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Senioren auf Werbefahrt verschaukelt

werbefahrtNach einer dreitägigen strapaziösen Verkaufsreise liess eine deutsche Firma 50 Senioren um Mitternacht in Bern wörtlich im Regen stehen. «Unmenschlich», sagt Teilnehmer Hans Meier aus Seftigen.

Es war eine halbe Stunde nach Mitternacht, als die 50 Seniorinnen und Senioren auf der Berner Schützenmatte in der Nacht auf Sonntag erschöpft aus dem Car stiegen. Die letzten Züge und Trams waren für die meisten schon abgefahren. Die im Schnitt 80-Jährigen mussten Familienangehörige aus dem Bett klingeln oder ein Taxi nach Hause nehmen. Zu den Gestrandeten gehört Hans Meier (65) aus Seftigen (Bild). «Diese Verspätung setzte der Werbefahrt der Reisefirma WTI noch die Krone auf», ärgert sich Meier. Der Rentner ist selber ein Verkaufsprofi: Er brachte früher Versicherungen an den Mann und die Frau und kennt die entsprechenden Methoden gut. Hans Meier sprang für eine Bekannte ein, die die Reise in den Bayrischen Wald für nur 70 Franken gebucht hatte. Tatsächlich zahlte Meier am Schluss alles in allem 200 Franken. Doch das ist nicht der Hauptpunkt, den er anprangert. Nach der 600 Kilometer langen Hinreise sollte die Gruppe in Sankt Englmar im Bayrischen Wald übernachten. Doch statt dort zu halten, fuhr der Car am Hotel vorbei und ins 60 Kilometer entfernte Langfurth. Im dortigen Restaurant Ranzinger mussten die Senioren die Reisekosten abliefern. Tagwacht um 6 Uhr Einzig der Freitag sei vom Programm her in Ordnung gewesen. Es gab es eine kleine Rundreise mit Besichtigung einer Glasbläserei und einer Destillerie. Dass dort Artikel verkauft wurden, findet Ex-Verkäufer Meier selbstverständlich. Doch der Samstag verschlägt ihm die Sprache: «Was dort geboten wurde, kann ich nur als unmenschlich bezeichnen.» Bereits um 6 Uhr wurden die Gäste aus den Federn geholt. Nach dem Frühstück wurden sie erneut ins Restaurant Ranzinger verfrachtet – und dort sechs Stunden ohne Pause und Essen bearbeitet. Drei Firmenvertreter haben die Leute «mit den übelsten Psycho-Verkaufstricks weichgekocht», sagt Hans Meier. Die Senioren sollten Anzahlungen leisten für neue Reisen. Dafür wurden ihnen Werbegeschenke in Aussicht gestellt, so eine Vitaminnahrungsergänzung mit einem angeblichen Wert von 6400 Euro. Wer nichts buchte, bekam keine Geschenke. Mittagessen um 14 Uhr Hans Meier hat selber nichts gekauft. «Ich dachte, bei den Bernern sei ein Handschlag etwas wert», soll ein Verkäufer die Gruppe gerüffelt haben. Um 14 Uhr wurde endlich das Mittagessen serviert, dann folgte die verspätete achtstündige Heimfahrt. Hans Meier hat die Reise dokumentiert und sich gestern an diese Zeitung gewandt. «Man muss die Senioren vor solch respektlosen Leuten warnen», begründet er. Von der Firma WTI war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Katharina Merkle>

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