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Ein Grundeinkommen für alle: Lösung oder Utopie?

Was wäre, wenn jeder Mensch ungeachtet seiner Arbeitsleistung ein Grundeinkommen erhielte? Vertreter dieser Idee und Interessierte diskutierten in Thun über Chancen, Risiken und Umsetzungsmöglichkeiten dieser Vision.

Während am WEF in Davos derzeit darüber diskutiert wird, wie das heutige Wirtschaftssystem weiter zu optimieren ist, wurde am Donnerstagabend in Thun eine radikal andere, noch weitgehend unbekannte Wirtschaftsvision vorgestellt. Anlässlich der Vortragsreihe «Geld und Geist» der evangelisch-reformierten Kirche Thun trafen sich im Kirchgemeindehaus an der Frutigenstrasse rund 100 Interessierte, um den Film «Grundeinkommen» zu sehen. Die Idee hinter einem minimalen Basiseinkommen ist, dass jeder Mensch regelmässig einen bestimmten Geldbetrag erhält, unabhängig davon, was er leistet und ob er arbeitet oder nicht. Materielle Basis sichern «Die meisten Leute finden diesen Gedanken zunächst absurd und utopisch», erklärte Enno Schmidt, Künstler und einer von vier aus Basel angereisten Initianten dieser Aktion. Es sei ein kultureller Impuls, die Idee müsse wie eine Pflanze langsam wachsen. Im Film äusserten sich unter anderem Soziologen, Wirtschaftsprofessoren und sogar der Chefökonom der UBS positiv zur Idee. Kritische Stimmen gab es dagegen nur wenige. «So wie die direkte Demokratie einem Volk Selbstbestimmung schenkt, würde das Grundeinkommen jedermann die materielle Basis zur Selbstbestimmung gewähren», sagte Schmidt. Leute arbeiten trotzdem Gemäss einer Umfrage würden – entgegen allen Vermutungen – 90 Prozent der Befragten trotz des Grundeinkommens weiterhin voll oder nur leicht eingeschränkt arbeiten gehen. «Ansonsten wäre es mir ja doch nur langweilig», meinte etwa eine Migros-Kassiererin im Film. 80 Prozent der Befragten dachten aber fälschlicherweise, dass ihre Mitmenschen nur noch auf der faulen Haut liegen würden. «Viele stören sich an der Bedingungslosigkeit, Geld zu erhalten», erläuterte Schmidt. «Dennoch handelt es nicht um eine ‹Faulheitsprämie›. Es wäre lediglich die Voraussetzung für die künftige Leistungsgesellschaft.» Die neu gewonnene Freiheit ermögliche es Menschen, bewusster durchs Leben zu gehen und mehr Zeit für Familie oder Angehörige einzusetzen. Ohne Leistungs- und Zeitdruck würde zudem Innovation jeglicher Art gefördert. Neue Finanzierungsform Auch in Sachen Finanzierung des Grundeinkommens schlugen die Initianten neue Wege vor: AHV, Kinderzulagen, Stipendien und weitere Ausgaben des Staates würden wegfallen. «In der Schweiz macht dies rund 50 Milliarden Franken aus», rechnete Unternehmer und Initiant Daniel Häni vor. Im Gegenzug erhielte jeder Schweizer 2000 bis 2500 Franken pro Monat, für Kinder könnten je 500 plus 100 Franken pro Altersjahr gelten. Zusätzliches Geld könnte durch zusätzliches Arbeiten eingenommen werden. «Die Wirtschaft rationalisiert immer mehr Arbeitsplätze weg, braucht jedoch gleichzeitig zahlende Konsumenten, die die Produkte kaufen», sagt Enno Schmidt. Diese Logik könne auf Dauer nicht aufgehen. Schweiz als Vorreiter? Die meisten Teilnehmenden der anschliessenden Diskussion gewannen der Idee, das Grundeinkommen als Bürgerrecht einzuführen, viel Positives ab. «Wer mehr Geld und mehr Luxus will, kann immer noch mehr arbeiten gehen», meinte einer der Anwesenden, der das Grundeinkommen als «Vertrauensvorschuss» bezeichnete. Ein anderer Mann nannte den Abbau von sozialen Spannungen dank mehr Gerechtigkeit als Vorteil. Es wurde zudem vorgeschlagen, dass gerade die Schweiz mit einem Ja zu einer allfälligen Volksinitiative eine Vorreiterrolle übernehmen könne. So weit fortgeschritten ist das Komitee aus Basel indes noch nicht. Zum Schluss meinte Initiant Daniel Häni: «Natürlich kann das Grundeinkommen nicht alle Probleme allein lösen, aber es würde alle Menschen von ökonomischen Existenzängsten befreien.»Gabriel Berger Der Film «Grundeinkommen» kann auf der Homepage www.initiative-grundeinkommen.ch kostenlos heruntergeladen werden. Nächste Termine der Veranstaltungsreihe «Geld und Geist»: 4.Februar, 19.30 Uhr, Markuskirche Thun: Nach dem Kapitalismus – Geld und Geist in integraler Sicht (mit Prof. Gil Ducommun). 11.Februar, 19.30 Uhr, Markuskirche Thun: Spirituelle Impulse für ein neues Wirtschaften (mit Dr. phil. Anna Gamma). >

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