Zum Hauptinhalt springen

3 Waffen für über 100 Wettkämpfe

schiessenSimon Beyelers Trumpf ist die Vielseitigkeit – der Schwarzenburger gehört sowohl mit der Armbrust als auch mit dem Luft- und dem Kleinkalibergewehr zur Weltspitze.

Heute ist Simon Beyeler an der EM der Schützen in Belgrad erstmals gefordert. Der Schwarzenburger bestreitet mit der Mannschaft den 50-Meter-Bewerb, morgen und am Sonntag steht er erneut im Einsatz – mit intakten Medaillenchancen. Allerdings betrachtet Beyeler die kontinentalen Titelkämpfe in Serbiens Hauptstadt bloss als Zwischenstopp. Sie sind ein Etappenziel auf dem Weg an die Olympischen Spiele in London. In 361 Tagen wird der 29-Jährige aller Voraussicht nach an der Themse das Visier einstellen (siehe Kasten). Bis nächsten Sommer ordnet Beyeler fast alles dem Schiesssport unter. Sein 50-Prozent-Pensum als Bankangestellter wird er wohl reduzieren; er plant, noch gezielter zu trainieren, noch mehr Wettkämpfe zu bestreiten. WM-Titel als Randnotiz Während der Saison steht Beyeler zwischen Dezember und September über 100-mal im Einsatz, sei es mit der Armbrust, dem Luft- oder dem Kleinkalibergewehr. Er misst sich auf globaler, nationaler, aber auch auf regionaler Ebene. «Ernstkämpfe sind das optimale Training, weil sich Stresssituationen simulieren lassen.» Die Belastung sei aber hoch, «im Schnitt gilt es jeden dritten Tag ernst. Zeit für etwas anderes bleibt kaum». Beyeler ist derzeit wohl der beste Schweizer Schütze, gewiss ist er der vielseitigste. Er ist mehrfacher Schweizer Meister, Team-Welt- und Europameister über 300 Meter sowie mehrfacher Weltmeister und Weltrekordhalter mit der Armbrust. «Schiessen ist Schiessen – nur die Finessen sind verschieden. Wenn man das Gefühl für eine Waffe erlangt hat, funktioniert es relativ leicht. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es aber ein weiter Weg.» Weite Wege nimmt der Armbrustschützenkönig auch im Trainingsalltag auf sich. Oft reist er nach Dortmund, um von den Tipps des italienischen Nationaltrainers, der in Westfalen stationiert ist, zu profitieren. Seine sportlichen Fixkosten betragen jährlich rund 20000 Franken. Beyeler befürchtet, dass die Schweizer Schützen den Anschluss an die Weltspitze dereinst verlieren könnten. «Die ausländischen Konkurrenten sind beim Bund oder Militär angestellt und haben Profistatus. Diesbezüglich hinken wir hinterher.» In der Schweiz sei die Begeisterung für den Schiesssport gross, aber nur auf Breitensportebene. «Im Vorjahr gewann ich mit dem Team über die 300-Meter WM-Gold. Registriert hat das fast niemand, ich habe daraus keinen Rappen generiert.» Die Lehren gezogen 2008 schnupperte Simon Beyeler in Peking erstmals Olympialuft; die Platzierungen 45 und 48 passten zum tristen Auftritt der helvetischen Schützen. Die mediale Kritik sei heftig gewesen, «wir wurden als Touristen und Exoten bezeichnet, das hat mich getroffen». Beyeler ist sich bewusst, dass er vor drei Jahren am Erwartungsdruck zerbrach. «In den Monaten vor den Olympischen Spielen wollte ich alles noch präziser und seriöser machen. Ich habe mich in etwas hineingesteigert.» Mittlerweile jedoch wirkt der Berner abgeklärter – nicht zuletzt dank der Zusammenarbeit mit Sportpsychologe Jörg Wetzel, der unter anderen auch YB-Spieler betreut. Er habe gelernt, sich nicht mehr auf Rangziele zu fixieren, vielmehr strebe er den perfekten Wettkampf an. «Im Schiessen misst man sich nicht nur mit Gegnern, man kämpft auch gegen sich selbst.» Auf dem Weg nach London wird es noch zu vielen solchen Duellen kommen.Philipp Rindlisbacher>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch