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«Spielen wir konzentriert, ist für uns vieles möglich»

Die Schweiz überzeugt an der U17-WM. Trainer Dany Ryser über sein Team und seine Spieler, die Ziele und das Turnier in Nigeria.

Nach den zwei Siegen gegen Mexiko (2:0) und Japan (4:3) ist die Stimmung bei der Schweizer Delegation wohl euphorisch. Dany Ryser: Sie ist gut, aber nicht euphorisch. Wir sind für die Achtelfinals qualifiziert und haben unser erstes Ziel erreicht. Wie beurteilen Sie die zwei Schweizer Leistungen? Gegen Mexiko waren wir sehr diszipliniert, wir spielten solid und abgeklärt. Es hiess nach unserem Sieg, Mexiko sei nicht so stark, aber spätestens seit dem verdienten 1:0-Erfolg Mexikos über Brasilien am Dienstag weiss man, wie stark auch Mexiko ist. Und gegen Japan waren wir in den ersten dreissig und den letzten zwanzig Minuten schwach, da haben wir nicht so gespielt, wie wir es uns vorgenommen hatten. Ich habe den Spielern gesagt, dass wir mit solchen Schwächephasen ab den Achtelfinals chancenlos seien. Aber aber dazwischen waren wir sehr gut. Wir schossen vier Tore vom 0:2 zum 4:2, wir hatten noch einen Lattenschuss und verschossen einen Elfmeter. Ich glaube, viel besser als in dieser Phase können wir nicht spielen. Wer sind neben den GC-Stürmern Nassim Ben Khalifa und Haris Seferovic, Basel-Spielmacher Granit Xhaka und Abwehrchef Frédéric Vesely von Manchester City die Schweizer Leistungsträger? Diese vier Spieler bilden schon einen sehr starken Block. Aber wir haben viele gute Fussballer. Torhüter Benjamin Siegrist von Aston Villa ist ein sicherer Rückhalt. Und Mittelfeldspieler Pajtim Kasami von Lazio Rom war gegen Mexiko hervorragend. Ben Khalifa, Seferovic oder Kasami und nicht Ryser, Müller oder Weber – ist das U17-WM-Aufgebot ein Spiegelbild der Schweizer Nachwuchsförderung, wo die Talente ausländischer Herkunft oft einfach mehr Biss haben? Das ist ein interessantes Thema. Man muss dazu wissen, dass alle Spieler perfekt Schweizerdeutsch sprechen, sie sind in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Einzig ihr Name verrät, dass die Eltern aus einem anderen Land stammen. In diesen Familien wird bedingungsloser auf Fussball gesetzt, während anderswo die schulische und berufliche Ausbildung höher gewichtet wird. Das hat mit der Einstellung und nicht mit Biss zu tun. Wie gross ist die Gefahr, dass solche Talente wie früher die Kroaten Mladen Petric, Ivan Rakitic oder der Serbe Zdravko Kuzmanovic später von ihren Heimatländern abgeworben werden? Das kann man nie sicher wissen. Wenn Geld im Spiel ist, kippt vielleicht der eine oder andere um. Aber das sind alles Jungs, die sich bei uns wohl fühlen und die stolz sind, das Schweizer Leibchen zu tragen. Die Fifa sollte endlich Regeln einführen, dass Verbände, die Spieler abwerben, für die jahrelange Ausbildung zahlen müssen. Und warum hat es in Ihrem Team keine Berner Spieler? Richel Marzolf von YB ist auf Pikett, aber sonst ist dieser Jahrgang, der heute bereits die U18-Auswahl ist, bei YB nicht so stark. In der U17 und in der U16 hat es aber mehrere YB-Spieler. Was ist jetzt Ihr Ziel? Wir wollen das dritte Vorrundenspiel gegen Brasilien gut vorbereiten. Brasilien ist unter Druck, siegte gegen Japan erst in der Nachspielzeit und verlor gegen Mexiko. Aber natürlich ist das wie immer bei den Brasilianern ein mit viel Talent gesegnetes Team. Wir wollen auf jeden Fall Gruppenerster werden, können aber bei einer hohen Niederlage auch noch Dritter werden. Zum Glück stehen wir als mindestens einer der vier besten Dritten schon in den Achtelfinals. Zählt die Schweiz jetzt zu den WM-Favoriten? (lacht) Nein, das sind immer die grossen Nationen wie Argentinien, Spanien und trotz schwachen Starts Deutschland oder Brasilien. Spielen wir konzentriert, ist für uns ist vieles möglich. Es sind noch zahlreiche Teams als Achtelfinalgegner möglich. Ja, das ist ein Nachteil für uns. Wir haben Gérard Castella als Beobachter dabei, und ich kenne die europäischen Nationaltrainer gut, sie werden mir sicher mit Informationen helfen. Ist es sehr anstrengend, wochenlang in einem gefährlichen Land wie Nigeria zu sein? Wir machen ausserhalb der Hotels keinen Schritt ohne Polizeischutz. Als wir in Lagos von hier wohnhaften Schweizern auf eine wunderschöne Lagune eingeladen wurden, begleiteten uns zum Beispiel zwei Schnellboote mit Kanonen an Bord. Das ist gewöhnungsbedürftig. Am Mittwoch dislozierten wir von Lagos in die Hauptstadt Abuja, wo wir gegen Brasilien spielen. Hier ist es ein wenig ruhiger. Lagos ist ein unglaublicher Moloch, es hat immer Staus, ins Training benötigten wir für eine 20-Minuten-Fahrt vier Stunden. Und in der Freizeit sitzen die Spieler also vor der Playstation. Nein, wir haben ein Freizeitprogramm, zudem machen viele Spieler Hausaufgaben für die Schule oder Lehre. Wir müssen uns zudem gut erholen, die Luftfeuchtigkeit in Lagos war brutal hoch. Jetzt in Abuja ist es sehr heiss, etwa 35 Grad. Wir haben vom A-Nationalteam Kühlwesten dabei und Tabletten, damit die Spieler schneller regenerieren. Interview: Fabian RuchMögliche Schweizer Gegner Seite 12>

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