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Die Traumvilla war ein Luftschloss

In seiner Heimatstadt Burgdorf war Franz Schnyder als alter Mann meist

Schwarz der Rollkragenpullover, schwarz die Hosen, schwarz die Lederjacke, trippelnd und etwas schief der Gang: So lief mir der einsame Mann Mitte der 1980er-Jahre des Öfteren über den Weg, wenn ich durch das Burgdorfer Wohnquartier Gsteig ging. Es waren stumme Begegnungen; stets zogen wir grusslos aneinander vorbei, er in seine wohl düsteren Gedanken versunken, ich rätselnd, um wen es sich bei dieser geheimnisvollen Persönlichkeit wohl handle. Der Mann war, wie ich irgendwann von meinem Grossvater erfuhr, Franz Schnyder, der berühmte Gotthelf-Regisseur in seinen alten Jahren. Er und mein Grossvater waren ehemalige Schulkameraden; wenn sie sich in der Stadt trafen, wechselten sie stets ein paar Worte. Misstrauische Frage «Hans, fütterst du deinen Bäri denn auch richtig?», wollte Schnyder von meinem Grossvater regelmässig wissen, denn der schöne Bauernhund hatte es dem Schöpfer ländlicher Filmszenen offenkundig angetan. Schnyders misstrauisches Nachfragen ärgerte meinen Grossvater allerdings, denn er hing an seinem Hund, und es wäre ihm nie eingefallen, ihn schlecht zu ernähren. Einmal bat Schnyder seinen alten Schulkameraden auf der Strasse spontan um zwei Franken. «Aber Franz, wozu brauchst du denn zwei Franken, du mit deinen Filmmillionen?», wollte der Angepumpte wissen. «Für eine Tafel Schokolade – und Millionen habe ich übrigens keine», erwiderte Schnyder laut dem Bericht meines Grossvaters. Bei anderer Gelegenheit schwärmte er jedoch von den erholsamen Aufenthalten in seiner Villa in Kalifornien. Diese Villa existierte freilich nicht. Ob sich bei Franz Schnyder Demenz anzukündigen begann, ob er sich aus Verbitterung und Einsamkeit in eine Traumwelt zurückgezogen hatte oder ob vielleicht beides der Fall war, blieb unklar. Auf Aussenstehende wirkte er jedenfalls eigenbrötlerisch. Schatz in der Garage Im Gegensatz zur Villa in Kalifornien soll der Schatz, den er laut Berichten aus der Bevölkerung in der Garage seines Hauses auf dem Gsteig hütete, real gewesen sein: Er besass angeblich einen Bugatti, ein Auto der Nobelspitzenklasse. Damit herumfahren sah man ihn aber nie. Wer weiss – vielleicht war dieser Wagen ebenfalls nur ein Fantasieprodukt, ein Teil der Legende, die sich um den Regisseur der Ueli-Filme bereits zu Lebzeiten gebildet hatte.Hans Herrmann>

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