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Mit Modeschau und Herzblut gegen das Aus

SchlossbergschuleSie wollten die laut Schulleiter und SP-Grossrat Andreas Blaser «noch unentschlossenen Grossräte» mit Emotionen für sich gewinnen: 60 Lernende und Lehrende aus Spiez zogen gestern früh vors Berner Rathaus, um für den Erhalt ihrer Schule zu weibeln. Sie taten das mit viel Herzblut – der Entscheid fällt aber erst heute.

«Schloooooossbääääärgschuel!», hallte es von links – «BeeÄffÄff!», klang es von rechts. Es war ein nicht alltägliches Aufeinandertreffen zweier kantonalen Schulen gestern am frühen Morgen auf dem Berner Rathausplatz. Hier die 45 angehenden Bekleidungsgestalterinnen und der eine angehende Bekleidungsgestalter der Spiezer Schlossbergschule, da die Schülerschar der Lehrwerkstätte für Bekleidungsgestaltung der Berner Berufs-, Fach- und Fortbildungsschule (BFF). Beide Gruppen waren mit teilen ihrer Lehrerschaft gekommen, um die Kantonsparlamentarier vor Beginn des gestrigen Sessionstages für sich zu gewinnen. Besonders die Spiezer taten dies nicht nur mit vollem Engagement, sondern auch mit fast allen Mitteln: Sie boten nicht nur eine fast einstündige Endlos-Modenschau (bei winterlichen Temperaturen und zu popigen Klängen), auch richteten sie im Foyer des Rathauses eine Büstengalerie mit traumgewordenen Kleidern aus den Ateliers her und verteilten produzierte Handyhüllen für grossrätliche Smartphones «Wir versuchen, mit Emotionen die noch unentschlossenen Grossräte zu gewinnen», sagte Andreas Blaser in das Mikrofon des regionalen TV-Senders. Der Heimberger ist nicht nur Schulleiter in Spiez, sondern für die SP auch Parlamentarier in Bern. «Wir sind 14 Lehrkräfte und 46 Lernende», erklärte derweil Heidi Fries, die Abteilungsleiterin der Spiezer Couture-Ateliers. Sie habe nicht gut geschlafen, ergänzte sie. «Ich war bisher immer positiv eingestellt, doch nun befürchte ich, der Entscheid liegt auf des Messers Schneide.» «Es ist traurig» Dass sich die Schulen aus Spiez und Bern von der Schokoladenseite zeigten, war vonnöten, nachdem der Regierungsrat im Rahmen des Sparpakets zuerst beschlossen hatte, die Schlossbergschule in Spiez zu schliessen, um später wieder davon abzukommen und dafür das BFF-Schneideratelier aufzuheben (vergleiche Kasten). Die Kehrtwende leitete ein politischer Vorstoss zur Rettung der Schlossbergschule ein. Die Regierung empfahl ihn dem Grossen Rat zur Annahme (wir berichteten). Gestern nun sollte der Tag X mit der Behandlung der Motion sein. «Es ist traurig – ein Atelier wird geschlossen, entweder das in Spiez oder das in Bern. Jemand verliert», meinte Heidi Fries. Hannes Zaugg (SP) aus Uetendorf fand, es sei «ein schlechtes Gefühl», da nun de facto zwei Schulen gegeneinander ausgespielt würden, «was nie das Ziel gewesen ist». Die Delegation der Schlossbergschule war gekommen, um zu bleiben – sie wollte auf der Tribüne im Rathaus mitverfolgen, wie über ihre Zukunft debattiert wird. Doch sie wartete vergebens – zuerst bis am Mittag, dann bis 16 und schliesslich bis zum Ende der Abendsession um 19 Uhr. Zu lange hatte die Budgetdebatte gedauert. Die Entscheidung wurde vertagt. Glaubt man Andreas Blaser oder dem Simmentaler SVP-Grossrat Thomas Knutti («ich wage keine Prognose»), dürfte es heute hauchdünn ausgehen. Jürg Spielmann>

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