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Mitternachts am Bahnhof

Noch vor Mitternacht geistern erste Namen bekannter Fussballer herum. Panini-Fanatiker belagern den Eingang eines Kioskes am Berner Hauptbahnhof und beginnen zu fachsimpeln. Ob Seydou Doumbia, YB-Star und potenzieller WM-Fahrer der Elfenbeinküste, dabei sein würde? «Ich hoffe, das Wappen Brasiliens zu kriegen. Das wäre ein toller Beginn», sagt Caio Schaeffner. Er steht zuvorderst, gleich hinter der Absperrung. 2002, als die WM in Japan und Südkorea ausgetragen worden ist, habe er erstmals gesammelt. «Wissen Sie: Die Alben sind primär Erinnerungsstücke.» Und es sei aufregend, die Bildchen zu tauschen und die Sammlung zu vervollständigen. In der Schweiz ist das Interesse am italienischen Produkt besonders ausgeprägt; niemand gibt im Schnitt mehr Geld dafür aus als Herr und Frau Schweizer. Dem trägt Panini Rechnung: Wir sind die Ersten, die die Bildchen kriegen – eine Woche vor Deutschland oder etwa den Österreichern. Und eigens für die Schweiz wurde eine Spezialausgabe hergestellt mit 20 zusätzlichen Lücken im Album. Um 23.59 öffnet die Kioskstelle wieder, nachdem sie um 23.30 Uhr geschlossen worden war. Schaeffner ist einer der Ersten, die sich Panini-Bildchen ergattern. 40 Franken hat er investiert. «Es dürften 150 werden.» Freilich öffnet er nicht gleich all seine Tütchen; das Wenige, das er sieht, stellt ihn aber zufrieden. «Ich habe Messi, Beckham und Kaka gekriegt.» Nach Doumbia wird vergebens gesucht. Immerhin: «Das Album gefällt mir. Es ist schöner als jenes der EM 2008», sagt Schaeffner. Nach zehn Minuten ist der Spuk vorüber – wer Bildchen wollte, hat sie nun. Um 0.20 Uhr finden sich die Medienvertreter und die Verkäuferinnen alleine wieder. «Daraus zu schliessen, das Interesse an Panini werde kleiner, wäre falsch», sagt Stefania Misteli, Valora-Sprecherin. «Einige sind noch am Spiel des SC Bern, und viele werden bei Tageslicht kaufen gehen.» Derweil kündigt Caio Schaeffner eine lange Nacht an. «Nun schauen wir, was wir in den Tütchen haben.» Besonders fleissig war offenbar ein anderer Berner: Gemäss Blick.ch war Fritz Streit aus Ostermundigen der Erste, der das Album voll hatte. Wie hatte neulich ein Österreicher Autor über das bevorstehende Panini-Fieber geschrieben: «Der Mythos klebt.» Adrian Horn>

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