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«Ich urteile nicht über Richter»

Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) ist erleichtert über das positive Ergebnis des Expertenberichts. Dessen Kritik nimmt Käser ernst und erklärt, wo bereits Massnahmen ergriffen wurden und wo er noch Korrekturen vornehmen will.

Herr Käser, der Expertenbericht stellt dem Berner Straf- und Massnahmenvollzug ein gutes Zeugnis aus. Sind Sie erleichtert? Hans-Jürg Käser: Dass der Bericht zu einem positiven Schluss kommt, habe ich eigentlich erwartet. Trotzdem bin ich froh, dass dies nun durch die Untersuchung bestätigt wurde. Dennoch ortet der Bericht Verbesserungspotenzial und gibt Empfehlungen ab. Für St.Johannsen haben wir bereits im November 2009 Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit eingeleitet. Ein Teil davon ist bereits umgesetzt. Gestützt auf die Empfehlungen des Expertenberichts, werden wir nun auch strukturelle Korrekturen angehen. Etwa bei der besseren Vernetzung von Behörden und Fachleuten, wenn es um die Beurteilung von Häftlingen sowie die Lockerung des Vollzugs geht. Laut Bericht ist mehr Sicherheitspersonal in den Anstalten nötig. Um wie viele Stellen geht es, und was kostet dies? Wir haben dies erkannt und bereits eine personelle Verstärkung vorgenommen. So wurden letztes Jahr auf dem Thorberg im Bereich Sicherheit fünf Stellen geschaffen. Für das laufende Jahr haben wir weitere insgesamt siebeneinhalb Stellen auf dem Thorberg und in St.Johannsen geschaffen. Wie viele zusätzliche Stellen nötig sind, prüfen wir derzeit. Über diese befindet die Regierung in der Finanzplanung. Die Gesamtkosten kann ich derzeit nicht beziffern. Wir rechnen jedoch pro Stelle mit Kosten von rund 120000 Franken. 85 Prozent der Insassen von St.Johannsen wurden wegen schwerer Sexualdelikte oder wegen Delikten gegen Leib und Leben verurteilt. Ende 2009 galten 18 von 79 Häftlingen als gemeingefährlich. Weist die Justiz die falschen Leute in den offenen Vollzug ein? Ich urteile nicht über die Arbeit der Justiz. Nicht alle Gerichte arbeiten jedoch gleich. Sie sprechen sich für den offenen Strafvollzug aus. Was gewichten Sie höher: die Sicherheit der Bevölkerung oder die persönliche Freiheit der Häftlinge? In dieser Frage gibt es kein Entweder-oder. Mit den heutigen therapeutischen Massnahmen ist die Sicherheit im offenen Vollzug besser gewährleistet. Dieser kann die schädigenden Folgen des Freiheitsentzugs weitgehend vermeiden. Zudem bietet er mit seinen Übungsfeldern die Möglichkeit, die Wiedereingliederung der Eingewiesenen in die Gesellschaft zu fördern. Damit leistet der offene Vollzug einen erheblichen und nachhaltigen Beitrag zur Verhinderung von Rückfällen. Dies ist wichtig, weil irgendwann einmal die Strafe abgesessen ist und die Straftäter wieder in die Freiheit entlassen werden. Interview: Andrea Sommer>

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