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Ausflugtipp in der RegionRamseiers wei ga moste

In Sursee zeigt der Getränkehersteller Ramseier, wie Mostobst den Weg in die Flasche findet. Ein informativ-interaktiver Ausflug, bei dem das Wichtigste gefehlt hat.

Am 10. Juni eröffnete Ramseier seine Erlebniswelt. Mittelpunkt ist ein Kinoraum und dieser gigantische Apfel.
Am 10. Juni eröffnete Ramseier seine Erlebniswelt. Mittelpunkt ist ein Kinoraum und dieser gigantische Apfel.
Fotos: Claudia Salzmann

Gegacker, Bienensummen und Hundegebell begrüssen uns in der neuen Erlebniswelt des Getränkeproduzenten Ramseier. Wüssten wir es nicht besser, wähnten wir uns in einer neuen Ausstellung des Kommunikationsmuseums in Bern. Mitten im 900 Quadratmeter grossen Raum steht ein gigantischer Apfel. Daran kleben Fotos von noch mehr Äpfeln. Die Bilder lassen sich aufklappen, und wir entdecken einige der 31 Sorten, die zum Ramseier-Apfelsaft gepresst werden. Vergeblich suchen wir bekannte Sorten wie Gala, finden aber allerhand Unbekannte: Tobiässler, Remo oder Heimenhofer.

Zwar reisen wir heute nach Sursee in Kanton Luzern, aber hat die Firma Ramseier im emmentalischen Ramsei ihre Wurzeln. Im Jahr 1910 wurde die Mosterei gegründet. 1977 schloss sich Ramsei mit den Mostereien Kiesen, Münsingen und Herzogenbuchsee zusammen. 2017 wurde mit dem Betrieb in Kiesen die letzte grosse Mostereianlage im Kanton Bern geschlossen. Seit 2005 gehört Ramseier Suisse zum Schweizer Agrarkonzern Fenaco und produziert auch Elmer Citro und Sinalco.

Zurück in der Ausstellung: 1912 kannte man den Begriff Apfelsaft noch nicht, und so nannte man das Getränk unvergorener Apfelwein. In einer Ecke der Ausstellung wird die Firmengeschichte als übersichtlicher Zeitstrahl nacherzählt, ausgestellt wird auch die Palette an verschiedenen Säften, die Ramseier je produziert hat.

Wie früher gemostet wurde und wie Ramseiers Etiketten in den Anfängen aussahen, wird in einem abgetrennten Raum gezeigt.
Wie früher gemostet wurde und wie Ramseiers Etiketten in den Anfängen aussahen, wird in einem abgetrennten Raum gezeigt.

Eine Zeitreise macht man auch wegen der Relikte, mit denen damals von Hand produziert wurde. Bei einigen darf man auch Hand anlegen, quietschend setzt sich die Presse in Bewegung. Für Kurzweile sorgen auch Kinderspiele und «fun facts»-Tafeln: Beispielsweise, dass in einem Liter Apfelsaft 1,3 Kilogramm Äpfel verarbeitet sind.

Wie im Lehrbuch wird gezeigt, wie Blüten bestäubt werden, Äpfel wachsen und warum aus einem Apfelkern nicht ein genau gleicher Apfelbaum wachsen wird. Bei der Innovationsecke ist dann augenfällig, dass es doch keine neutrale Ausstellung ist, sondern werden Prozesse der Firma erklärt, die für jüngere Besucher etwas abstrakt sind.

Mit kurzen Texten und Filmen wird der Kreislauf des Apfels aufgezeigt.
Mit kurzen Texten und Filmen wird der Kreislauf des Apfels aufgezeigt.

Auch die Produktion ist ein Teil der Ausstellung, so sieht man, wie der Apfel angeliefert, gepresst und abgefüllt wird. Diese kurzen Filme kann man selber abspielen. In der Mitte der Ausstellung ist ein abgeschlossener Raum, in dem man den Produktionsprozess als gezeichneten Prozess anschauen kann. Die Akustik dort drin ist beeindruckend, der Film gipfelt mit der Werbemelodie von «Ramseiers gö ga grase».

Nach dem Erinnerungsfoto, bei dem wir uns auf eine Bank zwischen Apfelbäumen setzen, bellt ein Hündchen aus den Boxen, als würde er uns auf den Leiterwagen aufmerksam machen wollen. Mit kleinen Pappbechern darf man die verschiedenen Getränke degustieren. Jeweils ein Schluck Apfelsaft, Apfelmost, Apfelschorle, Apfeleistee und Apfelwein stillen unsere Lust auf Äpfel ein wenig. Aber eines vermissen wir sehnlichst: den Apfel. In den Harassen gibt es nur welche aus Plastik. Zum Glück hat ein Gala am Morgen den Weg in die Tasche gefunden, und noch bevor wir zurück am Bahnhof sind, beissen wir genüsslich hinein. Herrlich!

Der Degustationsleiterwagen hilft gegen Durst und Apfelgelüste.
Der Degustationsleiterwagen hilft gegen Durst und Apfelgelüste.