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Leben einer Eier-Guillotine

Heinerika

Kennen Sie das? Sie werden von einer shopping-süchtigen Person gekauft, hübsch verpackt verschenkt und warten dann auf bessere Zeiten. Am liebsten in einer dunklen Ecke verborgen, lieblos hingeworfen und ebenso schnell vergessen wie ausgepackt. So ähnlich erging es mir, dem Scharfrichter der Dreiminuten-Eier-Garde. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Kolumne des TT-Redaktors Michael Gurtner, der kurz nach Ostern über «Käfigeier und anderen Unsinn» schrieb. Mit «Unsinn» meinte der Herr Redaktor eindeutig mich: Der Eierschalensollbruchstellenverursacher - «die innovative Lösung für all Ihre Frühstückseierprobleme». Da war ich bereits verschenkt; der kurze Ruhm eines «Seite-25-Objekts» half mir nicht weiter. Meine Kollegen wurden für satte 39.95 Franken in einem Versandhauskatalog angeboten; ich selber war für schlappe 19.90 in einem Thuner Warenhaus zu erstehen. Mit fiesem Lächeln ergriff mich die Dame, las die Bedienungsanleitung und brachte mich zur Kasse. Mein Einsatz an Ostern dauerte nur kurz: Der Beschenkte freute sich über das Designerstück, das künftig auch seinen Frühstückstisch krönen sollte. Nur der Einsatz als Guillotinen-Scharfrichter der Dreiminuten-Eier blieb mir verwehrt. Irgendwann hatten meine Besitzer Mitleid; demonstrativ wurde ich auf den Tisch gestellt, um meines Amtes zu walten. Aber da hatte ich mit meiner Bestimmung zum Eier-Henker bereits abgeschlossen und mich schöngeistigeren Dingen zugewandt. Ich brauche nicht zu betonen, dass mir nach jahrelanger Tüftelei klar war, wie ich meinen Dienst verdachtsfrei quittieren konnte, um in meine ruhige Ecke in der hellen Küche zurück zu gelangen. Leidtragende waren die vier Eier, die auf unschöne Art dran glauben mussten. Beim ersten Dreiminuten-Ei zerbrach weit mehr als nur die Sollbruchstelle unterhalb des Eierkopfs. Gut, das Tischtuch reagierte ebenfalls gereizt auf meine Guillotine-Handhabung. Die Eier Nummer zwei bis vier verfluchten mich, weil sie ausser einer angeritzten Schramme nichts abbekamen und in herkömmlicher Art und Weise mit dem Messer in die dunklen Schlünde befördert wurden. Meine Besitzer wiederum verpassten ihrem Scharfrichter die wenig preisverdächtige Note: «Warentest: ungenügend». h.eggermann@bom.ch>

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