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«Ein kleines Wunder fürs Dorf»

Wenn die Stille Nacht zu still wird: Zum ersten Mal überhaupt spannen die Kirchen von Herzogenbuchsee für eine offene Weihnachtsfeier zusammen. «Das reale Alleinsein nimmt zu», sagt Organisatorin Bettina Jahn.

Die Kerzen am Adventskranz brennen, drei sind es schon. Bald ist Heiligabend. Überall hängen Weihnachtsdekorationen an den Fassaden, brennen Girlanden in den Schaufenstern. Vorfreude? Nicht überall. «Weihnachten ist in unserer Gesellschaft ein absolutes Familienfest. Wer keine hat, für den kann die Stille Nacht zu still werden», weiss Bettina Jahn (48), Familienfrau und Psychiaterin aus Herzogenbuchsee. Früher als gewohnt hat sie mit den Vorbereitungen fürs diesjährige Fest begonnen. Grösser und eine Spur echter soll es werden. Mit Gästen aus verschiedenen Schichten und Kulturen. Wie in der biblischen Geschichte, wo Maria und Josef mit Hirten und Königen feiern. Bettina Jahn hilft, die offene Weihnachtsfeier Wunder-Bar zu organisieren, die es in Herzogenbuchsee zum ersten Mal überhaupt gibt. Ein Fest für Einsame und für all jene, die gerne etwas Neues erleben möchten. Alle Kirchen ziehen mit Essen und Trinken sind am 24.Dezember im Sonnensaal gratis, anmelden muss sich niemand. Wer kommt, darf ein Geschenk mit nach Hause nehmen, gespendet von den Organisatoren – von einer Gemeinschaft, die es in dieser Form in Buchsi noch nie gegeben hat: Die Reformierte und die Katholische Kirche, das Evangelische Gemeinschaftswerk (EGW) und der Brüderverein als Freikirche engagieren sich gleichermassen. «Ein kleines Wunder» sei diese Zusammenarbeit fürs Dorf, freut sich Bettina Jahn. Bisher hätten die Kirchen gewisse Berührungsängste gehabt, ergänzt Daniel Freiburghaus, Mitorganisator und Pfarrer beim EGW. «Solche Projekte wurden gar nicht unbedingt gesucht.» Für den 24.Dezember wünscht sich Bettina Jahn «ein «fröhliches Fest in neutralem Rahmen». Missionieren werde niemand, Predigt sei keine geplant. Verschiedene Musikvorträge gibt es zwar, ob auch Weihnachtslieder gesungen werden, lassen die Organisatoren bewusst offen. «Das entscheiden wir aus dem Moment heraus», sagt Bettina Jahn. Alte besonders betroffen An Weihnachten ist Fingerspitzengefühl gefragt. Das mag am Glauben liegen, der in den letzten Jahren «enorm an Boden verloren hat», wie Daniel Freiburghaus (42) sagt. Aber auch an den Veränderungen in der Gesellschaft. Die Scheidungsrate ist hoch, viele Leute leben allein und müssen an Weihnachten ohne Familie auskommen. Ältere Menschen trifft es stärker – aber auch Ausländer, die keinen Bezug zu den christlichen Festen haben. «Das reale Alleinsein nimmt zu, auch in Zeiten von Internetplattformen wie Facebook, wo die Freunde in Hunderterblocks gezählt werden», ist Bettina Jahn überzeugt. Gerade in der Adventszeit bekomme sie als Psychiaterin von vielen Leuten zu hören, sie würden sich isoliert fühlen und spontane Begegnungen vermissen. 100 Menüs geplant Gespannt ist Daniel Freiburghaus, wie viele Leute am 24.Dezember tatsächlich in den Sonnensaal kommen. Dass man sich nicht anmelden müsse, sei «ein gewisses Risiko für die Küche», findet er. 100 Menüs sind geplant, ein Teil davon allerdings für die Helfer. Und an denen mangelt es gewiss nicht: «In kurzer Zeit haben sich sehr viele bei uns gemeldet», freut sich Bettina Jahn. «Unser Fest hat eine gewisse Begeisterung ausgelöst – die spüren wir mittlerweile im ganzen Dorf.» Stefan SchneiderWeihnachtsfeier mit Essen und Barbetrieb (ohne Alkohol): 24.Dezember, 18 Uhr, Sonnensaal.>

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