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Stadt gibt grünes Licht – Leist wehrt sich

Brisanter Entscheid: Die Stadt bewilligt die Überbauung Schadaugärtnerei. Der Dürrenast-Leist zieht den Entscheid weiter.

«Die Überbauung Schadaugärtnerei wurde bewilligt und sämtliche Einsprachen sind abgewiesen», sagte gestern Thuns Bauinspektor Rudolf Tschan auf Anfrage. Ein brisanter Entscheid – denn das Projekt erhitzt seit Monaten die Gemüter in Thun und sorgte für heftige Opposition. Zu gross und mächtig sei die Überbauung gegenüber der Kirche Scherzligen mit sieben Mehrfamilienhäusern und 71 Wohnungen, monierten die Einsprecher. Daraufhin speckte die federführende Bieler Firma Espace Real Estate AG das Projekt ab: Die Gebäudehöhen wurden reduziert, das Haus gegenüber der Kirche soll zwei- statt dreistöckig gebaut werden, die Gesamtzahl der Wohnungen sank auf 66 – doch der Widerstand blieb: Wie schon beim ersten Baugesuch gingen rund 50 Einsprachen beim Thuner Bauinspektorat ein. «Wenn ein Vorhaben den gültigen Vorschriften entspricht, hat der Gesuchsteller ein Anrecht auf eine Bewilligung», begründet Rudolf Tschan den Entscheid der Direktion Bildung und Entwicklung von Gemeinderätin Ursula Haller Vannini (BDP). Die Überbauung sei bau- und planungsrechtlich korrekt. Die Einsprecher haben nun 30 Tage Zeit, den Entscheid anzufechten. Nächste Instanz ist die Baudirektion des Kantons Bern. Leist: «Ein Affront» Zu den Einsprechern gehörte auch der Dürrenast-Leist. «Wir sind äusserst enttäuscht», betonte gestern Präsident Hans-Rudolf Gutjahr. Er sprach von einem «Affront» gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern – vor allem, weil es keine Einspracheverhandlungen gegeben habe. «Das wäre das Mindeste gewesen.» Dazu äusserte sich Bauinspektor Tschan wie folgt: «Aufgrund der Sachlage war es unwahrscheinlich, dass eine Lösung hätte gefunden werden können. Deshalb wurde auf die Durchführung einer Einigungsverhandlung verzichtet.» Gutjahr stellte derweil klar: «Wir müssen die Kulturgüter und die Natur in diesem Gebiet schützen. Wir werden sofort den Rechtsweg einschlagen.» Der Leist kann diesbezüglich auf den Rückhalt der meisten Mitglieder zählen. «Wir wollten in einer Umfrage von den Leistmitgliedern wissen, ob sie einverstanden sind, dass wir eine allfällige Baubewilligung anfechten», führte Hans-Rudolf Gutjahr aus. In diesem Fall würde der Leist als bekannte Institution die Beschwerde für die aus Einsprechern bestehende Interessengemeinschaft Schadaugärtnerei einreichen. 94 % wollen Rechtsweg Das Resultat der Umfrage spricht eine deutliche Sprache: 279 Couverts wurden verschickt, 157 oder 56 Prozent kamen zurück. Der Leist hat 417 Mitglieder, 216 davon gaben eine Stimme ab. 203 (94 Prozent) wollen, dass der Dürrenast-Leist den Rechtsweg beschreitet, 11 (5 Prozent) sind dagegen und 2 (1 Prozent) enthielten sich der Stimme. Gutjahr betont, dass die Ja-Stimmen nicht nur aus der direkten Umgebung der Überbauung kamen. Der Leist hat «sein» Gebiet in vier Quartiere aufgeteilt. Dabei verzeichnete Scherzligen-Schadau 72 Ja-Stimmen, Schulstrasse Nord 67, Schulstrasse Süd 50 und Gwattstrasse-See 14. Sollte die zweite Instanz das Thuner Okay zur Überbauung stützen, müsse die Situation laut Gutjahr neu angeschaut werden: «Möglich wäre auch eine zweite Schiene mit einer Volksinitiative.» An der Leist-Hauptversammlung vom Montagabend dürfte nach dem Entscheid jedenfalls für Gesprächsstoff gesorgt sein. Zufrieden zeigte sich gestern Theodor Kocher, CEO der Espace Real Estate AG: «Wir sind natürlich erfreut und empfinden es positiv, dass das Verfahren zügig und korrekt über die Bühne ging.» Zum weiteren Zeitplan sagte Kocher, jetzt werde zuerst die Rechtsmittelfrist abgewartet – «dann schauen wir, wie die Beschwerdesituation aussieht». Die Überbauung sei über einen Wettbewerb evaluiert und danach aufgrund von Inputs der Jury und der Einsprecher zweimal angepasst worden. Michael Gurtner>

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