Zum Hauptinhalt springen

Blick in Grimmensteins Vergangenheit

WynigenDie Burg Grimmenstein ist nur noch dem Namen nach bekannt; zu sehen gibt es von ihr praktisch nichts mehr. Der Archäologische Dienst des Kantons Bern bewahrt in seinem Depot jedoch gegen 4000 Fundgegenstände von dieser Burg auf. Ein kleiner Teil davon ist derzeit in Wynigen ausgestellt.

Auf dem steilen Sandsteinsporn ob dem Weiler Büel zwei Kilometer östlich von Wynigen ist es still und sehr einsam. Kaum zu glauben, dass auf diesem abgelegenen Plateau einst eine Burg gestanden haben soll. Wer die Umgebung aufmerksam betrachtet, entdeckt jedoch tatsächlich die Überreste einer ehemaligen Befestigungsanlage: einen Erdwall, einen Graben und ein kleines Stück Mauerwerk aus Tuff und Sandstein. Mehr ist von der Burg nicht übrig geblieben – bis auf den stolzen Namen Grimmenstein und diverse archäologische Fundgegenstände. Eine Handvoll davon ist derzeit hinter einer Vitrine im Kundenbereich der Spar- und Leihkasse zu sehen. Dabei handelt es sich um eine Premiere: Gemäss einer Medienmitteilung präsentiert der Archäologische Dienst des Kantons Bern erstmals Informationen und Funde aus dem Alltagsleben der Leute, die im Mittelalter die Burg Grimmenstein bewohnten. Schiessen, spinnen, reiten Ausgestellt sind zwei Armbrustbolzen, drei Schlüssel, ein Reitersporn, das Fragment eines Messergriffs aus Horn, eine formschöne Öllampenschale, zwei Maultrommeln, zwei Messerklingen und mehrere Spinnwirtel. Letztere sind kleine Tonkugeln mit einem Loch, die als Schwungmasse an die Handspindeln gesteckt wurden. Aus dem Fundgut von Grimmenstein lässt sich ablesen, dass die Armbrust wohl die Hauptwaffe zur Jagd und Burgverteidigung war, dass von den Frauen fleissig gesponnen wurde, dass Licht im Winter Mangelware gewesen sein muss – mit Talglämpchen lässt sich ein Gebäude nur spärlich beleuchten – und dass man sich die freie Zeit unter anderem mit dem Musizieren auf der Maultrommel vertrieb. In der Vitrine der kleinen Ausstellung in Wynigen informiert der Archäologische Dienst auch schriftlich über die Burg und die einstigen Herrschaftsverhältnisse. Die Burg wurde mutmasslich nach 1250 erbaut und irgendwann nach 1380 aufgegeben. Sie gehörte ursprünglich den Herren von Grimmenstein, die als Dienstadlige den Grafen von Kyburg unterstellt waren und in deren Auftrag über die Herrschaft Wynigen regierten. 1383 wurde die Burg von Bern belagert, aber nicht gestürmt; der damalige Besitzer Petermann von Rohrmoos übergab sie freiwillig. 1497 ging die Herrschaft Wynigen definitiv an Bern über. Die verlassene Burg diente fortan als Steinbruch, denn die behauenen Quader kamen den Landleuten beim Bau von neuen Häusern sehr gelegen. Übrig blieb nur die Burgstelle, und übrig blieben die Wallanlagen aus Erde. Lebendig blieb auch die Erinnerung an die Burg und das einstige Regiment der Herren von Grimmenstein. Verbotene Grabungen Ob bei der Ruine wohl noch alte Gegenstände unter der Erde lagen? 1966 wollte es ein Lehrer wissen und grub mit seiner Klasse ohne Bewilligung nach. In den Jahren 1986 und 1987 erfolgten abermals illegale Grabungen. Letztlich gelangte das Fundgut aber dennoch in die Obhut des Kantons Bern. 1991 liess er eine Nachgrabung durchführen, um sicherzustellen, dass die Gegenstände auch wirklich von Grimmenstein stammen. Umfassend ausgewertet sind die Funde noch nicht, und auch eine Publikation in Buchform steht noch aus. Dafür können die Wynigerinnen und Wyniger in der Spar- und Leihkasse noch bis Ende Sommer einen kleinen Blick auf ihr historisches Erbe werfen – im Nachgang zur 825-Jahr-Feier der Gemeinde im vergangenen Jahr.Hans HerrmannAusstellung: Spar- und Leihkasse Wynigen, Dorfstrasse 3, bis 31.August, Mo bis Fr 8 bis 12 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr, Do bis 18.45 Uhr.>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch