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Aktion in der Stadt BernPostenlauf statt Frauenstreik

Weil ein Streik heuer wegen Corona nicht möglich ist, macht die Frauenstreik-Gruppe Bern mit einem Postenlauf auf ihre Anliegen aufmerksam.

Schreien, brüllen, klatschen: Um 15.24 Uhr machen die Frauen in der Stadt Bern Lärm. Ansonsten ging es gesittet zu am Postenlauf.
Schreien, brüllen, klatschen: Um 15.24 Uhr machen die Frauen in der Stadt Bern Lärm. Ansonsten ging es gesittet zu am Postenlauf.
Foto: Iris Andermatt

Vieles ist heuer anders als vor einem Jahr. Dichte Wolken und Regen statt pralle Sonne und Hitze, gebührender Abstand statt gemeinsamer Marsch und Schutzmasken über den violetten Halstüchern. Trotzdem stand die Stadt Bern auch heute wieder im Zeichen der Frau.

Ein Jahr nach dem grossen Frauenstreik vom 14. Juni 2019 macht sich das Berner Kollektiv erneut sichtbar. Wegen der Corona-Massnahmen wird jedoch auf eine grosse Kundgebung verzichtet. Stattdessen organisierte es einen Postenlauf durch die Stadt: Zwischen 14 und 17 Uhr konnten sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer an 11 Posten über verschiedene Themen informieren.

Beim Bärenplatz etwa machte Amnesty Schweiz auf ihre Kampagne gegen Gewalt an Frauen aufmerksam. Auf dem Casinoplatz hingen Zitate von Frauen, die mit Migration und Flucht konfrontiert wurden. Und beim Kornhaus lautete das Motto «Weniger arbeiten, besser leben»: Liegestühle und Teppiche luden die Frauen dazu ein, einfach mal zu «Frau*lenzen».

Video: Keystone/sda

Sichtbar bleiben

Während letztes Jahr über 40’000 Menschen in Bern auf die Strasse gingen, verzeichnete der Postenlauf heuer über 2000 Teilnehmende. «Wir sind sehr zufrieden», sagt Denise Brechbühl von der Frauenstreik-Koordinationsgruppe, «es war ein Tag, der in Erinnerung bleiben wird.»

Ziel der Aktion sei es einerseits gewesen, die Anliegen und Forderungen der Frauen präsent zu halten. Zudem habe das Kollektiv den Tag genutzt, um auf sich selbst aufmerksam zu machen, so Brechbühl: «Wir sind immer auf der Suche nach Frauen, die sich dem Kampf anschliessen.»

An insgesamt 11 Posten konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Themen wie Care-Arbeit oder Lohngleichheit schlau machen. Start war der Bundesplatz.
An insgesamt 11 Posten konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Themen wie Care-Arbeit oder Lohngleichheit schlau machen. Start war der Bundesplatz.
Foto: Iris Andermatt
Migrantinnen und Flüchtlingen erzählen ihre Geschichte, in bunten Kurzporträts, aufgehängt auf dem Casinoplatz.
Migrantinnen und Flüchtlingen erzählen ihre Geschichte, in bunten Kurzporträts, aufgehängt auf dem Casinoplatz.
Foto: Iris Andermatt
Wie schon vor einem Jahr eroberte die Farbe Violett die Stadt Bern.
Wie schon vor einem Jahr eroberte die Farbe Violett die Stadt Bern.
Foto: Iris Andermatt
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Wie schon letztes Jahr wurde es auch heute laut in der Stadt Bern. Exakt um 15.24 Uhr startete die Lärmaktion: Egal, wo sich die Frauen auf dem Postenlauf gerade befanden, fingen sie an zu schreien und zu brüllen. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Laut einer Lohnstudie arbeiten Frauen in einer 8-Stunden-Schicht ab 15.24 Uhr gratis, wenn man ihren Lohn mit demjenigen ihrer männlichen Kollegen vergleicht.

Gebrüllt wird auch nächstes Jahr. Für 2021 planen die Frauenstreik-Gruppen in der Schweiz wiederum eine grössere Aktion. Dann gibt es nämlich gleich ein doppeltes Jubiläum zu feiern: Einerseits jährt sich der erste Frauenstreik 1991 zum 30. Mal, andererseits gibt es das 50. Jubiläum des Frauenstimmrechts zu feiern.

Denise Brechbühl spricht auch in der neusten Ausgabe des Podcasts «BZ us dr Box»:

2 Kommentare
    Reto Huber

    Das bevorzugte Geschlecht empfindet sich mal wider benachteiligt. Kranke-linke-Gesellschaft!