Das Haus der Religionen ist abgesegnet

Europaplatz BernDas Haus der Religionen erhält 2,2 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds. Der Grosse Rat genehmigte gestern den Beitrag. Auch die Verhandlungen mit dem Investor für das 75-Millionen-Projekt verlaufen positiv. 2012 soll mit dem Bau begonnen werden.

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Freudestrahlend zogen die Initianten des Hauses der Religionen gestern auf den Berner Rathausplatz. Der Grosse Rat stopft mit seinem deutlichen Ja zum 2,2-Millionen-Beitrag ans Projekt das Loch der Stiftung (siehe Kasten). Damit ist von dieser Seite bis auf einen letzten kleinen Rest das Geld beisammen.

«Fünf Parlamente haben sich nun für unser Projekt ausgesprochen», sagte Hartmut Haas, Geschäftsführer des Vereins Haus der Religionen. «Nun sind wir demokratisch breit abgestützt – das freut mich ganz besonders.» Guido Albisetti, Präsident der Stiftung Europaplatz – Haus der Religionen, verfolgte die Debatte drinnen im Rathaus: «Das ist ein wunderbares Zeichen» sagte er.

Doch das Kultuszentrum für 10 Millionen Franken, das dem Gebäude am Europaplatz in Bern im kantonalen Entwicklungsschwerpunkt Ausserholligen den Namen gibt, ist nur ein Teil des Projekts: Für die Realisation des 75 Millionen Franken teuren Brockens sind Halter Entwicklungen aus Zürich zuständig. Sie bezeichneten den Grossratsentscheid als «wichtigen Schritt». Halter verlängerte vor bald einem Jahr die Frist für die Stiftung, um das nötige Geld aufzutreiben.

Coop ist Hauptmieter

Noch sind nicht alle Steine aus dem Weg geräumt. Zwar liegt die Baubewilligung seit Ende Juli vor, und die Firma Halter kündigte gestern den Baubeginn für «die erste Hälfte im Jahr 2012» an. Gespräche mit einem Investoren seien am Laufen, der Vertragsabschluss auf Anfang Jahr zu erwarten. Mit den wichtigsten Mietern seien Verträge abgeschlossen worden. So steht Coop als Hauptmieter des Dienstleistungsteils fest. Doch für das Hotel fehlt bisher ein Betreiber. Sprecher Nik Grubenmann geht davon aus, dass das Projekt nun realisiert wird. «Eine hundertprozentige Garantie können wir jedoch, bis die Verträge mit dem Investor unterzeichnet sind, nicht geben.»

Für Guido Albisetti ist die erste Phase abgeschlossen. Zwar fehlten noch 123000 Franken, doch diese zu beschaffen, sei nun einfacher. Die Rücktrittsklausel, die Halter bisher offenstand, sei hinfällig. Jetzt gehe es darum, die Religionsgemeinschaften zusammen mit den andern Nutzern zu organisieren, dann den Bau zu begleiten und schliesslich das Zentrum zu beziehen. Folgende fünf Religionsgemeinschaften ziehen ein: Aleviten, Buddhisten, Hindus, Muslime und der Verein Kirche. Die Religionsgemeinschaften sind laut Albisetti bereits daran, Geld für die Inneneinrichtung zu sammeln. Hartmut Hass fügte an: «Wir haben noch das ganze Jahr 2012 Zeit, um verbleibende Fragen zu klären. Jetzt feiern wir aber zuerst mal unseren Erfolg.»

Albisetti rechnet nicht damit, dass nun nach dem Wegfallen der wichtigsten Hürde interne Konflikte aufbrechen: «Das war am Anfang, wie wenn eine Familie mit fünf Kindern ein Haus bezieht und es darum geht, wer welches Zimmer erhält.»

«Vorzeigeprojekt für Bern»

Wenn das Haus der Religionen gebaut wird, gibt das auch dem Entwicklungsschwerpunkt endlich Schub. Als «Freudentag für die Stadt Bern» bezeichnete Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) den gestrigen Tag. «Der Entscheid des Grossen Rates ist für mich auch ein Bekenntnis des Kantons zur Stadt Bern.» Das Haus der Religionen sei ein Vorzeigeprojekt mit nationaler Ausstrahlung. «Es zeigt, was in Bern möglich ist.» Orte wie das Haus der Religionen seien enorm wichtig in Zeiten, in denen vielerorts Intoleranz gegenüber dem Unbekannten vorherrsche.

Christoph Aebischer/mm/tob>

Erstellt: 02.12.2011, 00:31 Uhr

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