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Ob behindert oder nicht: Zwei Künstler schaffen gemeinsames Werk

Reto Bärtschi, Metall-

Die Arbeit ist fertig. Reto Bärtschi steht vor seinem Haus in Wangenried und zeigt auf das Stahlrelief an der Hauswand. «Ich habe die Scheibe angesäuert und lasse nun die Natur walten.» Je nach Säurenmenge sind auf dem Metall hellere oder dunklere Brauntöne entstanden. «Angesäuert sieht das Relief genial aus», lautet das Urteil des Metallplastikers und Zeichners. Das Kunstwerk ist eine Gemeinschaftsarbeit des Künstlers und des Behinderten Benjamin Abgottspon aus Entlebuch. Deshalb trägt es zwei Namen: «Gut ist, was mir und Reto in der Seele guttut», nennt es Benjamin Abgottspon, bei Reto Bärtschi heisst es «Liebende». Endlose Diskussionen Benjamin Abgottspon, der mit Trisomie 21, auch Downsyndrom genannt, zur Welt kam, verbrachte zu Beginn des Zusammenarbeitsprojekts eine ganze Woche bei Reto Bärtschi, bis man sich endlich auf eine Arbeit einigen konnte. «Am Anfang wollte Beni das Werk ganz nach seinem eigenen Willen gestalten», erinnert sich Reto Bärtschi. «Doch ich habe nicht einfach nachgegeben, ihn nicht geschont, denn Beni sollte gefordert sein.» Deshalb hätten sich stundenlange Diskussionen ergeben. «Und schliesslich haben wir beide unsere Ideen durchgesetzt, wie es sich bei einem Gemeinschaftswerk gehört.» Das Relief wurde dann in den Hallen der Firma Schwarz AG in Herzogenbuchsee gefertigt. «Die Zusammenarbeit mit Beni hat mir riesigen Spass gemacht», schwärmt der Metallplastiker rückblickend. Künstler trotz Behinderung Vom künstlerischen Ausdruck her beurteilt, sind für Reto Bärtschi behinderte und nicht behinderte Menschen absolut gleichwertig. Die Gesellschaft müsse zur Kenntnis nehmen, dass auch Behinderte künstlerisch tätig sein könnten, sagt er. Der Zeichner Adolf Wölfli, ein Vertreter der Art Brut, der unverbildeten, rohen Kunst, sei ein Beispiel dafür. «Ich arbeite mit jedem Künstler zusammen, auch mit einem behinderten», betont der 38-Jährige. «Durch eine solche Zusammenarbeit wird es für behinderte Menschen möglich, auf professioneller Ebene künstlerisch tätig zu sein.» Projekte dieser Art habe es bei ihm schon mehrere gegeben. Und er sei absolut offen für neue. Für Pro Infirmis Das Metallrelief gelangt in ein Lager der Pro Infirmis in Langenthal. Dort werden all die Kunstwerke gesammelt, die bei insgesamt 20 namhaften Künstlerinnen und Künstlern gemeinsam mit Behinderten geschaffen werden. Ab Ende Januar 2010 kommen die Arbeiten in verschiedene Museen oder Galerien und werden schliesslich versteigert (siehe Kasten). Reto Bärtschi und Beni Abgottspon lassen es jedoch nicht mit der Abgabe des Gemeinschaftswerks allein bewenden. Beni steuert noch ein Holzrelief bei, das er bei Reto Bärtschi selbstständig entworfen hat. Der Künstler selber gibt zusätzlich eine grosse «Klageschale» aus Metall in die Versteigerung. «In vino veritas» nennt er sie. Hans Käser>

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