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Der Vorhang fällt: Ende einer kulturellen Ära

dachbühne klösterli oberhofenNach 28 Jahren wird am 22. März der letzte Vorhang für die Dachbühne Klösterli

Viele Kulturliebhaber schluckten leer, als sie dieser Tage den Briefkasten öffneten und darin das Schreiben des Ehepaars Annemarie und Rudolf Mattenberger-Krebs vorfanden: «Nach fast 30 Jahren farbiger, vielseitiger und spannender Zeit möchten wir uns von Ihnen allen am Ende der 28. Dachbühne-Saison kulturell verabschieden», heisst es da. Konkret bedeutet dies: Die Produktionen der Dachbühne Klösterli Oberhofen enden am 22. März mit dem Kabarett schön&gut nach 28-jähriger Erfolgsgeschichte, die in ihrem Bereich in Thun und Umgebung ihresgleichen sucht. Der Betrieb war engagiert «Es ist uns nicht leicht gefallen», gesteht Rudolf Mattenberger-Krebs, und seine Frau Annemarie ergänzt: «Aber die Nachfolgeregelung der Fritz Krebs & Co. AG brachte es mit sich, dass wir uns auch mit der Zukunft der Dachbühne Klösterli auseinandersetzen mussten.» Nun ist der Entscheid definitiv, denn die Bären Haustechnik AG, die das 129-jährige Oberhofner Traditionsunternehmen übernommen hat, steht als Hauptsponsor nicht mehr zur Verfügung. «Man darf das nicht unterschätzen», sagt Rudolf Mattenberger-Krebs, «zu Zeiten meiner Geschäftsführung haben wir das ganze Büro und die Belegschaft der Fritz Krebs AG für das kulturelle Engagement eingespannt». Dass vier Arbeiter – freiwillig notabene – an den Thuner Gauklerfestivals non stopp mit Bühnenauf-, Um- und Abbau beschäftigt waren, oder Mitarbeiter voller Elan im Klösterli halfen, bedeutete auch, dass ihr Arbeitgeber die Kosten trug. «Das fing beim Bestuhlen des Saals oder der Plätze an und hörte beim Plakatieren für die Anlässe auf», sagt Mattenberger-Krebs. Das letzte Gauklerfestival Das Ende der Dachbühne Klösterli Oberhofen bedeutet auch das Aus für das beliebte Gauklerfestival in Thun, das alljährlich im Mai stattfindet, und für das traditionelle Gospelkonzert am 1. Advent in der Kirche Hilterfingen. Ein Zückerchen gibts allerdings: «Das diesjährige Gauklerfestival vom 20. bis und mit 22. Mai findet sicher statt», verrät Rudolf Mattenberger-Krebs. Danach aber ist Schluss. «Natürlich fällt uns dieser Abschied nicht leicht. Aber die Produktionen der Dachbühne Klösterli sind so gross geworden, dass sie sehr viel Herzblut, Engagement und eben auch Administration und intensive Künstlerbetreuung mit sich bringen», weist Annemarie Mattenberger-Krebs auf die Schwierigkeiten für Nachfolger – die leider nicht gefunden wurden – hin. «Wir waren die ersten auf Platz und die letzten, die den Ort des Geschehens verliessen», ergänzt Rudolf Mattenberger-Krebs und stimmt seiner Frau zu: «Unser Hobby war zeit- und kostenintensiv. Aber wir wurden mit der Herzlichkeit und zig Freundschaften von Künstlern und treuen Stammgästen belohnt.» Letztere stammten längst nicht nur aus der näheren Region, sondern aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland. Denn hin und wieder entdeckten Feriengäste das Programm der Dachbühne Klösterli, buchten weitere Anlässe und nächtigten in hiesigen Hotels. Verlust einer Marke Für sie alle heisst es nun Abschied nehmen – auch für die Gemeinde, die das Ehepaar Mattenberger-Krebs im September 2009 mit dem Oberhofner Kulturpreis geehrt hatte. Die Worte des damaligen Gemeindepräsidenten Manfred Ammann klingen vielen noch nach: «Ich hoffe, dass dieser Preis auch ein Motivationsschub darstellt, um den 27 Jahren noch viele weitere folgen zu lassen.» Dass es nur noch zwei Saisons geben würde, ahnte damals wohl niemand. Für die Gemeinde und die Kirchgemeinde, der das Klösterli gehört, bedeutet das Ende der Dachbühne Klösterli-Produktionen auch den Verlust einer Marke, die nur mit vergleichsweise wenigen Steuerfranken von Annemarie und Rudolf Mattenberger-Krebs gezielt gefördert worden war. Für das Ehepaar Mattenberger-Krebs bricht damit nach dem Rückzug aus der aktiven Unternehmerwelt auch kulturell eine neue Zeit an. «Wir werden diverse Opernproduktionen in Verona, Avenches und Bregenz besuchen», verrät Annemarie Mattenberger-Krebs. Und ihr Gatte ergänzt: «Und all die vielen Kleintheater und Gauklerfestivals im In- und Ausland, mit deren Betreibern uns jahrzehntelange Freundschaften verbinden, ganz ohne Verpflichtung besuchen. Nun dürfen wir die Kleinkunst einfach geniessen.» HeinerikaEggermann Dummermuth>

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