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Openair-Konzerte in SteffisburgPraller Sound gegen Virus und Wetter

Die erste Etappe der Swiss Mountain Roadshow endete am Sonntag in trauter Runde. Rund vierzig treue Fans liessen sich vom Regen nicht einschüchtern und genossen Livemusik der Spitzenklasse wie bei einer Privatvorstellung.

Baba Shrimps bei ihrem Auftritt an der Swiss Mountain Roadshow in Steffisburg.
Baba Shrimps bei ihrem Auftritt an der Swiss Mountain Roadshow in Steffisburg.
PD/Steve Wenger

Sengende Hitze oder prasselnder Regen sind nicht unbedingt die besten Freunde eines Openair-Musikfestivals. Beide Wetterphänomene musste die Swiss Mountain Roadshow am 30. und 31. Juli sowie am 2. August auf der Schulanlage Schönau in Steffisburg über sich ergehen lassen. Trotzdem erwies sich die Show als wahrer Lichtblick in einer Zeit, in der das Cornonavirus Musikerinnen und Musiker sowie Veranstalter gängelt und beutelt.

Den Anfang machte am Sonntagnachmittag der Gitarrist und Sänger Slam Lt, der schon bei der ersten Swiss Mountain Roadshow vor zehn Jahren dabei war und dementsprechend warmherzig angesagt wurde. In seiner Mischung aus Lieblingssongs von «Bella Ciao» bis «Should I Stay or Should I go» mogelte sich auch eine Eigenkomposition, in der er einen Mann aus Sigriswil beschrieb: «Wasser in den Knien, Toupet auf dem Kopf». Sigriswil habe er nur genommen, weil es sich so schön reime, liess Slam Lt wissen.

Immer wieder garnierte der Sänger seine Lieder mit launigen Kurzgeschichten. Bei «Bella Ciao» hätte er in Italien mal fast Ärger bekommen, weil er für einen Sänger aus Deutschland gehalten wurde. So war das Publikum nicht erfreut, ausgerechnet von einem Deutschen das Partisanenlied aus dem Zweiten Weltkrieg vorgesungen zu bekommen. Die Sache klärte sich dann aber. Die allseits bekannte Creedence-Clearwater-Revival-Frage «Have you ever see the rain» konnten die rund zehn Festivalgäste mit einem feuchtfröhlichen «Jaaaaa» beantworten. Es schüttete aus Kübeln.

Mit dem nächsten Regenschauer tröpfelten weitere wackere Fans der Livemusik aufs Gelände. Inzwischen hatten die Mitarbeiter der Roadshow zwei Pavillons aufgestellt, unter denen es sich vortrefflich feiern liess. Die nun rund 40 Personen liessen sich die Laune nicht verderben. Vereinzelt hoben Gäste Sonnenschirme aus der Verankerung, um trockenen Fusses zum Getränkestand und wieder zurück zu gelangen.

Caroline Chevin, Trägerin des Swiss Music Award, überzeugte in Steffisburg mit ihrer souligen Stimme.
Caroline Chevin, Trägerin des Swiss Music Award, überzeugte in Steffisburg mit ihrer souligen Stimme.
PD/Steve Wenger

Hitze trotz Regenkühle

Als brillante Soulröhre hat sich Caroline Chevin einen Namen gemacht. Die Trägerin des Swiss Music Award erklärte, sie sei über Monate auf Musikentzug gewesen und nun sehr glücklich, hier auftreten zu dürfen. Mit einer Livestimme zum Niederknien verbreitete die Künstlerin trotz Regenkühle eine emotionsgeladene Hitze, die so manchen weiblichen Festivalgast zum Tanzen animierte. Vor der Bühne bewegten sich Mutter und kleine Tochter barfuss und im Regenmantel sogar synchron. Songs wie «I Love You to the Moon and Back», «Too Proud» oder «It’s Good to Be Together» ernteten begeisterten Applaus. Am Abend ging die feuchte Wohnzimmerparty weiter mit der Erfolgsband «Baba Shrimps», die vom treuen Publikum gefeiert wurde.

Die Swiss Mountain Road Show zeigte: Die Aufteilung des Zuschauerraums in zwei getrennte Sektoren an den ersten beiden Tagen tat der Stimmung keinen Abbruch – im Gegenteil. Geschickt nutzten die Künstler bisweilen die neue Möglichkeit, mit dem Publikum zu interagieren. Gemäss den Veranstaltern blieb die Besucherzahl an allen drei Abenden deutlich hinter den Erwartungen zurück. Weniger als die Hälfte der total 1800 Tickets, die in den Verkauf gelangt waren, hätten abgesetzt werden können. Neben der Zurückhaltung aus Respekt vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus nennen die Veranstalter die zu hohen Temperaturen an den ersten beiden Abenden und den Regen am späten Sonntagnachmittag als weitere Gründe für den mangelnden Publikumszuspruch.

Trotzdem ziehen sie eine positive Bilanz, wie Daniel Michel vom OK sagt: «Wir haben gezeigt, dass es möglich ist, einen Konzertanlass im Freien durchzuführen, der für das Publikum und die Künstler sehr stimmig ist – und sämtlichen Auflagen entspricht.» Dass das nicht nur ein subjektiver Eindruck ist, bestätigt das Ergebnis der behördlichen Inspektion des Geländes: Es gab keinerlei Beanstandungen. Bereits in zwei Wochen gastiert die Swiss Mountain Roadshow für zwei Tage auf dem Areal der Rugenbräu AG in Matten bei Interlaken. Am darauf folgenden Wochenende geht es nach Bad Ragaz in den Giessenpark.