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Der Einsatz stösst manchmal an Grenzen

StechelbergDer Vorstand muss selber operativ arbeiten, um die Selbstständigkeit des Tourismusvereins zu erhalten. Doch sein Einsatz zum Wohl der Gäste, Bewohner, Dienstleister und der Wanderwege stösst an Grenzen.

«Stechelberg Tourismus (ST) mit seinen 45 Mitgliedern funktioniert nur, weil der sechsköpfige Vorstand alle operativen Aufgaben und Arbeiten selber wahrnimmt», erklärt Karl Guntern. Dies führe zu grossen Belastungen, und manchmal stosse der Vorstand an seine Grenzen, bekennt der neue Präsident im Jahresbericht 2010, dem erstmals zehnseitigen Dokument mit Bildern und Grafiken. Guntern gibt zu bedenken, dass nebst dem Tagesgeschäft Innovationen gefragt seien und die Motivation von kleinen Erfolgen lebe. Mehr als eine 20-Prozent-Stelle für eine eigentliche Tourismusleitung könnte sich ST nicht leisten. Die anfallenden Arbeiten überstiegen aber eine solche Teilzeitstelle. Der tiefe Kurtaxenansatz binde dem Vorstand die Hände. Für Investitionen müsste er die Reserven angreifen. Erhöhung der Kurtaxe? «Mittelfristig fassen wir eine Kurtaxenerhöhung ins Auge», schreibt Karl Guntern im Kommentar zur Rechnung 2010 mit einem Ertrag von 50800 und einem Verlust von rund 5000 Franken. Es sei das Ziel von ST, die Gasthäuser und verbliebenen Ferienwohnungen möglichst gut auszulasten. ST betreibt bei der einstigen Post das weltweit wohl kleinste Tourismusbüro – eine ehemalige Telefonkabine mit Prospekten, Schaukasten und Anschlagbrett. «Wir sind nach wie vor überzeugt, dass ein eigenständiger Verein im Stechelberg die Bedürfnisse unserer Gäste und Dienstleister am effektivsten wahrnimmt», betont Karl Guntern. Für den Leiter Energie in der EWL Genossenschaft Lauterbrunnen ist Tourismus Chefsache. Entsprechend setzt er sich mit Leib und Seele für ST ein – und bezeichnet sich als Exot: «Das macht mich neutral.» Der Vorstand werde mit allen Mitteln versuchen, den Verein zu erhalten, unterstreicht Karl Guntern. ST schätze es, ohne grossen Aufwand bei der Jungfrau Region Marketing AG «mitfahren» zu dürfen. «Wir bekommen alle Leistungen, die wir möchten», lobt der Präsident. Dass «Stechelberg-Trümmelbachfälle» nicht als separate Marke vermarktet wird, sei kein Nachteil. «Die Trümmelbachfälle sind zwar einer unserer wichtigsten Leistungsträger und der eigentliche Bekanntmacher auf unserem Logo», sagt Karl Guntern. Doch strategisch sei ST Lauterbrunnen Tourismus (LT) angehängt – zu einem vereinbarten Entgelt. Das LT-Informationsbüro sei Anlaufstelle auch für ST, wenn in Stechelberg kein Vorstandsmitglied zur Verfügung stehe. Wichtige Webcam «Wir legen sehr viel Wert auf unsere Website. Es ist unser Ziel, umfassende Informationen in einem attraktiven Design zu bieten», schwärmt Guntern vom wichtigen Infoinstrument für ST und Gäste. ST investiere Geld und Arbeit in die neue Website «Stechelberg-Trümmelbachfälle, Pforte zum urwüchsigen Hinteren Lauterbrunnental» und in den Nachdruck des so wichtigen Themenwegprospektes. ST sei zudem bei Facebook und versuche damit auch die Jüngeren zu erreichen. Rund 5000-mal im Monat wird die ST-Webcam kontaktiert. Die talauswärts gerichtete Kamera in der Matte wird ab September Livebilder taleinwärts zeigen – vom neuen Standort Sandbach aus. Das wird auch jenen Benutzer aus den USA freuen, der ST ein spezielles Kränzchen windet: «Das Leben ist nicht mehr lebenswert, wenn die Stechelberger Webcam nicht geht.» Mailanfragen und Telefonanrufe kommen in der Regel zum Präsidenten. Er öffnet am Morgen zuerst und am Abend zuletzt die Mailbox und beantwortet täglich etliche Mails: «Das macht in der Regel Spass.» ST habe die Finanzkrise nicht zu spüren bekommen. Im Gegenteil: In Stechelberg seien sogar mehr Logiernächte generiert worden, weiss Karl Guntern. Doch jetzt, mit dem starken Franken und dem schwachen Euro, werde der Umgang allgemein schwieriger: «Es wird um jeden Fünfer gefeilscht. Die Leute sind oftmals aggressiv, und sie verhandeln und ‹stürmen›.» «Unser ganzer Stolz sind die bestens gepflegten und unterhaltenen Wanderwege und Brücken», rühmt Karl Guntern. Viele positive Reaktionen seitens der Gäste bewiesen, dass die hervorragende Arbeit der Wegmeister Ruedi Janzi und Fritz Gertsch wahrgenommen werde. Seit 2010 seien erstmals beide Wegmeister bei der Gemeinde Lauterbrunnen angestellt. Arbeiten sie für ST, werde zum ausgehandelten Regietarif abgerechnet. ST setzte sich auch für zugängliche Wälder und gepflegte Alpweiden ein. Karl Guntern begründet, warum ST (erfolglos) Einsprache gegen das Vorhaben «Waldtotalreservat Hinteres Lauterbrunnental» erhob: «Wir erachteten dies als nötig, weil grundlegende Interessen von ST tangiert würden.» Dem Wanderer werde wohl am besten in Stechelberg bewusst, dass er ins Unesco-Welterbe Jungfrau-Aletsch eintrete, glaubt Karl Guntern. Im Winter sieht er seinen Ort als günstigen Ausgangspunkt für kleine Ferienbudgets. Ferdinand Waespe >

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