Putzfrau angestellt: Müssen wir mit Sanktionen rechnen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zur Sozialversicherung von Reinigungskräften.

Wer ist verantwortlich, wenn eine Reinigungskraft dem Sozialamt Jobs verschweigt? Foto: iStockphoto

Wer ist verantwortlich, wenn eine Reinigungskraft dem Sozialamt Jobs verschweigt? Foto: iStockphoto

Andrea Fischer@tagesanzeiger

Unsere Putzfrau ist Ausländerin und für mehrere Monate in ihr Heimatland verreist. Sie hat uns eine Kollegin als Ersatz angegeben. Das hat uns die Suche nach einer Zwischenlösung erspart. Wir haben die Personalien und alle nötigen Angaben über die Ersatzputzfrau an die Agentur gemeldet, die für uns die Administration erledigt. Diese sorgt auch für die Lohnzahlung und rechnet die Sozialversicherungsbeiträge direkt mit den Behörden ab. Nachträglich haben wir erfahren, dass die Ersatzputzfrau offenbar Sozialhilfe bezieht, aber dem Sozialamt ihre diversen Jobs verschwiegen hat. Nun ist es ausgekommen und hat Konsequenzen für sie; daher ist sie nicht gut auf uns zu sprechen. Müssen wir selber auch mit Sanktionen rechnen, weil wir die Frau gar nicht hätten anstellen dürfen?

Nein, Sie haben sich nichts vorzuwerfen. Sie haben Ihre Meldepflicht erfüllt und dafür gesorgt, dass die geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge entrichtet werden.

Woher hätten Sie wissen sollen, dass die Putzfrau Sozialhilfe bezieht, wenn nicht von ihr selbst? Und selbst wenn Sie es gewusst hätten, wäre dies kein Grund gewesen, die Frau nicht anzustellen. Im Gegenteil: Es ist ein grundsätzliches Ziel, Sozialhilfebezügerinnen und -bezüger möglichst schnell aus der Bedürftigkeit herauszubringen. Umso besser also, wenn eine Sozialhilfe beziehende Person etwas verdient. Dadurch entlastet sie die öffentliche Hand.

Selbstverständlich müssen Sozialhilfebeziehende der Sozialbehörde jegliche Einkünfte melden, egal woher diese Einkünfte stammen. Für die Meldung sind die unterstützten Personen aber selber verantwortlich. Die Kontrolle, ob das auch geschieht, obliegt den Behörden. Es ist jedoch nicht Aufgabe der Arbeitgebenden, ihren Angestellten hinterherzuspionieren, um herauszufinden, ob diese in irgendeiner Weise den Staat hintergehen.


Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch

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