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Die Dragoner lassen sich nicht unterkriegen

ThunDurch die Abschaffung der Einheit 1972 wurden Unmut und Trotz erregt. Darum schwelgen die Dragoner noch immer in ihren Erinnerungen. Der Regimentskommandant Adolf Meier hat sich bis zuletzt gewehrt und ein Buch geschrieben. Auch Robert Weil war dabei – mit 98 Jahren.

1972 wurde die Militäreinheit abgeschafft. Trotzdem treffen sich die ehemaligen Dragoner der Schwadron neun mit Angehörigen von Belp bis ins Oberland noch jedes zweite Jahr in Thun und schwelgen in Erinnerungen. Von den 1200 Mitgliedern 1995 sind noch 403 übrig. Auch heuer mussten die 205 anwesenden Neunerdragoner von 32 verstorbenen Kameraden Abschied nehmen. Sie pflegen die Kameradschaft und Gottvertrauen, Zusammenhalt in der Familie und untereinander. «Ihr habt eine innere Heimat», so Pfarrer Hansruedi Spichiger aus Bern, der am Treffen in der Alten Reithalle in Thun sprach. Obmann Peter Siegenthaler bedauerte, dass Wehrwille und Widerstand in Vergessenheit gerieten. Die Feier wurde von vier Claironbläsern, Ernst Ryser (Trompete) und den Horejodlern vom Diemtigtal umrahmt. Robert Weil war mit Jahrgang 1913 der älteste anwesende Teilnehmer. Der 98-Jährige gab zu, dass er jetzt nur noch zu Fuss und nicht mehr zu Ross wandere. Und er kramte in Erinnerungen: «Ja, ich musste einmal in die Kiste.» Der Leutnant habe gesagt, dass ein Auto praktisch wäre, weil die Einheit so abgelegen stationiert war. Weil liess durch einen Bekannten seinen Wagen bringen. Und dieses «Vergehen» oder andere Bagatellen waren Gründe, die Leute einzusperren. «Einmal waren 60 Leute im Knast», erinnerte er sich an die harten Sitten. Das letzte Defilee Adolf Meier, der 85-jährige Kommandant des Dragonerregiments 1, hatte den Kampf gegen die Abschaffung der Einheit bis zuletzt geführt und nun darüber ein Buch mit dem Titel «Das letzte Defilee» geschrieben. «Die Einheit war wohl die Gattung mit dem markantesten Truppengeist der schweizerischen Armee», steht im Buch. 1972 hatte das Parlament die Auflösung der Kavallerie und die Umschulung auf Schützenpanzer beschlossen. Es traf die Einheit nicht nur am militärischen Lebensnerv, sondern viele Bauernsöhne, die als Dragoner dienten, fühlten sich verraten und im Stich gelassen. Im November 1973 fand in Avenches ein Abschiedsdefilee statt, einen Monat später marschierte das Regiment 1 zu einer Feier in eine Waldlichtung bei Bure zum letzten Rapport und beendete den Tag mit dem Ruf «Es lebe die Kavallerie». Rösi Reichen>

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