Zum Hauptinhalt springen

Stadionwurst statt Döner

Der neuste Fanfarenschrei von Fussballfans für Fussballfans heisst «Stadionwurst»: Der Bildband, von 41 Fotografen und Autoren gemacht, ist keine Reportage, kein Gourmetguide fürs Stadion und schon gar nicht eine Dokumentation über das (Miss)- verhältnis von Wurstkonsum und Leidenschaftskoeffizient. Aber was ist es dann? Eine Fleisch gewordene Metapher fürs Fansein. Denn manche Dinge gehören einfach zusammen. So ist es bei Mannschaft und Fans. «Stadionwurst» huldigt also sozusagen der wichtigsten Nebensache der Welt. Diese wird von jeher auch im Thuner Lachenstadion zelebriert. Das konnten die Autoren von «Stadionwurst» genauso wenig übersehen, wie einst Pudi Latour die Wasserpfützen auf dem Rasen «mit hohen Bällen überspielen» lassen konnte, als er noch als FCT-Trainer an der Seitenlinie herumtigerte. In seiner Zeit hat er den Besuchern das Stadionerlebnis mit Anekdoten versüsst und mit Wutausbrüchen gepfeffert. Aber das Stadion Lachen hat noch viele andere Geschichten zu bieten. So reichen sich am FC-Thun-Match Fahnen und Bierfahnen versöhnlich die Hand. Die zwar zerbissenen, aber noch unverdauten Bratwürste zappeln im Rachen der fussballhungrigen Brüllwürfel und all jener, die gerne welche wären oder froh sind, keine zu sein. Der Ball dagegen zappelt im Netz, Casus malus: im eigenen. Nicht selten bleiben erbitterte Ausrufe über den blinden Schiri in den Hälsen der Thuner stecken. «Stadionwurst» zeigt Bilder vom Bratwurststand und von Jungspunden im Thun-Leibchen, die sich nach einer kurzfristigen Bierüberdosis ein Nickerchen irgendwo am Rand des Spielfelds gönnen. Auch die eine oder andere Eigenart des Lachens wird Wurst sei Dank nicht verschwiegen. Die terrassenartigen Stufen bei den Stehplätzen wärmen den Hintern, wenns kalt ist – und nehmen Nichtraucher aus der Schusslinie der Dauerschloter, wenn die Luft dick wird. An der Bande liefern sich Mädchen Eroberungswettkämpfe um Jungs, die von etwelchen Annäherungsversuchen nicht das Geringste bemerken. Familienväter haben Baseballcap und Sonnenbrille aufgesetzt. Eine Hand umklammert das Bier, die andere ist über den Kopf des Sohnemanns gelegt. FC Thun ist Familienspass! Zur Grossfamilie FCT gehört selbstverständlich auch Murat Yakin. Den Autoren von «Stadionwurst» kommt er vor wie ein guter Vater, der lieber PET-Flaschen in der Hand zerdrückt, als sich die Seele aus dem Leib zu schreien. Nun, solange er lieber «Chiubigigle» als Döner verdrückt, kann uns Thunern das relativ wurscht sein! dino.dalfarra@bom.ch«Stadionwurst – der Fussballschweiz auf die Pelle gerückt», erhältlich auf www.stadionwurst.ch und im Buchhandel, ISBN 978-3-033-02802-9, Preis: Fr.62.–. >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch