Zum Hauptinhalt springen

Tierschützer leisten Bärendienst

wolfMit einer Anzeige

Die Schafzüchter sind nicht gut auf die Tierschützer aus dem Kanton Graubünden zu sprechen. Der Verein Wildtierschutz Schweiz mit Sitz in Klosters hat die Berner Schafzuchtgenossenschaft Rüschegg angezeigt. Die Schafhalter sollen ihre Tiere vernachlässigt und somit gegen das Tierschutzgesetz verstossen haben. Weil die Genossenschaft ihre gut 400 Schafe ohne Herdenschutz auf die Alp am Stierengrat im Berner Oberland trieb, riss der Wolf hier gemäss Anzeige im Juni und Juli rund 30 Schafe (siehe Ausgabe von gestern). Als «völlig falschen Weg» bezeichnet German Schmutz, Präsident des Schweizerischen Schafzuchtverbands, die Anzeige. Sein Verband unterstütze den Herdenschutz. Doch: «Die Massnahmen flächendeckend anzuwenden, ist nicht praktikabel.» Mit dem Gang vor den Richter erschwerten die Tierschützer künftig den Herdenschutz. Herdenschutz ist freiwillig Bis gestern war die Anzeige noch nicht bei den betroffenen Schafzüchtern aus Rüschegg eingetroffen. Doch bereits jetzt geht der Puls von Genossenschaftspräsident Hans Kohler schnell: «Der Wolf hat unsere Schafe gerissen, er ist der Schuldige, nicht wir», sagt er. Zudem schreibe kein Gesetz den Herdenschutz auf der Alp vor. Auf die Freiwilligkeit der Schafzüchter und nicht auf den Rechtsweg will der Berner Jagdinspektor Peter Juesy setzen. «Wir müssen mit und nicht gegen die Schafzüchter arbeiten», sagt er. Die Anzeige provoziere und erschwere die Arbeit. Juesy: «Die Tierschützer erweisen dem Herdenschutz und dem Wolf einen Bärendienst.» Die Anzeige des Wildtierschutzes Schweiz basiert zwar auf dem Tierschutzgesetz, berücksichtigt jedoch die kleinräumigen Strukturen in der Berner Schafzucht nicht. Dem Herdenschutz bereiten vor allem die vielen kleinen Schafalpen, welche teilweise auch in touristisch intensiv genutzten Gebieten liegen, Probleme. Im Kanton Bern werden rund 55000 Schafe gehalten. Davon verbringen circa 23000 Tiere während 100 Tagen den Sommer auf einer der gut 180 Berner Alpen. Zwei Drittel der Sömmerungsherden bestehen aus weniger als 100 Tieren. Nur 5 Prozent der Herden erreichen eine Grösse von über 400 Schafen. Grösse bestimmt den Schutz Die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern hat in ihrer Wolfstrategie errechnet, wie gross eine Herde sein müsste, damit sie ständig von einem Hirten betreut werden könnte. Um einen Hirten finanzieren zu können, wären Herdengrössen von 600 Schafen nötig. Bei dieser Grösse vermögen die Sömmerungsbeiträge einen Hirtenlohn abzudecken. Bei Herden zwischen 330 und 600 Schafen reichen die Sömmerungsbeiträge nicht mehr aus, um einen Hirtenlohn zu bezahlen. Ergänzend können aber Beträge aus den Herdenschutzgeldern beim Bund geltend gemacht werden. Christian Liechti>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch