainerlizenz erwerben und im Team Bern-West eingesetzt werden.

In drei Jahren in die 1.Liga

«Ich habe eine Vision», sagt René Lanz. «In drei Jahren will ich mit dem Fanionteam in die 1.Liga Promotion und mit der zweiten Mannschaft in die 2.Liga interregional aufsteigen.» Ab 2012/2013 gibt es wegen der Ligareform an der Spitze folgende Spielklassen:

Super League (10 Teams);

Challenge League (10);

1. Liga Promotion (16);

1. Liga Classic (42);

2. Liga interregional (84).

Der Start in die neue Saison ist dem FC Köniz nicht wunschgemäss geglückt. Im Schweizer Cup schied der grösste Sportverein der Gemeinde gegen Ligakonkurrent Eschenbach aus, was besonders bitter ist, denn die Luzerner empfangen in der nächsten Runde Meister FC Basel. In der Meisterschaft steht Köniz nach vier Spielen und fünf Punkten auf Platz 9. Beim verlustpunktlosen Leader Vaud U-21 verloren die Berner 0:6. Musste Pulver nach dem Debakel beim Boss vorsprechen, so wie es jeweils der Xamax-Trainer tun muss? «Nein, warum auch?», fragt Lanz und lacht. «Ich bin nicht Tschagajew.» Im Gegenteil. Es kommt vor, dass Lanz als Schlichter auftritt, wenn Bernard Pulver mit harter Hand regiert. «René ist mein Vorgesetzter und gleichzeitig einer meiner besten Freunde», sagt Pulver. Da möge es auch das eine oder andere Wort leiden, das tiefer gehe. «Wir haben zwar 0:6 verloren, doch Lanz hat gesehen, dass Feuer in der Mannschaft steckt.» Es sei kein Drama, wenn Köniz in dieser Saison nicht aufsteige, sagt Lanz. «Aber wir probieren alles, das Nachwuchsteam von Lausanne noch abzufangen.»

Neues Stadion in Köniz

René Lanz spielt mit dem Gedanken, neben dem Schwimmbad Weiermatt, wo es eine Zone für öffentliche Nutzung gibt, ein kleines Fussballstadion zu bauen. «Wir haben in Köniz zu wenig Trainingsfelder», sagt Lanz. Eine erste Duftmarke im Sportstättenbau hat er mit seiner MLG Generalunternehmung AG bereits gesetzt: Im vergangenen Oktober wurde die Localnet-Arena in Burgdorf eröffnet. Die Eishockeyaner spielen dort, wo die Fussballer des FC Köniz hinwollen: in die 1.Liga. Thomas Wälti>

Erstellt: 07.09.2011, 00:34 Uhr

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