Bern- oder Bühnendeutsch – das ist die Frage

burgdorfIm Vorstand der Theatergruppe Burgdorf ist

eine Diskussion um die Sprache auf der Bühne entbrannt. Sollen die Amateurschauspieler künftig Stücke in Mundart oder in Hochdeutsch aufführen? Einig ist man sich nicht.

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Hochdeutsch oder Berndeutsch? Die Frage, welche Sprache auf der Bühne verwendet werden soll, lässt sich nicht einfach beantworten. Dialekt gilt gemeinhin als anspruchslos, natürlich und volksnah; Bühnendeutsch als stilvoll, künstlerisch und elitär.

Auch die Theatergruppe Burgdorf diskutierte an ihrer Hauptversammlung unlängst hitzig über dieses Thema. Entzündet hat sich die Debatte, als die Statuten zur Sprache kamen. Darin steht, dass die Stücke auf Hochdeutsch aufgeführt werden sollen. Und so standen im Zentrum der Amateurgruppe immer Produktionen auf Bühnenhochdeutsch. Bis zum Jahr 2006 – und in dieser Saison steht nun bereits zum vierten Mal in Folge mit «Das Festkomitee» von Alan Ayckbourn, das im November und Dezember im Casino-Theater aufgeführt wird, ein Stück in Dialektfassung auf dem Programm. So hat es der Regisseur gewollt.

Mundart als Erfolg

Ob nun der umstrittene Passus in den Statuten ergänzt oder gar gestrichen werden soll, darüber ist man sich im Vorstand nicht einig. Vorstandsmitglied Lilo Lévy macht sich für das Berndeutsche stark. Dialekt bedeute nicht a priori weniger Qualität, betont sie. «Das erste Dialektstück ‹Eiger, Mord und Jungfrau› nach dem Roman von Paul Wittwer und das letzte Stück ‹Der Fels. Das Fest. Der Fluss› des Berner Autors Beat Sterchi waren ein voller Erfolg.» Auf dieser Erfolgsschiene gelte es weiterzufahren. «Die berndeutsche Sprache ist den Zuschauern näher», sagt Lévy. «Und wir sind Laien.» Sie spricht auch die Probleme an, mit denen fast jeder Verein zu kämpfen hat: Mitgliederschwund und Überalterung. Die Theatergruppe müsse mehr Leute begeistern, und das gelinge am besten mit Dialektstücken, einer Mischung aus Klassischem und Modernem. Lévy weiss, wovon sie spricht, denn für das aktuelle Stück hat sie die Schauspieler rekrutiert. Es sei schwierig genug gewesen, Leute zu finden, so Lévy. «Es gibt ohnehin eine grosse Konkurrenz unter den Theatergruppen. Viele Leute haben schon andernorts zugesagt, oder sie sind beruflich engagiert.» Sie mahnt, nicht stehen zu bleiben. «Wir müssen über die Bücher, wenn die Theatergruppe überleben will», ist sie überzeugt.

Hochdeutsch an der Reihe

Lilo Lévy steht heuer auf der Bühne, ebenso wie Marie-Louise van Laer und Ruedi Schütz, beide ebenfalls vom Vorstand. Van Laer war bereits bei der Gründung 1985 dabei. Dem Dialekt auf der Bühne verschliesst sie sich zwar nicht grundsätzlich. Ihr Anliegen für die Aufführung im nächsten Jahr formuliert sie aber klar: «Nach viermal ist nun endlich wieder ein hochdeutsches Stück an der Reihe.» Viele Stücke – insbesondere Klassiker – würden sich für eine schweizerdeutsche Inszenierung schlicht nicht eignen, gibt sie zu bedenken. Zudem stünde eine grössere Bandbreite an Literatur zur Verfügung. Van Laer glaubt im Gegensatz zu Lévy nicht, dass die Sprache der Auslöser dafür sei, dass immer weniger Schauspieler mitmachen wollen. «Das hat andere Gründe. Letztlich kommt es auf den Inhalt des Stücks an, nicht auf die Sprache.» Sicherlich könne die Sprache für einzelne ein Grund zur Absage sein, gesteht auch sie ein. Bühnendeutsch könne aber beispielsweise in Kursen trainiert werden.

Rückenwind erhält van Laer von Ruedi Schütz. Dialektstücke liegen bei Amateurtheatern zwar im Trend, doch man müsse nicht unbedingt auf dieser Erfolgswelle reiten und vorbehaltlos auf Dialekt umschwenken, sagt er.

Eine Frage der Stückwahl

Stefan Meier wiederum neigt in der Sprachenfrage eher zur Mundart und äussert Bedenken, wenn sich eine Laiengruppe für einen Auftritt auf Bühnendeutsch entscheidet. Er ist Regisseur am Berner Theater an der Effingerstrasse und probt derzeit mit der Theatergruppe Burgdorf das aktuelle Stück. Bei den Amateuren seien nun einmal nicht alle gleich begabt, sagt er. «Hochdeutsch ist für uns fast wie eine Fremdsprache.» Einen Dürrenmatt in mundartgefärbtem Hochdeutsch klappe gut, ein Goethe in seiner Kunstsprache dagegen könne schnell unfreiwillig komisch wirken. Es bestehe die Gefahr, dass Laienschauspieler das nicht bewältigen könnten. Nicht zuletzt bedeute Hochdeutsch zu üben einen Mehraufwand. «Aber», wirft er ein, «es kann funktionieren.»

Die Diskussion um die Theatersprache ist zwar nicht vom Tisch, aber vorerst auf die lange Bank geschoben. Denn momentan haben die Theaterleute andere Sorgen: Sie stecken mitten in den Proben. Schliesslich ist am 25.November Premiere des «Festkomitees». Nadja Noldin

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Erstellt: 01.10.2011, 00:31 Uhr

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