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18,5 und 14 Jahre Haft für den Auftragsmord

ProzessHarte Urteile für die beiden Angeschuldigten, welche im April 2008 im Liebefeld die schwangere Tania S. umgebracht haben:

Ohne sichtbare Gefühlsregung nahmen gestern die beiden Angeschuldigten ihr Urteil entgegen. Das Kreisgericht Bern-Laupen blieb mit seinen Strafen hinter den Anträgen des Staatsanwalts zurück und verurteilte den 26-jährigen Freund von Tania S. zu 18,5 Jahren Gefängnis. Der 22-jährige Täter, welcher am Abend des 15. Aprils 2008 die junge Slowakin erstochen hatte, muss 14 Jahre ins Gefängnis. Beide Männer befinden sich bereits im vorzeitigen Strafvollzug. Das Gericht erachtete es als erwiesen, dass der Lebenspartner von Tania S. ihre Ermordung in Auftrag gegeben hatte. Daran ändere auch das Teilgeständnis nichts, das der Freund im Januar 2010 abgelegt hat, sagte Gerichtspräsident Jean-Pierre Vicari in der Urteilsbegründung. Er würdigte das Geständnis jedoch als «Schritt in die richtige Richtung», da sich zumindest ein Anflug von Verantwortung für seine Tat zeige. Im ersten Teil des Prozesses vor einem Jahr hatte der Freund noch jede Beteiligung an der Bluttat bestritten. Nach Schuldspruch gestanden Das Geständnis erfolgte erst nach dem ersten Urteil des Kreisgerichts, welches beide Angeschuldigten des Mordes schuldig befand. Der Verteidiger des Freundes hatte ein seltenes Verfahren beantragt, das sogenannte Schuldinterlokut. Dieses teilte den Prozess in zwei Teile: Zuerst ging es nur um die Schuldfrage, in einem zweiten Teil um die Folgen für die Verurteilten. Durch dieses Verfahren wäre es juristisch heikel geworden, wenn das Geständnis etwas am Schuldspruch für den Freund geändert hätte. Vicari sah darin jedoch nur, dass sich das Verhalten des Freundes nicht geändert habe: «Widersprüche, Schuldzuweisungen und Diffamierungen prägen nach wie vor die Aussagen des Freundes.» Unklar bleibt auch nach dem Urteil, weshalb Tania S. sterben musste. Waren es die Beziehungsprobleme, welche das Paar ohne Zweifel hatte? Oder bekam der Freund Angst vor der Verantwortung des Vaterseins? Das wird im Dunkeln bleiben. Sicher ist, dass sich der Freund als Auftraggeber und sein Kollege mehrmals über einen Mord an Tania S. unterhalten haben. Auch am Tatabend hatten sie mehrfach Kontakt. So rief der Täter von der Telefonzelle an der Hessstrasse aufs Handy des Freundes an, bevor er Tania S. erstach. Auch das hatte der Freund stets bestritten und sich erst in seinem Geständnis dazu durchgerungen, zuzugeben, dass es doch der Täter gewesen war, der ihm an jenem Abend telefoniert hatte. Inhalt des Gesprächs sei jedoch ein Job gewesen, nicht ein Mordauftrag. All diese Ungereimtheiten und die psychiatrischen Gutachten bewirkten, dass das Kreisgericht den Freund härter bestrafte als den Täter. Dieser war geständig und zeigte vor dem Gericht Reue. Zudem attestierte ihm das Gutachten eine leichte bis mittelschwere Verminderung der Schuldfähigkeit. Das führte dazu, dass er nebst den 14 Jahren Haft zu einer stationären psychotherapeutischen Massnahme im Strafvollzug verurteilt wurde. Auch der Freund, der laut Gutachten an einer narzisstisch-dissozialen Persönlichkeitsstörung mit Psychopathiemerkmalen leidet, muss in die Therapie. In seinem Fall reiche aber eine langjährige ambulante Therapie im Gefängnis aus, entschied das Gericht. Zudem müssen sich die beiden Verurteilten die hohen Verfahrenskosten sowie die Genugtuung für die Opferfamilie teilen. Das Auto, in dem Tania S. erstochen wurde, lässt das Gericht entsorgen. Familie S. hatte explizit beantragt, den blutverschmierten Wagen nicht zurückerhalten zu wollen. Emotionen im Gerichtssaal «Das ganze Verfahren lässt einen fassungs- und ratlos zurück», sagte Gerichtspräsident Vicari. Obwohl das Gericht objektiv bleiben müsse, seien die Emotionen im Saal spürbar gewesen. Speziell die Angehörigen von Tätern und Opfer mussten während des gesamten Prozesses immer wieder mit den Tränen kämpfen. In seinem Schlusswort brachte Vicari trotzdem die Hoffnung zum Ausdruck, dass die beiden Schweizer nach ihrer Strafe wieder ins normale Leben einsteigen könnten. Die beiden Verteidiger haben nun zehn Tage Zeit, das Urteil ans Obergericht weiterzuziehen. Ob es so weit kommt, ist unklar: Die Verteidiger äusserten sich in dieser Frage nicht.Anna Tschannen>

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